Betrugshilfe Staatsanwalt ermittelt gegen Dresdner OB

Ingolf Roßberg, Oberbürgermeister von Dresden, steht im Verdacht einen betrügerischen Bankrott unterstützt zu haben. Ohne ersichtlichen Grund soll er das Honorar des hoch verschuldeten Fluthilfekoordinators der Stadt vor einem Jahr verdreifacht haben.


Dresden - Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt jetzt gegen den FDP-Politiker Roßberg. Oberstaatsanwalt Andreas Feron sprach heute auf Anfrage von einem Anfangsverdacht. Nach seinen Angaben hat Roßberg das Honorar für den Fluthilfekoordinator Rainer Sehm von 2600 Euro auf 9000 Euro erhöht. Dies sei am 1. Januar vergangenen Jahres über den Umweg der Firma Actor Consulting geschehen, wo der 54-Jährige als einziger Mitarbeiter tätig ist. Gegen Sehm selbst wird auch wegen des Verdachts des Betruges und des Bankrotts ermittelt. Roßberg wies die Anschuldigungen gegen ihn als "abwegig" zurück.

Feron betonte, dass Sehm selbst offiziell wegen seiner hohen Verschuldung und der damit verbundenen Pfändungsfreigrenze nur ein Gehalt von 1400 Euro beziehen dürfe, tatsächlich aber in bar und mit Kreditkarte wesentlich höhere Beträge vom Konto der Actor Consulting abgehoben habe. Dies sei aus Unterlagen hervorgegangen, die bei einer Durchsuchung der im Dresdner Rathaus gelegenen Firmenräume Anfang dieser Woche beschlagnahmt wurden.

Es bestehe der Verdacht, dass Sehm diese Gelder an den Gläubigern vorbei privat verbraucht habe. Die Stadt habe ihm ab Anfang vergangenen Jahres 6400 Euro mehr bezahlt, ohne dafür auch nur eine einzige Leistung zu bekommen. Der Anfangsverdacht einer Beihilfe zum Bankrott gegen den Dresdner Oberbürgermeister stütze sich darauf, dass Sehm durch die erhöhten Honorare in die Lage versetzt worden sein könnte, Gelder an seinen Gläubigern vorbei beiseite zu schaffen. Die "Dresdner Neuesten Nachrichten" berichteten, das Regierungspräsidium Dresden habe den Vertrag über die Erhöhung des Honorars als "nicht wirtschaftlich" zurückgewiesen.

Roßberg selbst begrüßte heute, dass die Staatsanwaltschaft alle offenen Fragen aufklären wolle. "Ich habe ihr sämtliche Unterstützung zugesichert", betonte das Stadtoberhaupt. Gleichzeitig könnten die im Stadtrat vertretenen Fraktionen sofortige Akteneinsicht bekommen. "Mir ist an einer größtmöglichen Transparenz gegenüber allen Beteiligten gelegen", sagte der FDP-Politiker. Der Oberbürgermeister der sächsischen Landeshauptstadt kündigte an, er wolle zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen morgen in einer Pressekonferenz Stellung nehmen.



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