Lucke vs. Gauland AfD streitet über Kurs nach Pariser Attentat 

Das Attentat von Paris verschärft in der AfD den Konflikt um den richtigen Umgang mit den Islamgegnern von Pegida. Die AfD-Oberen Lucke und Henkel warnen davor, jetzt alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen.

Pegida-Demonstration in Dresden: Viele AfD-Mitglieder laufen mit
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Pegida-Demonstration in Dresden: Viele AfD-Mitglieder laufen mit

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Berlin - Der AfD-Vorstandssprecher Bernd Lucke reagierte schnell. Man dürfe die Gewalttat zweier Extremisten nicht einer ganzen Religionsgemeinschaft anlasten, mahnte er. Sein Aufruf zur Besonnenheit gegenüber friedlichen Muslimen war auch eine Reaktion auf das, was AfD-Vize Alexander Gauland Stunden zuvor erklärt hatte.

Gauland sieht das Attentat auf das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" als Beleg für die Anliegen der Pegida-Bewegung, die seit Wochen jeden Montag in Dresden demonstriert. Gauland war vor Weihnachten vor Ort erschienen, hatte die Demonstranten ausdrücklich verteidigt. Nun erklärte er, die Pegida-Forderungen erhielten nach dem Massaker von Paris besonderes Gewicht. "All diejenigen, die bisher die Sorgen vieler Menschen vor einer drohenden Gefahr durch den Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft", so der brandenburgische Landes- und Fraktionschef der AfD.

Die unterschiedliche Tonlage zeigt: Die AfD ist bei der Frage, wie weit man die antiislamischen Ressentiments für die eigene Partei nutzen will, gespalten. Lucke, Wirtschaftsprofessor und das eigentliche Gesicht der Eurokritiker, will die Partei nicht zu weit nach rechts abdriften lassen. Gauland hingegen, einst wie Lucke in der CDU, sieht in der Pegida-Bewegung "natürliche Verbündete" der Partei.

Lucke laviert, was die Pegida-Bewegung angeht, in seinen öffentlichen Äußerungen. Offenbar mit Absicht: die künftigen Erfolge der AfD hängen auch davon ab, wie weit sie für bürgerliche Wähler der Mitte wählbar bleibt. Nicht zuletzt hatte die AfD bei den Europawahlen auch von früheren Anhängern der SPD, CDU und FDP profitiert. In Hamburg will die Partei Mitte Februar den Sprung ins erste westdeutsche Landesparlament schaffen. Unterstützung erhält Lucke in seinem eher moderaten Kurs von seinem Vize Hans-Olaf Henkel. Der ehemalige BDI-Präsident verteidigte Luckes Äußerungen nach dem Attentat ausdrücklich. "Seine Position zeigt mir, dass wir mit ihm den richtigen Sprecher haben", sagte der AfD-Vize SPIEGEL ONLINE.

AfD-Treffen mit Pegida in Dresden

Der Pariser Anschlag verschärft den AfD-internen Streit darüber, in welchem Maße sich die Partei die Anliegen der Pegida zu eigen machen will. Viele AfD-Mitglieder laufen in Dresden mit oder rufen regelmäßig zu den Kundgebungen auf. Henkel empfiehlt Distanz. "Ich habe immer schon auf die Auswüchse des Islam hingewiesen, aber niemand sollte die Opfer dieses schrecklichen Anschlages für seine ideologischen Ziele missbrauchen", so Henkel. "Ich empfehle allen in der AfD, für die Ziele, Werte und Programme der AfD und nicht für die anderer Organisationen zu werben."

Schon vor längerer Zeit hatte die sächsische AfD-Landes- und Fraktionschefin Frauke Petry angekündigt, sich mit den Organisatoren der Pegida zu treffen. Niemand konnte ahnen, dass die Zusammenkunft durch den Anschlag von Paris besondere Brisanz haben würde. Als man sich am Mittwochabend in Dresden zusammensetzte, war das Attentat auf das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" gerade einige Stunden alt.

Während die Pegida-Macher auf einer Facebook-Seite sich durch das Attentat von Paris in ihrem Anliegen bestätigt sehen (die Islamisten seien nicht demokratiefähig, sondern setzten auf Gewalt und Tod als Lösung - "unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen"), war am Tag darauf Petry in einer Pressekonferenz bemüht, Abstand zu wahren. Es gebe inhaltliche Übereinstimmungen mit Pegida, man suche aber nicht den Schulterschluss mit der Bewegung, sagte sie. "Wir halten es für wichtig, dass Politiker mit Bürgern in einen Dialog treten", verteidigte sie das Treffen. Die AfD habe bei Pegida keine strategischen Interessen, weitere Treffen seien nicht vereinbart worden, auch wolle sie selbst nicht auf deren Kundgebungen reden. Den Vorwurf, Pegida wolle aus dem Terroranschlag in Paris politisch Kapital schlagen, bezeichnete sie als Unterstellung.

Die Pegida-Macher sehen das offenbar anders: Für ihren nächsten Aufzug am kommenden Montag in Dresden forderten sie die Teilnehmer auf, für die Opfer des Anschlags mit Trauerflor zu erscheinen.

insgesamt 103 Beiträge
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WolfThieme 08.01.2015
1. Den Hals nicht voll
Pegida und AfD faszinieren offenbar die Medien derart, dass jedes Gefasel sofort veröffentlicht wird. Lasst mich mit diesen Mist und ganz besonders mit dem miesen Gesabbel eines Gauland in Ruhe.
aa_mode 08.01.2015
2.
Wenn PEDIGA und AFD Spitzen die Energie die sie derzeit aufbringen in ernsthafte Aufklärung investieren würden, wäre Deutschland schon ein ganzen Stück weiter. So wird die AFD schon bald nur noch für ängstliche und verwirrte Bürger in Sachsen eine wahlalternative sein.
Matyaz 08.01.2015
3. so langsam...
.. wird der rationale Rest der AfD in Form der Herren Henkel und Lucke an den Rand gedrängt. Mit Gestalten wie der Verschwörungstheoretikerin Petry oder einem Gauland, der zwar wirkt als wäre er als Oberlehrer einem frühen Heinz Erardt-Film entsprungen, der aber trotz aller pesudohistorischer Verklärung ein knallharter Nationalist ist zeigen die Rechtspopulisten zunehmend ihr wahres Gesicht.
Robert_Rostock 08.01.2015
4.
Hallo, sysop! Sie haben vergessen, das Forum zu schließen! Wir wollen hier doch nicht so etwas wie Diskussionen!
schlaumischlumpf 08.01.2015
5. Prof. Lucke entgleitet...
... die Partei. Er kann radikal gegensteuern, dann verliert er einen erheblichen Teil der Führungsmannschaft und wohl auch der Wähler. Wenn er es nicht in den Griff bekommt wird die AfD zu einer von vielen Splitterparteien verkommen, die sich durch interne Streitigkeiten selbst auflöst. Er sollte einfach zurück an die Uni...
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