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Innensenator zu erfundenem Flüchtlingstod: "Perfide Aktion"

Lange Schlangen vor dem Lageso: Todesopfer war erfunden Zur Großansicht
DPA

Lange Schlangen vor dem Lageso: Todesopfer war erfunden

Weil ein Ehrenamtlicher den Tod eines syrischen Flüchtlings erfand, zeigt sich Berlins Innensenator aufgebracht: Er verstehe dieses "schändliche Verhalten" nicht. Die Initiative "Moabit hilft" entschuldigte sich für die Falschmeldung.

Die Meldung eines Helfers, in Berlin sei ein syrischer Flüchtling nach langem Warten vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) gestorben, sorgte am Mittwoch für Aufregung. Dann gestand der Ehrenamtliche der Polizei, er habe die Geschichte nur erfunden. Berlins Innensenator Frank Henkel hat das scharf kritisiert: "Das ist eine der miesesten und perfidesten Aktionen, die ich jemals erlebt habe", teilte der CDU-Politiker mit.

Berlins Behörden hätten "über Stunden mit hohem Aufwand nach einem erfundenen 'Lageso-Toten'" suchen müssen, so Henkel. Rechtliche Konsequenzen müssten geprüft werden. Die Polizei hatte zuvor mitgeteilt, es seien vorerst keine strafrechtlichen Folgen zu erwarten.

Am Donnerstagvormittag entschuldigten sich zwei Sprecherinnen von "Moabit hilft" in einer Pressekonferenz vor dem Lageso. "Wir haben Mist gebaut", sagte die Aktivistin Diana Henninges. Auch sie zeigte sich enttäuscht von dem Mitarbeiter. Er habe "perfide gelogen", das erschwere nun die Arbeit der Flüchtlingshelfer. Man rechne damit, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden künftig schwieriger werde. Die Pressearbeit werde der Verein nun professionalisieren.

Das Lageso ist in der Hauptstadt für die Flüchtlingsregistrierung zuständig. Der Flüchtlingshelfer hatte behauptet, ein 24-jähriger Syrer habe tagelang vor dem Amt angestanden. Der Ehrenamtliche schrieb auf Facebook, er habe den stark fiebernden Mann zu sich geholt. Wegen seines schlechten Zustandes habe ein Krankenwagen den Syrer abgeholt - und auf dem Weg in eine Klinik sei er gestorben.

Später löschte der Helfer den Eintrag wieder - und tauchte einen Tag lang unter. Am Mittwochabend dann gestand der Mann in einer Befragung der Polizei, er habe alles frei erfunden. Zum Motiv äußerte sich die Polizei bisher nicht.

Für dieses "schändliche Verhalten" fehle ihm jedes Verständnis, zitiert der "Tagesspiegel" den Innensenator: "Geschadet wurde auch den vielen Ehrenamtlichen, die in unserer Stadt jeden Tag wichtige Arbeit leisten."

Initiative: "Wir kennen seine Motivation für diese Meldung nicht"

Verantwortung würden jedoch auch Henniges und weitere Helfer tragen, die den erfundenen Fall ohne jegliche Grundlage bestätigt hätten, so Henkel. Die Initiative kümmert sich seit Monaten um die Versorgung der Wartenden am Lageso. Sie hatte den Bericht über Twitter und Facebook geteilt und den Helfer mehrfach als sehr vertrauenswürdig bezeichnet.

Bereits am späten Mittwochabend hatte sich die Initiative "fassungslos über das Geschehene" gezeigt. "Er hat uns heute Morgen mit der Meldung über den Tod eines geflüchteten Menschen informiert", heißt es in einem Facebook-Post. Da die Helfer täglich kranke und entkräftete Menschen vor dem Amt angetroffen hätten, sei die Nachricht für sie vorstellbar gewesen, heißt es in dem Post. "Diese Meldung ist offensichtlich falsch", schrieb die Initiative. "Wir kennen seine Motivation für diese Meldung nicht, und wollen dies auch nicht kommentieren. Dirk hat sein Facebook-Profil gelöscht und war bis jetzt für uns nicht zu sprechen."

"Wer solche Gerüchte streut und ungeprüft weiterverbreitet, legt es bewusst darauf an, die Stimmung in unserer Stadt zu vergiften", zitiert der "Tagesspiegel" Henkel. Das Lageso steht seit Monaten schwer in der Kritik - weil Flüchtlinge tagelang warten müssen, Essensgeld nicht ausgezahlt wird und es immer wieder zu Gewalt kommt. Die Kritik kam unter anderem von "Moabit hilft".

vek/cht/dpa

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