Berliner Grüne Marek Dutschke will für den Bundestag kandidieren

Marek Dutschke, der Sohn des 68er-Studentenführers Rudi Dutschke, will beim Parteitag der Berliner Grünen um einen aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl kämpfen. Junge Grüne unterstützen seine Kandidatur. Aber er müsste sich gegen zwei, vielleicht drei grüne Prominente durchsetzen.

Von Yassin Musharbash


Marek Dutschke: "Eigenes Profil schärfen"
DDP

Marek Dutschke: "Eigenes Profil schärfen"

Berlin- "Ich will einen Generationenwechsel und eine Kursänderung bei den Grünen erreichen", begründete Marek Dutschke im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE seine Ankündigung. Die Grünen, so der 25-Jährige, hätten sich in den vergangenen Jahren immer öfter von Bundeskanzler Gerhard Schröder unterbuttern lassen. Nun sei es an der Zeit, "neue Verantwortung" zu übernehmen. "Die SPD hat uns in den letzten Tagen vorgeführt", sagte Dutschke. "Wir Grüne müssen jetzt unser eigenes Profil schärfen -und uns auch auf die Opposition vorbereiten." Marek Dutschke ist der Sohn des 1979 an den Folgen eines Attentats verstorbenen Studentenführers Rudi Dutschke und seiner Frau Gretchen. Er ist in Dänemark und den USA aufgewachsen und lebt seit knapp zwei Jahren in Berlin.

Dutschke gilt als Vertreter des linken, eher regierungsfernen Flügels der Grünen. Seine Chancen auf einen sicheren Listenplatz sind allerdings schwer einzuschätzen. Im Berliner Landesverband der Grünen Jugend wird sein Vorstoß mit Sympathie aufgenommen, auch wenn der sein Votum erst am kommenden Montag vergeben will. "Marek liegt genau auf unserer Linie, was seine linke, politische Ausrichtung angeht", sagt auch Nike Wessel, die Sprecherin des Bundesverbandes der Grünen Jugend. "Wir sind immer dafür, wenn jemand junge Ideen und einen Blick von Außen hat und die Parteierneuerung voranbringen will."

Weil aber bei den Berliner Grünen die ungeraden Listenplätze Frauen vorbehalten sind und der Berliner Landesverband realistischerweise mit nicht mehr als vier Abgeordneten im Bundestag rechnen kann, wird sich Dutschke einer Kampfkandidatur stellen müssen - und dabei voraussichtlich auf mindestens zwei schwer zu schlagende Gegenkandidaten treffen: Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Bundestagsabgeordnete Werner Schulz sowie der Berliner Grüne Wolfgang Wieland, heißt es in der Partei, spekulieren auf den zweiten Listenplatz, der als einziger sicherer Männerplatz gilt. Bei der Listenaufstellung 2002 hatte Schulz seine Konkurrenten wider Erwarten mit einer überzeugenden Rede aus dem Feld schlagen können.

"Endlich mal kein Parteisoldat"

Berühmter Vater: Studentenführer Rudi Dutschke
DPA

Berühmter Vater: Studentenführer Rudi Dutschke

Eventuell könnte aus dem abzusehenden Drei- auch ein Vierkampf werden: Es gilt als nicht ausgeschlossen, dass auch der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele versuchen wird, diesen Platz zu ergattern, um sich abzusichern. Noch hat Ströbele als einziger Grüner ein Direktmandat inne. Marek Dutschke erklärte allerdings im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Gegen Ströbele anzutreten, würde mir schwer fallen - weil er unter allen Kandidaten der jugendlichste ist". Mit Ströbeles Entscheidung wird in den nächsten Tagen gerechnet.

Auf den Plätzen Eins und Drei werden aller Voraussicht nach die Verbraucherschutzministerin Renate Künast und Sybille Klotz, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, landen. Der Listenparteitag findet Mitte Juni statt.

Dass Dutschke nur wenig kommunalpolitische Erfahrung gesammelt hat, legt er als Vorteil aus: "Es ist gut, wenn mal frischer Wind in den Laden kommt". Dutschke hat in den USA Politologie und Germanistik studiert. In den letzten Monaten arbeitete er bei den Grünen in Brüssel sowie in der Grünen-Fraktion des Bundestages. Seine politischen Grundansichten hat er bereits 2001 in dem Buch "Spuren meines Vaters" beschrieben.



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