Bewerbung für Parteirat: Oberrealo Palmer will die Grünen aufmischen

Von Florian Gathmann

Es ist eine Richtungs-Kandidatur: Boris Palmer, Tübingens Oberbürgermeister, will nicht nur in das Grünen-Spitzengremium - sondern die Partei auch weiter fürs bürgerliche Lager öffnen. Führende Realos unterstützen die Bewerbung, aber bei den Grünen gibt es einige Vorbehalte gegen den Schwaben.

Grünen-Politiker Palmer: "Wir sprechen nun in großer Zahl Menschen aus der Mitte an"Zur Großansicht
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Grünen-Politiker Palmer: "Wir sprechen nun in großer Zahl Menschen aus der Mitte an"

Berlin - Sie wachsen und wachsen. Vielen Grünen ist der eigene Höhenflug inzwischen suspekt - ihnen wäre es lieber, die Partei bliebe klein und inhaltlich fein. Nicht so Boris Palmer, 38. Der Tübinger Oberbürgermeister wünscht sich seine Partei so groß wie möglich. Und daran will der Oberrealo künftig an exponierter Stelle mitarbeiten: Palmer bewirbt sich auf dem Bundesparteitag vom 19. bis zum 21. November für das Spitzengremium der Grünen, den Parteirat.

"Ich will mitreden, wie sich unsere Partei entwickelt", sagte er SPIEGEL ONLINE. Seine Kandidatur für das 16-köpfige Führungsgremium soll ein Signal für die Ausrichtung der Grünen sein. "Wir werden in den nächsten Monaten die Weichen stellen: Zurück zu FDP und Linkspartei in die 10-Prozent-Region, oder 'oben bleiben'", heißt es in seinem internen Bewerbungsschreiben an die Partei. Für Palmer ist die Antwort klar: Seiner Meinung nach müssen sich die Grünen an den Großen orientieren, an CDU und SPD.

Es geht um eine Grundsatzentscheidung - und deshalb ist Palmers Bewerbung auch eine Art Kampfansage: Gegen jene Grünen, die eine Öffnung raus aus dem linken Lager für falsch halten. Zuletzt hatte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke, eine führende Vertreterin der Parteilinken, den Grünen-Höhenflug in erster Linie mit der erfolgreichen Mobilisierung des linken Lagers erklärt. "Wir sprechen nun in großer Zahl Menschen aus der Mitte an", schreibt dagegen Palmer in seiner Bewerbung. "Wenn es uns gelingt, diese Menschen an uns zu binden und zur Wahlurne zur bringen, dann können wir als Grüne die Mehrheit links von Union und FDP in Deutschland herstellen, so wie es Gerhard Schröder 1998 mit der 'Neuen Mitte' gelang."

Größenwahnsinnig oder größtes Talent der Grünen

Größenwahn? Eben der wird Palmer immer wieder vorgeworfen. Andere halten den Schwaben, zurzeit wegen der Geburt seiner Tochter in Elternzeit, schlicht für das größte Talent seiner Partei. Spätestens, seitdem er vor vier Jahren die amtierende SPD-Oberbürgermeisterin Tübingens besiegte - im ersten Wahlgang.

Palmer sagt über sein Standing in der Partei: "Ich weiß, dass ich umstritten bin." Selbst im Lager der Realos gibt es Vorbehalte gegen den Querkopf. Entsprechend schätzt er seine Chancen ein: "50 zu 50". Sieben Männer werden wohl um sechs Männer-Plätze im Parteirat kämpfen. Zudem ist Baden-Württemberg mit dem Mannheimer Bundestagsabgeordneten und Finanzexperten Gerhard Schick, der wieder antreten wird, bereits in dem Gremium vertreten.

Führende Realos unterstützen die Bewerbung Palmers, auch wegen seiner kommunalpolitischen Erfahrung. Beispielsweise Parteichef Cem Özdemir, der über den Tübinger OB sagt: "Boris steht in Tübingen für grüne Kommunalpolitik und konkreten Klimaschutz par excellence. Deshalb freue ich mich sehr über seine Bewerbung für den Parteirat." Auch Winfried Kretschmann, Fraktionschef im Stuttgarter Landtag und Spitzenkandidat der baden-württembergischen Grünen, sieht die Palmer-Kandidatur mit großem Wohlwollen.

Kretschmann schätzt den ehemaligen verkehrspolitischen Sprecher der Landtagsfraktion über die Maßen. Das geht so weit, dass er sich von Palmer am Freitag beim nächsten Stuttgart-21-Schlichtungsgespräch vertreten lassen wird.

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insgesamt 1860 Beiträge
semir 09.07.2010
Die mit den Regierenden unzufriedene Bevölkerung sucht nach Erlösung und denkt das diese bei den Grünen zu finden ist.Nur wird dabei vergessen das diese Schröders Politik mitgetragen haben. Es ist also nicht gerechtfertigt, [...]
Zitat von sysopIst das gerechtfertigt?
Die mit den Regierenden unzufriedene Bevölkerung sucht nach Erlösung und denkt das diese bei den Grünen zu finden ist.Nur wird dabei vergessen das diese Schröders Politik mitgetragen haben. Es ist also nicht gerechtfertigt, sondern ein typisches suchen der Schafherde nach dem Messias.
henningr 09.07.2010
Eine Umfallerpartei, die wegen der Machtoption teils ihre Gründungsideale opferte und im Fall der Fälle für Union als neuer Partner bereit stehen wird.
Zitat von sysopDie Grünen steuern in Umfragen auf die 20-Prozent-Marke zu, in NRW regieren sie wieder mit - und träumen in Berlin schon vom Regierenden Bürgermeister-Posten. Ist das gerechtfertigt?
Eine Umfallerpartei, die wegen der Machtoption teils ihre Gründungsideale opferte und im Fall der Fälle für Union als neuer Partner bereit stehen wird.
querulant_99 09.07.2010
Nein, das sieht für mich eher aus wie eine Verzweiflungstat derjenigen, die von der CDU und SPD vergrault wurden. Die Linke ist für viele aus unterschiedlichen Gründen auch nicht wählbar. Die FDP hat sich selbst ins Abseits [...]
Zitat von sysopDie Grünen steuern in Umfragen auf die 20-Prozent-Marke zu, in NRW regieren sie wieder mit - und träumen in Berlin schon vom Regierenden Bürgermeister-Posten. Ist das gerechtfertigt?
Nein, das sieht für mich eher aus wie eine Verzweiflungstat derjenigen, die von der CDU und SPD vergrault wurden. Die Linke ist für viele aus unterschiedlichen Gründen auch nicht wählbar. Die FDP hat sich selbst ins Abseits manövriert. Sehr groß ist die Auswahl dann nicht mehr. Und die Splitterparteien kennt man ja auch nur, weil deren Plakate alle 4 Jahre am Straßenrand stehen.
Robert B. 09.07.2010
Ich staune immer wieder über die Prozentzahlen der Grünen. Und frage mich gleichzeitig, wer wählt die? In meinem Umfeld niemand. Bei dem Unfug den sie zusammen mit der SPD verzapft haben eh nicht. CDU und FDP sind ja nun [...]
Zitat von sysopDie Grünen steuern in Umfragen auf die 20-Prozent-Marke zu, in NRW regieren sie wieder mit - und träumen in Berlin schon vom Regierenden Bürgermeister-Posten. Ist das gerechtfertigt?
Ich staune immer wieder über die Prozentzahlen der Grünen. Und frage mich gleichzeitig, wer wählt die? In meinem Umfeld niemand. Bei dem Unfug den sie zusammen mit der SPD verzapft haben eh nicht. CDU und FDP sind ja nun auch nicht der Brüller. Aber eine Partei mit diesen Vorzeigevorsitzenden?? Es gibt also noch genug Masochisten.
Pinarello 09.07.2010
Joop, sehe ich auch so, die Grünen werden derzeit wohl als das kleinste aller politischen Übel angesehen, hier in Bayern ist ja selbst die CSU nicht mehr wählbar, seit Horst Kasperlhofer mit seinem Söder die Partei anführt bzw. [...]
Zitat von querulant_99Nein, das sieht für mich eher aus wie eine Verzweiflungstat derjenigen, die von der CDU und SPD vergrault wurden. Die Linke ist für viele aus unterschiedlichen Gründen auch nicht wählbar. Die FDP hat sich selbst ins Abseits manövriert. Sehr groß ist die Auswahl dann nicht mehr. Und die Splitterparteien kennt man ja auch nur, weil deren Plakate alle 4 Jahre am Straßenrand stehen.
Joop, sehe ich auch so, die Grünen werden derzeit wohl als das kleinste aller politischen Übel angesehen, hier in Bayern ist ja selbst die CSU nicht mehr wählbar, seit Horst Kasperlhofer mit seinem Söder die Partei anführt bzw. in den Untergang führt. Allerdings, wenn ich dann wie vor einigen Tagen die aufgedonnerte Claudia Roth im Fernsehen anhören muß, dann wird mir ebenfalls richtig übel.
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  • Mittwoch, 20.10.2010 – 11:54 Uhr
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Die Geschichte der Grünen
Ende der siebziger Jahre schließen sich Bürgerinitiativen wie die Anti-Atomkraft-Bewegung und Splitterparteien wie "Grüne Liste Umweltschutz", "Grüne Aktion Zukunft" und die "Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher" zusammen. Bei der Europawahl 1979 tritt das Sammelsurium als "Sonstige politische Vereinigung Die Grünen" erstmals zur Wahl an - und holt mit ihren Spitzenkandidaten Petra Kelly und Herbert Gruhl immerhin 3,2 Prozent der Stimmen. Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen gelingt der Formation am 7. Oktober 1979 mit 5,1 Prozent der Einzug in das erste Länderparlament.





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