Familienpolitik Politiker fordern Abschaffung des Betreuungsgeldes

Die CSU setzte das Betreuungsgeld vor einem Jahr gegen großen Widerstand durch. Doch jetzt fühlen sich Politiker von SPD und Grünen durch eine Studie bestätigt - und fordern eine Streichung der Zahlungen.

Kinderbetreuung: Neuer Streit über die Zahlungen
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Kinderbetreuung: Neuer Streit über die Zahlungen


Berlin - Eine Studie sorgt für neuen Streit über das Betreuungsgeld. Demnach hält die Zahlung viele Migrantenfamilien und Eltern mit geringer Bildung offensichtlich davon ab, ihre Kleinkinder in eine Kita zu schicken.

Politiker von Grünen und SPD fordern deshalb das Aus für das vor einem Jahr von der CSU durchgesetzte Projekt. "Die SPD ist bereit, das Betreuungsgeld sofort abzuschaffen", sagte Fraktionsvizechefin Carola Reimann der "Welt". Die Studie des Deutschen Jugendinstituts und der Universität Dortmund bestätige die Befürchtungen der SPD, sagte Reimann. "Aus der Studie müssen wir in der Koalition umgehend Konsequenzen ziehen." SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel ging in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe ebenfalls auf Distanz: "Die SPD steht für eine andere, modernere Familienpolitik."

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte die Abschaffung: "Das Betreuungsgeld ist absoluter Unsinn", sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Es setze falsche Anreize und verhindere die frühkindliche Förderung. Es zeige sich nun erneut, dass die Union "Familienpolitik ohne Sinn, ohne Verstand, nur mit Blick auf das eigene Klientel" mache. "Die Bundesregierung muss das Betreuungsgeld unverzüglich abschaffen und das Geld stattdessen sinnvoll in ausreichend gute Kita-Plätze investieren."

Für die Studie waren mehr als 100.000 Eltern mit Kindern unter drei Jahren befragt worden. In ihr heißt es, das Betreuungsgeld stelle besonders für sozial benachteiligte Familien einen Anreiz dar, kein staatliches Angebot frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu nutzen.

Das vom 15. Lebensmonat bis zum dritten Lebensjahr gezahlte Betreuungsgeld beträgt derzeit monatlich 100 Euro. Am 1. August dieses Jahres wird es auf 150 Euro erhöht. Im ersten Quartal 2014 bezogen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 145.769 Eltern Betreuungsgeld. Am häufigsten wurde es in Bayern nachgefragt. Allein dort gab es zu diesem Zeitpunkt 33.500 Bezieher.

Die CSU wies die Kritik strikt zurück. "Das Betreuungsgeld ist das Gegenstück zum Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter Dreijährige", sagte Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt der "Passauer Neuen Presse". "Der Staat darf nicht ein Erziehungsmodell bevorzugen." Die CSU gehe von einem eigenverantwortlichen Elternbild aus. "Die Eltern wissen am besten, was gut für ihr Kind ist: privat vor Staat und nicht andersherum." Die große Nachfrage zeige, dass das Betreuungsgeld "der richtige Weg" sei.

Betreuungsgeld: Quoten in den Bundesländern

als/dpa/Reuters

insgesamt 155 Beiträge
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Seite 1
gregoriusxix 28.07.2014
1.
Das Betreuungsgeld "hält" die Eltern ab. Ja mit roher Gewalt. Und wenn ich das schon lese: bildungsferne Eltern". Dumm will man ja nicht schreiben. Wer legt denn fest, wann Eltern bildungsfern sind. Was heisst das überhaupt? Wenn ich Schwachsinnsfragen vojn Journalisten zu WM hinzuziehe à la "Wie glücklich sind Sie jetzt", beginnt die Bildungsferne anscheinend recht früh. Es ist auch nicht so, dass "Hartzer" jetzt mehr Geld haben. Es wird auf den Bedrafssatz angerechnet. Was wollen die Betreuungsgeldgegner? Einführung des Pflichtkindergartens? Ja? Glauben diese Leute ernshaft, dass 2 Erzieher auf 25 Kinder wirklich einen besseren Einfluss auf ein Kind ausüben, als die Eltern? Und selbst wenn dem so sein sollte: Wer sein Kind nicht in die kita geben will, wird das auch nicht, wenn es kein Betreuungsgeld gibt. Soviel ist es nämlich nicht.
Immanuel_Goldstein 28.07.2014
2.
Zitat von sysopDPADie CSU setzte das Betreuungsgeld vor einem Jahr gegen großen Widerstand durch. Doch jetzt fühlen sich Politiker von SPD und Grünen durch eine Studie bestätigt - und fordern eine Streichung der Zahlungen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/betreuungsgeld-politiker-fordern-abschaffung-a-983161.html
Crazy Horst ist auf dem absteigenden Ast. Nur noch 40% aller Wähler und gerade mal 22% aller Wahlberechtigten stimmen ihm selbst in Bayern zu. Die Herdprämie muss weg, die PKW-Maut für Ausländer darf nie kommen, stattdessen sollte die LKW-Maut verzehnfacht werden, um den überbordenden sinnlosen Straßentransport endlich in den Griff zu bekommen.
Klaus-Otto 28.07.2014
3. Bayern raus aus der BRD!
Dann können sie ihre Stammtischpolitik beliebig durchziehen: Herdprämie für alle und Maut auch für einreisende Preußen (die dann einen großen Bogen um Bayern machen werden).
nachtmacher 28.07.2014
4. Kitapflicht als Nächstes?
Kommt als Nächstes die Rot-Grüne Kita-Pflicht? Unter dem Deckmäntelchen von Integration und frühkindlicher Förderung will hier der Staat noch weiter in die Familien eingreifen und die "Gesellschaftsverbesserung" vorantreiben. Und nach der Kita? Pimpfe oder junge Pioniere? Eltern werden hier für dumm und unfähig erklärt! Klar, Jugendamt und Sozialpädagogen können es sicherlich besser? Die Zerstörung der Familie als Lebensgemeinschaft scheint ein rot-grünes Kernanliegen zu sein. Das passt ganz gut zu dem Genderkampangnen, Sexualkunde-Vorstellungen und der politisch korrekten Beeinflussung der Kinder. Mein Vater hat unter den Nazis erleben müssen, wie Kinder über die politische Einstellung ausgquetscht wurden. Meine Partnerin hat erlebt, wie Kinder von konterrevolutionären Reden ihrer Eltern in der Schule berichteten... DDR 2.0? Wollen wir das wirklich? Was nimmt sich der Staat mitlerweile alles heraus? Alles redet über NSA und Spitzel. Aber auf der anderen Seite läßt sich der Bürger Stück für Stück seine Freiheit nehmen. Und viele finden es auch noch gut; wahscheinlich aus Bequemlichkeit. dann kommen die Kinder nicht der Freizeitgestaltung und der Selbstentfaltung in die Quere...
Phil2302 28.07.2014
5.
"Der Staat darf nicht ein Erziehungsmodell bevorzugen." Mit dem Argument könnte man ja auch die Schulpflicht abschaffen. Nenene, ich bin ja wahrlich kein Freund von den Grünen oder der SPD, aber da haben sie schon recht. Es war von Anfang an klar, dass bildungsferne Schichten das Angebot nutzen werden. Wir brauchen in Deutschland genau das Gegenteil: Mehr Bildung für diese Schichten, das heißt, die Kinder müssen so früh wie möglich gefördert werden. Auch sprachliche Defizite werden wohl kaum abgebaut werden können, wenn die Kinder nur zu Hause bleiben.
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