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Spezialeinheit BFE+: Neue Anti-Terror-Truppe unterstützt die GSG 9

Die Bundespolizei rüstet nach den Anschlägen von Paris im Kampf gegen den Terror auf: Eine neue Spezialeinheit mit dem Namen BFE+ soll die legendäre GSG 9 unterstützen.

Die Pläne lagen schon länger in der Schublade, wegen der Anschläge von Paris werden sie jetzt umgesetzt: Neben der Anti-Terror-Einheit GSG 9, die 1977 durch die Befreiung einer entführten Lufthansa-Maschine berühmt wurde, gibt es nun eine weitere Spezialeinheit der Bundespolizei. Ihr sperriges Kürzel lautet "BFE+". Das steht für "Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit plus".

Im brandenburgischen Ahrensfelde wurde am Mittwoch die erste Einheit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und dem Präsidenten des Bundespolizeipräsidiums, Dieter Romann, vorgestellt.

"Diese Einheit kann schützen, diese Einheit kann fahnden, und diese Einheit kann entschlossen handeln - dadurch hält sie der GSG 9 den Rücken frei für Geiselbefreiungen und andere robuste Lagen", erklärte Romann die Aufgaben der neuen Spezialtruppe. Die Struktur der Anschläge von Paris und die anschließenden Vorfälle hätten zum Beschluss geführt, dass die Bundespolizei besser für den Kampf gegen den Terror ausgerüstet sein müsse, sagte de Maizière.

Beim Einsatz gegen Terroristen und schwere Gewalttäter soll die BFE+ die Reaktions- und Durchhaltefähigkeit der Bundespolizei erhöhen. So zumindest lautet das Ziel des Innenministeriums. Die Spezialeinheit werde neben den Bundespolizeibehörden und den Landespolizeien die GSG 9 "bei multiplen, länger andauernden" Gefahrensituationen unterstützen, heißt es. Anders als die GSG 9 sollen die mit Spezialwaffen ausgerüsteten Beamten aber auch bei der Bereitschaftspolizei eingesetzt werden.

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Bundespolizei: Die neue Anti-Terror-Einheit BFE+
Unterstützung bei Anschlägen an mehreren Orten

Hintergrund für den Aufbau der neuen Truppe: Waren Anschläge früher räumlich und zeitlich relativ begrenzt, kam es zuletzt immer häufiger zu Terroraktionen, bei denen die Angreifer Bombenanschläge, Angriffe mit Schusswaffen und auch Geiselnahmen kombinierten. Die Attentate können zudem mehrere Tage dauern und ganze Städte lahmlegen.

Die Terroranschläge vom 13. November und die Attacke auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo" vom Januar in Paris sind die jüngsten Beispiele dafür. Im Jahre 2008 griffen Islamisten im indischen Mumbai Hotels, Cafés, einen Bahnhof und ein jüdisches Gemeindezentrum an und töteten 166 Menschen. Es dauerte 60 Stunden, bis die Polizei die Lage unter Kontrolle hatte. In Russland nahmen Kommandos schon 2002 sowie 2004 in einem Moskauer Theater und einer Schule in Beslan tagelang hunderte Geiseln.

Für die neue Spezialtruppe sind 250 Planstellen vorgesehen. Die erste Einheit mit 50 Beamtinnen und Beamten wird in Blumberg in Brandenburg aufgebaut. In mehreren Phasen soll die BFE+ dann vergrößert werden. Als weitere Standorte kommen laut Innenministerium vor allem die Standorte der fünf bestehenden Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaften (BFHu) der Bundespolizei in Sankt Augustin, Hünfeld, Bayreuth und Uelzen in Betracht.

Die Plus-Truppe ist zwar neu, das Konzept allerdings nicht. Sogenannte BFE-Einheiten gibt es bereits seit Jahrzehnten in der Bundespolizei und der Polizei der einzelnen Bundesländer: Die BFE-Einheiten agieren meist in kleinen Teams und trainieren spezielle Techniken zur Festnahme von Gewalttätern.

Die Truppen kommen bei vielen Anlässen zum Einsatz: In Hamburg etwa bei der Bewachung von Werttransporten, Razzien, Demonstrationen und Fußballspielen. Gelegentlich sichern sie bei besonders gefährlichen Festnahmen durch Sondereinsatzkommando die Zugänge ab.

sev

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