Möglicher Anschlag in Berlin Lkw-Fahrer rast in Menschenmenge - zwölf Tote

Trauer und Entsetzen in Deutschland und der Welt: Bei einem möglichen Anschlag in Berlin sind mindestens zwölf Menschen gestorben, Dutzende weitere wurden verletzt. Die Hintergründe sind noch unklar.

Lkw auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin
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Lkw auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin


Auf einem Weihnachtsmarkt in der Nähe der Berliner Gedächtniskirche ist es am Montagabend gegen 20 Uhr womöglich zu einem Anschlag gekommen: Ein Lastwagen fuhr in eine Menschenmenge, mindestens zwölf Menschen wurden dabei getötet. Das teilte die Polizei mit. Zunächst war von mindestens neun Todesopfern die Rede gewesen. Mindestens 48 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Sie werden im Krankenhaus behandelt.

Am frühen Dienstagmorgen teilte die Polizei mit, das Fahrzeug sei vorsätzlich in die Menschenmenge gesteuert worden.

Am Vorabend hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière in einem ARD-Interview gesagt, die Hintergründe der Tat seien noch unklar. "Ich möchte jetzt noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen, obwohl viel dafür spricht." Wenig später sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger, er gehe nach seinem bisherigen Informationsstand von einem "Terroranschlag" aus.

Unter den zwölf Toten ist laut Polizei auch der Beifahrer des Lkw: Der Mann starb den Angaben zufolge durch den Unfall. Der Fahrer war demnach zunächst in Richtung Zoo geflüchtet. Wenig später sei ein Verdächtiger in der Nähe der Siegessäule festgenommen worden. "Wir überprüfen jetzt, ob es sich dabei um den Fahrer handelt", heißt es von der Polizei (Hier können Sie alle Entwicklungen zu Berlin im Newsblog nachlesen.).

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Attacke auf Weihnachtsmarkt: "Ein schlimmer Abend für Berlin"

Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen fuhr laut Polizei gegen 20 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern mit hoher Geschwindigkeit über den Markt und zerstörte dabei mehrere Buden. Dutzende Rettungs- und Polizeiwagenwagen waren im Einsatz, das Gelände wurde abgesperrt. Es gebe ein "verheerendes Bild vor Ort", sagte ein Polizeisprecher.

Anwohner wurden aufgerufen, zuhause zu bleiben. Die Polizei bat außerdem, keine Videos vom Breitscheidplatz im Internet zu verbreiten, um die Privatsphäre der Opfer und ihrer Angehörigen zu schützen. Zudem sollten die Straßen im Stadtzentrum für Einsatzkräfte freigehalten werden. "Wir brauchen vor Ort alle Rettungswege. Bitte kommen Sie nicht zum Breitscheidplatz. Bitte halten Sie die Straßen für uns frei", schrieb die Polizei via Twitter.

Karte von Berlin, die rote Markierung (l.) zeigt den Breitscheidplatz
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Karte von Berlin, die rote Markierung (l.) zeigt den Breitscheidplatz

Generalbundesanwalt in Karlsruhe übernimmt die Ermittlungen

"Was wir hier sehen, ist dramatisch", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller auf dem Breitscheidplatz im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zwischen Kurfürstendamm und Zoo. Die Situation sei unter Kontrolle. Am Dienstag will Müller gemeinsam mit Innensenator Andreas Geisel die Öffentlichkeit über weitere Erkenntnisse informieren.

Bundesjustizminister Heiko Maas teilte in der Nacht zu Dienstag mit, der Generalbundesanwalt in Karlsruhe habe die Ermittlungen übernommen.

In dem Lastwagen wurden laut Polizei keine gefährlichen Gegenstände gefunden. Er gehörte einer polnischen Spedition und hatte Stahlkonstruktionen nach Berlin transportiert. "Es besteht der Verdacht, dass dieser Lkw in Polen von einer Baustelle gestohlen wurde", schrieb die Polizei via Twitter.

Video über die Vorfälle in Berlin:

Der Eigentümer der Spedition, Ariel Z., sagte in einem Telefonat mit dem Sender TVN 24, der Fahrer sei sein Cousin - und seit etwa 16 Uhr nicht mehr zu erreichen gewesen. Er sei ganz sicher kein Attentäter, sagte Z.. "Ihm muss etwas angetan worden sein."

Reaktionen aus Deutschland und der Welt

In Deutschland und der Welt reagierten Politiker mit Trauer und Bestürzung auf die Meldung aus Berlin. "Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land", sagte Bundespräsident Joachim Gauck. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte, er und die gesamte Kommission seien "erschüttert". Europa sei "bereit zu helfen", sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk.

Reaktionen kamen unter anderem auch aus Frankreich, Griechenland und den USA (einen Überblick über die Reaktionen deutscher und internationaler Politiker lesen Sie hier). "Deutschland ist einer unserer engsten Partner und stärksten Verbündeten", erklärte beispielsweise der Sprecher des amerikanischen Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price. "Im Kampf gegen all jene, die unsere Art zu leben und unsere Gesellschaften bedrohen, stehen wir an der Seite Berlins."

Facebook hat inzwischen seinen Sicherheits-Check aktiviert: Nutzer, die in der Region rund um den Unglücksort sind, können Freunden mitteilen, dass sie außer Gefahr sind. Der Service war in den vergangenen Monaten immer wieder aktiviert worden - etwa nach den Anschlägen in Nizza oder Brüssel, oder nach der Gewalttat in München.

aar/dpa/AFP/Reuters



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