Mauerfall-Gedenken Wagenknecht attackiert Biermann wegen "Drachenbrut"-Rede

Im Bundestag bezeichnete der Liedermacher Wolf Biermann die Linkspartei als "Drachenbrut", nun kontert Fraktionsvize Sahra Wagenknecht: Biermann sei "ein alter Mann", der in der Zeit des Kalten Kriegs gefangen sei.

Linke-Politikerin Wagenknecht: "Ich habe erwartet, dass das passiert"
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Linke-Politikerin Wagenknecht: "Ich habe erwartet, dass das passiert"


Berlin - Die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht hat den Auftritt des Liedermachers Wolf Biermann im Bundestag zum 25. Jahrestag des Mauerfalls scharf kritisiert. Biermann sei "ein alter Mann, der in der Zeit geblieben ist, in der diese Auseinandersetzungen geführt wurden", sagte die stellvertretende Chefin ihrer Bundestagsfraktion zur Kritik des 77-Jährigen an ihrer Partei. "Es ist noch nie im Bundestag eine Fraktion in solcher Weise attackiert worden."

Biermann hatte den Abgeordneten der Linken am Freitag im Bundestag vorgeworfen, sie seien "der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden wurde". Mit Verweis auf seine Bezeichnung als "Drachentöter" sagte der Liedermacher, er könne "nicht die Reste der Drachenbrut" niederschlagen, "die sind geschlagen". Es sei "Strafe genug" für die Linken, "dass sie hier sitzen müssen und sich das anhören müssen".

Wagenknecht wollte sich nicht "mit Gülle übergießen lassen"

Auf Einwurf aus der Linksfraktion, sie seien gewählt, erwiderte Biermann, eine Wahl sei doch "kein Gottesurteil". Die Linke sei in Wahrheit "reaktionär". Im Anschluss an den Schlagabtausch trug Biermann sein Lied "Ermutigung" vor, das vor allem bei den Oppositionellen in der damaligen DDR populär war. Biermann selbst nannte es "ein Stück Seelenbrot" insbesondere für die Insassen von DDR-Gefängnissen.

Bislang hatte die Linke Biermanns umstrittene Äußerungen ohne größere Proteste hingenommen, Fraktionschef Gregor Gysi lehnte jeden Kommentar dazu ab. Wagenknecht hatte Biermanns Auftritt von vornherein boykottiert. "Ich habe erwartet, dass das passiert, was passiert ist", sagte sie. "Das muss jeder selbst entscheiden, ob er sich hinsetzt und sich mit Gülle übergießen lässt."

Der Auftritt des 1976 aus der DDR ausgebürgerten Biermann hatte bereits vor der Veranstaltung für Ärger gesorgt. Die Linke - als SED-Nachfolgepartei immer wieder von Biermann kritisiert - fühlte sich bei der Festlegung des Programms übergangen. Sie verlangte, dass er seinen Auftritt nicht für Parteienkritik nutzt.

mxw/dpa

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Olaf 12.11.2014
1.
Tja, Kritik sind die Linken nicht gewöhnt. Wundert mich immer wieder, wie die Medien Leuten wie Wagenknecht oder Gysi aus der Hand fressen.
tagesgast_01 12.11.2014
2. vor allen Dingen...
hat er sich selbst widersprochen. Nachdem die Linke richtig stellte, dass sie demokratisch gewählt wurde, erwiderte er, dass das ja kein Gottesurteil sei... (was auch immer Gott damit zu tun hat...) und zum Schluß sagte er, dass es doch schön sei, in einem demokratisch gewählten Bundestag zu sitzen ... Na was denn nun?, Herr Biermann - Gottesurteil, oder ist Demokratie schön?
diezweitemeinung 12.11.2014
3. Drachenbrut
Die Linke wird durch die Verweigerung einer schonungslosen Aufarbeitung der mörderischen Vergangenheit der SED zur "Drachhenbrut". Würden sich die Linken ohne Rücksicht auf die reaktionären Teile ihrer Wählerschaft zu den tatsächlichen Verbrechen der SED bekennen, um sich dann von diesen ehrlichen Herzens zu distanzieren, dann hätten sie eine Chance auf einem unbelasteten Neuanfang verdienst. So sind und bleiben sie aber die "Drachenbrut". Wolf Biermann ist im Kopf jünger als die meisten Linken. Bleib uns noch lange erhalten, Wolf!
stauner 12.11.2014
4.
Als wir in den 70er auf die übrig gebliebenen Verbrecher hinwiesen, reagierten die betroffenen Parteien genauso. Ich bin nicht so bescheuert Wagenknecht eine Stasi- oder sonstige DDR-Karriere vorwerfen zu wollen, dazu ist sie zu jung, - aber auch hier ist es angebracht auf die übriggebliebenen mit Fingern zu zeigen. Das muss man aushalten, Frau Wagenknecht!
Johannes Pfeiffer 12.11.2014
5. Überflüssig
Frau Wagenknecht darf sich natürlich echauffieren, das ist ihr gutes Recht. Aber solange sich die PDS Nachfolgepartei, die Linke nicht eindeutig von der DDR distanziert, solange haftet ihr der Leichengeruch dieses Unrechtsstaats an. Und nur das hat Herr Biermann zum Ausdruck gebracht. Ihnen allen noch einen schönen Abend. Ihr J. Pfeiffer
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