Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Studie: Bertelsmann Stiftung plädiert für Wählen ab 16

Von

Wahlurne bei der Bundestagswahl 2013: "Die seit Jahren sinkende Wahlbeteiligung schadet der Demokratie" Zur Großansicht
DPA

Wahlurne bei der Bundestagswahl 2013: "Die seit Jahren sinkende Wahlbeteiligung schadet der Demokratie"

Eine dem SPIEGEL vorliegende Studie kommt zu dem Schluss, dass früheres Wählen die Wahlbeteiligung steigern könnte. Wer früher wählt, bleibt demnach engagierter. Für eine gute Idee halten das aber nur die Jugendlichen selbst.

Wenn die Deutschen schon in jüngeren Jahren wählen dürften, würden sie zukünftig regelmäßiger ihre Stimme abgeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die dem SPIEGEL exklusiv vorliegt. Mit einem Wahlrecht ab 16 ließe sich die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen demnach auf bis zu 80 Prozent erhöhen, berechneten die Forscher. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Weil junge Menschen noch stärker in schulischen und familiären Strukturen verankert und so leichter politisch zu sozialisieren seien, würden sie mit größerer Wahrscheinlichkeit zur Wahl gehen - und dem Gang zur Wahlurne auch in Zukunft treu bleiben. In den vergangenen Jahren ist die Wahlbeteiligung vielerorts gesunken, selbst bei der Bundestagswahl 2013 betrug sie nur 71,5 Prozent.

Die Forscher von der Bertelsmann Stiftung halten eine Reform des Wahlrechts deshalb für notwendig: "Die seit Jahren sinkende Wahlbeteiligung auf allen staatlichen Ebenen schadet der Demokratie", so Vorstandsmitglied Jörg Dräger. Die Wahlergebnisse seien sozial nicht mehr repräsentativ, der demografische Wandel tue sein Übriges hinzu.

Die Deutschen halten allerdings nicht viel von der Idee eines Wahlrechts für 16-Jährige: In einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zu der Studie sprachen sich fast 80 Prozent der Befragten dagegen aus. Nur knapp 12 Prozent denken, dass man auf diesem Weg das politische Interesse der Jungwähler steigern könnte. Viele junge Leute wünschen sich aber sehr wohl mehr Mitsprache: Fast 52 Prozent der 16- und 17-Jährigen wollen wählen dürfen.

Eine öffentliche Debatte, um mehr Unterstützung für die Forderung zu bekommen, ist demnach notwendig. Die Forscher warnen außerdem, dass es nicht reiche, nur das Wahlalter zu senken: das Thema müsse aktiv begleitet werden.

Da "die eigene Wahlteilnahme keine rein individuelle Entscheidung", sondern eine soziale Handlung sei, solle vor allem über die Schulen eine aktive Debatte geführt werden. Beispiele aus Österreich und drei deutschen Bundesländern würden zeigen, dass dies das politische Interesse fördern würde und frühzeitiger Wahlgewohnheit stabilisiere.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 98 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nein danke
Suppenelse 05.12.2015
Mit 18 Auto fahren, mit 18 Alkohol kaufen, aber mit 16 wählen gehen? Man sollte vielleicht nochmal über den Sinn der Definition von "Volljährigkeit" reden. Klar ist die sinkende Wahlbeteiligung ein Problem, aber dass ein Großteil der Deutschen den A.... nicht hochbekommt (später aber dennoch laut mitschimpft), sollte man eher durch eine Wahlpflicht lösen, wie in manchen anderen Ländern, als durch eine etwas unbeholfen wirkende Verschiebung der Altersgrenze unterhalb der Volljährigkeit.
2. Die Politiker schaden Demokratie
ford_mustang 05.12.2015
das meine ich dazu. Es gibt keine Alternativen zum Wählen, alle sind irgendwie gleich schlecht. Was nutzt es, einer Partei die Stimme zu geben, um zu verhindern, dass eine Andere an die Macht kommt, wenn dann Beide koalieren. Alle Parteien vermitteln mit ihren Beschlüssen, dass sie nie das Wohl der Bevölkerung im Sinn haben. Bertelsmann hätte mal lieber eine Studie über die Wahlverdrossenheit der jetzigen Wähler erstellen sollen. Mit ihrem Ergebnis schönen Sie nur die Zahlen. Wahrscheinlich wäre eine Wahlpflicht nicht schlecht. Jeder muss wählen gehen.
3. Wahlerlaubnis
dermirko 05.12.2015
Sehr gerne Wahlen auch ab 8 Jahren. Was hier mal eingeführt werden sollte, ist eine Wahlerlaubnis, die bescheinigt, dass man versteht, was man ankreuzt und nicht ankreuzt. Viele wählen das was sie immer gewählt haben und was auch schon die Eltern gewählt haben: tolle Demokratie.
4. No taxation without representation!
the_master 05.12.2015
Gilt in Deutschland leider nicht. Durfte auch erst mit 22 wählen, da war das Land aber schon so runtergewirtschaftet. Da brauch ich jetzt auch nicht mehr wählen, mach ich auch nicht.
5.
eiffe 05.12.2015
Alle Rechte aber keine Pflichten mit 16 (z.B. Erwachsenenstrafrecht meist erst ab 21). Wo ist da die Logik? Naja, die Bertelsmann Stiftung arbeitet sowieso ideologiegeleitet und nicht wissenschaftlich-rational.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr dazu im SPIEGEL



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: