Beziehung mit Wagenknecht: Lafo in Love

Für einige Parteifreunde dürfte es das Traumpaar sein: Der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine hat die Vorzeige-Sozialistin Sahra Wagenknecht als seine Freundin vorgestellt. Politisch präsentieren sich die beiden bereits als eingespieltes Team.

Saarbrücken - Gerüchte gab es schon mal. Als Oskar Lafontaine kurz nach der Bundestagswahl 2009 als Fraktionschef der Linken hinwarf, sagten einige, Hintergrund sei eine Affäre mit seiner Parteifreundin Sahra Wagenknecht. Seine Frau Christa Müller habe ihn deshalb ins heimische Saarbrücken zurückbeordert. Lafontaine selbst machte damals eine Krebserkrankung öffentlich.

Nun, zwei Jahre später, hat der amtierende Fraktionschef der Linken im Saar-Landtag Wagenknecht überraschend als seine Freundin vorgestellt. "Ich lebe seit einiger Zeit getrennt und bin seit einiger Zeit mit Sahra eng befreundet", sagte der 68-Jährige am Samstag. Das private Bekenntnis verkündete er am Ende einer rund einstündigen Rede bei einem Linke-Landesparteitag in Saarbrücken.

Wagenknecht war auch zu der Veranstaltung erschienen. Die enge Verbindung zwischen ihnen sei der Grund dafür, dass er sie als Gast zu dem Landesparteitag mitgebracht habe, sagte Lafontaine. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen. Die 42-Jährige selbst verkündete lediglich: "Es ist alles gesagt."

Doch für die Parteifreunde der beiden dürfte längst nicht alles gesagt sein. Denn das neue Traumpaar der Linken ist auch politisch ein Team. Lafontaine tritt seit längerem als politischer Mentor von Wagenknecht auf. Sie wiederum plädierte offen für ein bundespolitisches Comeback des jetzigen Saar-Fraktionschefs.

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Traumpaar der Linken: Wagenknecht und Lafontaine outen sich als Paar
Die Politikerin ist seit 2010 stellvertretende Linke-Vorsitzende und seit Dienstag auch noch Vize-Chefin der Linke-Bundestagsfraktion. Wagenknecht - Mitglied der "Kommunistischen Plattform" - galt in der Linken lange Zeit eher als Exotin. Mit ihrem Bekenntnis zum Sozialismus und ihrer Sympathie für den DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht war und ist sie für viele Unionspolitiker und Liberale ein rotes Tuch. Und auch Pragmatiker innerhalb der Linken konnten ihren Thesen nicht so ganz folgen.

Wagenknecht hat einen Image-Wandel durchlebt

Inzwischen hat Wagenknecht sich von ihrer Ulbricht-Bewunderung distanziert und pflegt das Image der Kapitalismuskritikerin, die sich mit der Bundesrepublik arrangiert hat. Ihre Wandlung macht sie auch fürs Fernsehen interessant: In Talkshows ist sie bei Fragen zur Schulden- und Finanzkrise Dauergast.

Privat gab Wagenknecht, die in der DDR aufwuchs, bisher nicht viel über sich preis. Bekannt ist aber, dass sie 1997 den Filmproduzenten Ralph Niemeyer heiratete, der heute in Irland lebt. Lafontaine ist seit 1993 in dritter Ehe mit der Volkswirtin Christa Müller verheiratet. Beide haben einen gemeinsamen Sohn. Aus seiner vorherigen Ehe hat der Politiker einen weiteren Sohn.

In der Linken sprechen sich inzwischen einige dafür aus, dass Wagenknecht bei der Vorstandswahl gegen die amtierende Vorsitzende Gesine Lötzsch antreten solle. Bisher ziert sie sich noch - und auch die Realos sind dagegen. Doch angesichts der Orientierungslosigkeit, die derzeit in der Partei herrscht, setzen selbst alte Rivalen bereits auf Wagenknecht. Mit ihr als Chefin dürfte der Linken allein durch das private Gespann Lafontaine/Wagenknecht Aufmerksamkeit sicher sein.

mmq/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 406 Beiträge
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1. nie und nimmer!
Gebetsmühle 12.11.2011
Zitat von sysopFür einige Parteifreunde dürfte es das Traumpaar sein: Der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine hat die Vorzeige-Sozialistin Sahra Wagenknecht als seine Freundin vorgestellt. Politisch präsentieren sich die beiden bereits als eingespieltes Team. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,797402,00.html
ich glaub ja viel auf der welt und auch gern, aber das ist so unwahrscheinlich wie eine landung auf dem pluto und zwar vom planeten quark.
2. ohh
Chris110 12.11.2011
ein Traum wird wahr. Wie süß. Mir wird ganz warm ums Herz. Das Herz schlägt ja bekanntlich auch links... (Schade natürlich für seine treue, verlassene Frau)
3. es hätte dümmere Happy Ends geben können
ray4901 12.11.2011
Zitat von sysopFür einige Parteifreunde dürfte es das Traumpaar sein: Der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine hat die Vorzeige-Sozialistin Sahra Wagenknecht als seine Freundin vorgestellt. Politisch präsentieren sich die beiden bereits als eingespieltes Team. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,797402,00.html
wusstichsdoch!
4. ....
hermes69 12.11.2011
Ich wette sie liegt links im Bett :_D Dachte sie sei glücklich verheiratet ?! Naja der Karriere wird es nicht schaden. Frauen sind eben alle gleich.
5. Wissen
Pepito_Sbazzagutti 12.11.2011
Mann, das hätte ich wissen müssen, dass die niedliche Sarah so einfach zu haben ist :-)
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Die Linke - Aufstieg und Krise
Gründung
16. Juni 2007: Die Linke entsteht auf dem Gründungsparteitag in Berlin. Die ostdeutsche Linkspartei.PDS verschmilzt mit der westdeutschen Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit (WASG), die auch aus Politikern besteht, die von der SPD enttäuscht sind. Gleichberechtigte Vorsitzende werden Oskar Lafontaine von der WASG und Lothar Bisky von der PDS.
Erste Erfolge
27. Januar 2008: Die Linke befindet sich im Aufwind. Sie schafft in Hessen erstmals den Einzug in den Landtag. Sie will Zünglein an der Waage spielen und eine rot-grüne Minderheitsregierung tolerieren. Doch der Versuch der SPD unter Andrea Ypsilanti scheitert an Abweichlern aus den Reihen der SPD.
Einzug in zahlreiche Landtage
2009 und 2010: Nach ihrem Wahlerfolg in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai 2010 ist die Partei in 13 Landtagen vertreten. Allerdings kommt es weder in Thüringen noch im Saarland - wo die Partei mit dem Spitzenkandidaten Lafontaine aus dem Stand 21,3 Prozent erreicht - zur erhofften Regierungsbeteiligung.
Feier nach der Bundestagswahl
27. September 2009: Bei der Bundestagswahl wird die Linke hinter Union, SPD und FDP viertstärkste Kraft: 11,9 Prozent bedeuten ein unerwartet gutes Ergebnis. Gregor Gysi, Chef der Bundestagsfraktion, wertet das Abschneiden als "historisches Ereignis". Die Partei hat nun 76 Abgeordnete, die Zahl der Mitglieder steigt auf knapp 78.000.
Verzicht auf Fraktionsvorsitz
9. Oktober 2009: Auf der Klausurtagung der Linksfraktion im brandenburgischen Rheinsberg kündigt Parteichef Lafontaine überraschend an, auf seinen Fraktionsvorsitz im Bundestag zu verzichten.
Rot-Rot in Brandenburg
6. November 2009: In Potsdam wird Matthias Platzeck von SPD und Linken zum Brandenburger Ministerpräsidenten gewählt. Es ist nach Berlin die zweite Regierungsbeteiligung der vereinigten Partei. Mehrere Stasi-Enthüllungen bei der Linkspartei sorgen jedoch für harsche Kritik am rot-roten Bündnis.
Krebserkrankung Lafontaines
17. November 2009: Parteichef Lafontaine gibt bekannt, dass er an Krebs erkrankt ist und sich einer Operation unterziehen wird. Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow stößt eine Nachfolgedebatte an und sorgt für heftigen Widerspruch aus der Partei.
Machtkampf in der Linken
11. Januar 2010: Im wochenlangen Machtkampf an der Spitze der Partei gerät Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch durch Äußerungen von Fraktionschef Gregor Gysi immer stärker unter Druck. Bartsch habe sich gegenüber dem erkrankten Lafontaine illoyal verhalten und dem SPIEGEL Informationen gegeben.
Bundesgeschäftsführer räumt Posten
15. Januar 2010: Dietmar Bartsch kündigt an, nicht mehr für das Amt des Bundesgeschäftsführers zu kandidieren. In den letzten Wochen sei eine Situation entstanden, die die Politikfähigkeit der Partei gefährde. Bartsch erhielt einen neuen Posten und wurde zum Fraktionsvize im Bundestag gewählt.
Lafontaines Rückzug
23. Januar 2010: Lafontaine verkündet seine Entscheidung: Er wolle im Mai nicht erneut für den Parteivorsitz kandidieren und sein Bundestagsmandat aufgeben.
Neue Doppelspitze
15. Mai 2010: Auf dem Parteitag in Rostock werden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch zu den neuen Vorsitzenden der Linken gewählt. Sie folgen damit auf Oskar Lafontaine und Lothar Bisky.
Ermittlungen gegen Ernst
21. Juli 2010: Die Berliner Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie gegen den Chef der Linken wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt. Grund sind Flüge des Politikers zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen von Unternehmen, die Ernst über den Bundestag abgerechnet hatte. Ende Oktober 2010 erklärt die Staatsanwaltschaft die Einstellung der Ermittlungen. Die überprüften Flüge Ernsts hatten sich als überwiegend mandatsbezogen herausgestellt.
Ärger um Bezüge
Parteichef Ernst stößt im September 2010 auf Kritik bei Parteifreunden, als bekannt wird, dass der Bayer Mehrfachbezüge aus Partei und Fraktion erhält. Ernst bezog neben seinen Bundestagsdiäten in Höhe von 7668 Euro monatlich auch 3500 Euro von der Partei und 1913 Euro von der Bundestagsfraktion. Parteiinternen Kritikern war das zu viel – um so mehr, da Ernsts Co-Chefin Gesine Lötzsch auf die Bezahlung für den Vorstandsjob verzichtete. Im September 2010 beugt sich Ernst den Kritikern und erklärt, künftig auf seine monatliche Zulage für die Mitarbeit im Fraktionsvorstand verzichten zu wollen.
Lötzsch und der Kommunismus
3. Januar 2011: Linke-Chefin Gesine Lötzsch löst mit einem Beitrag zum Kommunismus in der marxistischen Zeitung "Junge Welt" heftige Kritik aus - bei Union und SPD, aber auch in den eigenen Reihen. "Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung", schreibt sie darin unter anderem. Die für den 8. Januar vorgesehene Teilnahme an einer Podiumsdiskussion der von der "Jungen Welt" organisierten Rosa-Luxemburg-Konferenz sagt Lötzsch kurzfristig ab, hält dort aber einen Vortrag in eigener Sache.
Wahlpleiten im Südwesten
27. März 2011: Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz scheitern die Genossen deutlich an der Fünfprozenthürde und verpassen den Einzug in die Parlamente. Die Parteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst führen das schlechte Abschneiden aber nicht auf eigene Fehler zurück - sondern erklären die Wahlpleiten vor allem mit der Atomkatastrophe in Japan: Der Reaktorunfall in Fukushima habe die öffentliche Debatte in den Wahlkämpfen bestimmt und damit typische Themen der Linken in den Hintergrund gedrängt. Auch bei führenden Genossen stößt diese Analyse auf Unmut, von fehlender Selbstkritik ist die Rede.
Gysi spekuliert über Lafontaine-Rückkehr
6. April 2011: Fraktionschef Gregor Gysi sorgt in der Partei für erhebliche Irritationen, weil er öffentlich über eine mögliche Rückkehr von Oskar Lafontaine auf die bundespolitische Bühne spekuliert. "Er schließt es für Notsituationen nicht aus", sagt Gysi. Wenige Wochen zuvor hatte sich Lafontaine optimistisch über seine Genesung geäußert. Er habe den Krebs voraussichtlich überwunden, sagte der Saarländer. Gysis Vorstoß verschärft die parteiinterne Debatte über die amtierende Doppelspitze Lötzsch und Ernst. Die beiden gelten als angeschlagen.
Basis rebelliert gegen Parteichefs
10. April 2011: Die Parteibasis signalisiert der Parteispitze ihre Unzufriedenheit mit der Analyse der Wahlniederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Erklärungsversuche der Parteiführung träfen "kaum den Kern der Probleme", heißt es in einer Protestnote von Dutzenden Kreisvorsitzenden. Anlass des Briefs ist die Absage einer geplanten Konferenz der Kreisvorsitzenden, auf der eine offene Aussprache vorgesehen war. Die Parteispitze hatte die Absage des Treffens zunächst damit begründet, dass man "keine geeigneten Räume zu akzeptablen Preisen" gefunden habe. Wenig später beugt sich die Parteispitze dem Druck der Basis: Die Konferenz soll jetzt noch vor der Sommerpause stattfinden.
Lötzsch warnt vor Selbstzerstörung
19. April 2011: Parteichefin Lötzsch reagiert alarmiert auf den wochenlangen Streit in der Linken und warnt die Genossen vor dramatischen Folgen: Vielen Parteimitgliedern sei offenbar nicht bewusst, "wie schnell man eine Partei zerstören kann und wie schwer es ist, sie wieder aufzubauen", sagt sie der Parteizeitung "Neues Deutschland".
Streit mit Zentralrat der Juden
Juni 2011: Das Urteil ist vernichtend: Viele Mitglieder der Linken würden unter einem "geradezu pathologischen blindwütigen Israel-Hass" leiden, schreibt Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einem Zeitungsbeitrag. In der Partei spuke noch immer "der alte anti-zionistische Geist der DDR". Grund für Graumanns Vorwurf war unter anderem eine umstrittene Antisemitismus-Erklärung der Linksfraktion. In der Erklärung hieß es, dass die Abgeordneten sich in Zukunft "weder an Initiativen zum Nahost-Konflikt, die eine Ein-Staaten-Lösung für Palästina und Israel fordern, noch an Boykottaufrufen gegen israelische Produkte noch an der diesjährigen Fahrt einer 'Gaza-Flotille' beteiligen". Israel-kritische Abgeordnete hatten nach der Abstimmung von einem "Maulkorberlass" gesprochen.
Glückwunschschreiben an Fidel Castro
August 2011: Die Linke-Chefs Lötzsch und Ernst sorgen mit einem Geburtstagsgruß an Fidel Castro in Teilen der Partei für heftige Irritationen - manchen Genossen wundern sich über das schwärmerische und kritikfreie Schreiben.
Ruf nach Lafontaine
Oktober 2011: Parteivize Sahra Wagenknecht spricht sich in einem Zeitungsinterview für die Rückkehr Lafontaines auf die bundespolitische Bühne aus: Die frühere Wortführerin der Kommunistischen Plattform schlägt den Saarländer als Spitzenkandidaten für die nächste Bundestagswahl vor.