Bildung Von der Leyen gründet "Bündnis für Erziehung"

Trotz aller Kritik: Familienministerin von der Leyen hat ihr "Bündnis für Erziehung" nur mit den beiden großen christlichen Kirchen gestartet. Andere Gruppen will sie erst im Herbst zu einer zweiten Runde einladen.


Berlin - Ursula von der Leyen hat ihre Entscheidung heute verteidigt: Die beiden großen Kirchen stellten 72 Prozent der von freien Trägern unterhaltenen Kindertagesstätten, sagte die Ministerin nach einem ersten Treffen des Bündnisses in Berlin. Aus "pragmatischen Gründen" habe sie sich daher entschieden, das Projekt zunächst nur mit der katholischen und evangelischen Kirche in Berlin zu starten. Sie betonte zugleich: "Unsere gesamte Kultur gründet sich auf die christliche Kultur."

Kardinal Sterzinsky (l-r), Ministerin von der Leyen und Landesbischöfin Käßmann: "Tür weit offen"
DPA

Kardinal Sterzinsky (l-r), Ministerin von der Leyen und Landesbischöfin Käßmann: "Tür weit offen"

"Es geht um eine wertegebundene Erziehung", sagte von der Leyen und nannte unter anderem die Werte Verlässlichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft. Zunächst gelte es, die eigene Position zu klären, um sich später auch anderen Religionen öffnen zu können. "Dieses ist ein Anfang, den wir machen mussten", sagte von der Leyen. "Wenn wir alle hätten einbeziehen müssen, wäre es sehr schwer gewesen." In einem zweiten Schritt sollten im Herbst dann auch andere Gruppen hinzugezogen werden. "Die Türen sind sehr weit offen", sagte von der Leyen.

Ziel des Bündnisses ist es, Kindern schon von klein auf Werte zu vermitteln und auch den Eltern Orientierung und Unterstützung zu bieten. Es gelte, Kindern Regeln und Grundsätze nahe zu bringen. "Aber Werte wachsen nicht von selber", mahnte die Ministerin. Sie müssten auch vorgelebt werden. Die Eltern trügen die Verantwortung, seien aber selbst oft verunsichert.

Die Kirche könne dazu Beispiele aus ihrer Praxis beitragen, erklärte der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky nach dem Treffen mit der Ministerin in Berlin. Auch die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann wies darauf hin, dass die ersten Lebensjahre eines Menschen entscheidend seien für die Formung seiner Weltsicht. Sie sei überzeugt, dass die Basis der Zehn Gebote durchaus eine gute Grundlage für Wertevermittlung sein könne, erklärte die Bischöfin. Zu welchen Werten die Kinder erzogen werden sollten, müsse die Gesellschaft klären. Konkret wollen die Bündnispartner der Ministerin zufolge nun erst einmal mit Fachleuten "Bausteine" für die Praxis erarbeiten. Vier Regionalkonferenzen sind im Sommer in Düsseldorf, Hannover, Berlin und München geplant, um das Bündnis in der Fläche zu verbreiten.

Im Vorfeld hatten unter anderem die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), FDP und Grüne, kritisiert, dass zunächst nur die beiden großen Kirchen eingeladen wurden. Die Grünen forderten von der Leyen heute dazu auf, das "Bündnis für Erziehung" unter diesen Bedingungen zurückzuziehen. "Nach der deutschen Leitkultur will die Union offenbar das christliche Erziehungsdogma installieren", kritisierte Partei-Geschäftsführerin Steffi Lemke in Berlin. Wenn von der Leyen Erziehungsfragen auf christliche Werte verenge, verkenne sie Anforderungen einer modernen, pluralistischen Gesellschaft.

ler/AFP/ddp/dpa/AP



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