Familienpolitik SPD und Grüne halten Betreuungsgeld für bildungsfeindlich

Seit einem Jahr gibt es das Betreuungsgeld für junge Familien, doch die Kritik daran reißt nicht ab: SPD und Grüne bemängeln, die Sozialleistung verschlechtere die Bildungschancen von Migranten. Unter Familien ist die Leistung trotzdem populär.

18 Monate altes Kind: Am 1. August wird das Betreuungsgeld erhöht
DPA

18 Monate altes Kind: Am 1. August wird das Betreuungsgeld erhöht


Hamburg - Das vor einem Jahr eingeführte Betreuungsgeld für Kleinkinder schafft nach Meinung von Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele falsche Anreize. "Studien zeigen, dass das Betreuungsgeld besonders attraktiv zu sein scheint für Familien, die eine gewisse Bildungsferne und einen Migrationshintergrund haben", sagte der SPD-Politiker.

Kindern werde der Zugang zu frühkindlicher Bildung verwehrt. "Gerade bei der Sprachförderung zeigt sich, wie wertvoll die Betreuung und Bildung in einer Kita ist." Vor dem Bundesverfassungsgericht läuft noch eine Klage der Hansestadt gegen diese Familienleistung.

Ähnliche Kritik wie Scheele äußerten die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass das Betreuungsgeld am Bedarf der Familien vorbeigeht", sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Britta Altenkamp. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Sigrid Beer, fügte hinzu: "Erwiesen ist auch, dass das Betreuungsgeld die Bildungsungleichheit verschärft und damit falsche Anreize setzt."

Eltern, die für ihre Kleinkinder weder einen Kita-Platz noch eine staatlich geförderte Tagesmutter in Anspruch nehmen, können seit 1. August 2013 Betreuungsgeld beantragen. Es beträgt bislang pro Kind 100 Euro im Monat, am 1. August 2014 steigt es auf 150 Euro. Die Leistung war von der früheren schwarz-gelben Regierung auf Betreiben der CSU eingeführt worden und hatte bereits damals breite Kritik hervorgerufen, in den anderen Parteien ebenso wie in der Fachwelt.

Unter Familien mit kleinen Kindern ist die Leistung aber populär: Eine Umfrage der "Passauer Neuen Presse" in den 16 Bundesländern ergab kürzlich, dass im ersten Jahr bereits mehr als 280.000 Anträge auf Betreuungsgeld gestellt wurden.

Betreuungsgeld: Quoten in den Bundesländern

ade/dpa

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insgesamt 96 Beiträge
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DadaSiggi 26.07.2014
1. Das mag stimmen,
dass das Beteuungsgeld für Bildungsferne einen falschen Anreiz bietet. Gleichzeitig muss man es den Menschen überlassen was sie für ihre Kinder für besser halten. Denn für Bildungsnahen Menschen, sind die staatlichen Kinderdeponien ehr Bildungsfeindlich.
Mr Bounz 26.07.2014
2.
Ein weiterer Aspekt ist natürlich der immer noch bestehende Mangel an Betreuungsplätzen, danke liebe CDU das der Ausbau nicht wirklich unterstützt wird. Denn ohne Betreuungsplatz kein Job, also bleibt ein Elternteil z hause und dann wäre man ja wirklich blöd wenn man das Geld nicht nehmen würde.
bjuv 26.07.2014
3. Nicht das Betreuungsgeld verschlechtert Chancen von Migranten,
wie SPD und Grüne behaupten. Eltern, die ihre Kinder nicht in KITAs oder Tageselternbetreuung sehen möchten, verschlechtern die Bildungschancen. Wenn das hauptsächlich in Migrantenkreisen geschieht, ist das a) erst mal eine statistische Aussage und b) liegt das in Verantwortung der Migranten in Bezug auf Integration und Teilhabe, also der Zukunftschancen ihrer Kinder in diesem Land.
orwl 26.07.2014
4. Alles für die Bildung
Zitat von sysopDPASeit einem Jahr gibt es das Betreuungsgeld für junge Familien, doch die Kritik daran reißt nicht ab: SPD und Grüne bemängeln, die Sozialleistung verschlechtere die Bildungschancen von Migranten. Unter Familien ist die Leistung trotzdem populär. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/betreuungsgeld-schadet-laut-spd-und-gruene-bildungschancen-von-familien-a-982988.html
Ja machen die denn nur Politik für "Bildungsferne mit Migrationshintergrund"?? Hier wird Eltern die Kompetenz abgesprochen Ihre Kinder erziehen und Bilden zu können. Es ist genauso erwiesen, dass Kinder aus einem Stabilen Elternhaus besser Leistung in der Schule so wie bessere Sozialkompetenz vorweisen! Angesichts der jetzigen Kita-Situation ist es nicht ratsam seine Kinder in die Kita zu geben. Zum anderen zeigt sich, dass Kita-Kinder die soziale Bindungsfähigkeit verlieren, wenn sie zu früh zu viel von den Eltern getrennt werden. Aber: Alles für die Bildung - so ein Quatsch.
henrikw 26.07.2014
5. Abschaffen
Betreuungsgeld UND Elterngeld gehören abgeschafft. Sinnlose Klientelpolitik ohne auch nur annähernd den gewünschten Effekt zu erzielen.
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