Ex-Parteichef Bisky: Linke bietet "Super-Horror-Show"

Der Führungsstreit in der Linken lässt selbst altgediente Funktionäre verzweifeln. Der frühere Parteichef Bisky bezeichnete die aktuelle Krise als "Super-Horror-Show". Ein Politologe prophezeit der Linken bereits den Abstieg zur Regionalpartei.

Ex-Linke-Chef Bisky bei einer Parteiveranstaltung 2010: Zum Glück scheidet Sibirien aus Zur Großansicht
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Ex-Linke-Chef Bisky bei einer Parteiveranstaltung 2010: Zum Glück scheidet Sibirien aus

Berlin - Die Situation der Linken ist so verfahren, dass selbst der frühere Parteichef Lothar Bisky einige seiner Genossen nicht mehr ganz ernst nimmt. Er titulierte den aktuellen Führungsstreit seiner Partei als "Super-Horror-Show". "Einige betreiben die Politik vielleicht auch nicht ganz so ernsthaft und meinen, mit der Vernichtung des Parteifreundes oder mit seiner Diskreditierung Erhebliches zum Wohle der Menschheit zu leisten", sagte Bisky der "Sächsischen Zeitung".

Die Zustimmung in der Bevölkerung werde immer geringer, "und das kann tödlich werden", warnte Bisky. Kein Parteiflügel könne über den anderen gewinnen, ohne die Partei zu zerstören, denn "man hat ja zum Glück nicht die Möglichkeit, die anderen nach Sibirien zu schicken". Er fügte hinzu: "Das ist wirklich ein Segen, wenn man manchmal den Tonfall in den Auseinandersetzungen hört."

Zugleich bekräftigte er seine Unterstützung für Fraktionsvize Dietmar Bartsch als künftigen Parteichef. Dieser sei klug, zuverlässig und stehe zu dem, was er sagt. "Aus meiner Sicht wäre er derzeit die ideale Besetzung", sagte Bisky. Es sei falsch, Bartsch die Rolle des "Königsmörders" zuzuschieben, meinte er mit Blick auf die zurückgezogene Kandidatur von Oskar Lafontaine. Dieser hatte seine Ambitionen aufgegeben, weil Bartsch nicht auf Lafontaines Forderung eingegangen war, seine Kandidatur zurückzunehmen.

"Klaus Ernst hat total versagt"

Heftige Kritik muss der noch amtierende Parteichef Klaus Ernst einstecken. Er habe die Führungsdebatte eskalieren lassen, statt sich rechtzeitig um eine einvernehmliche Lösung zu kümmern, sagte der thüringische Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow. "Klaus Ernst hat total versagt", sagte Ramelow der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". In einem Beitrag für das Online-Debattenmagazin "The European" hielt er Ernst vor, dieser habe sich "eher wie ein Pressesprecher oder persönlicher Referent von Oskar Lafontaine, nicht aber wie ein Parteivorsitzender" verhalten. Dadurch seien die Gräben in der Partei tiefer geworden.

Wie Bisky warb auch Ramelow für die Kandidatur von Bartsch. Zugleich warnte Ramelow Lafontaines Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht davor, auf einen alleinigen Sieg des linken Flügels zu setzen. "Wenn Sahra Wagenknecht sagt: Ich werde die Rache meines Lebensgefährten vollenden, dann wird uns das sehr schaden. Dann helfen auch die schönsten Talkshow-Auftritte nichts", erklärte Ramelow. Wagenknecht hat bisher offengelassen, ob sie für den Linke-Chefposten kandidieren will.

Die Parteisatzung schreibt eine Doppelspitze mit mindestens einer Frau vor. Um den Vorsitz der Linken bewerben sich beim Parteitag am 2. Juni außer Bartsch bislang die nordrhein-westfälische Linken-Chefin Katharina Schwabedissen und Parteivize Katja Kipping, die nach eigenen Angaben als Team antreten. Außerdem haben die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann und die Hamburger Linken-Fraktionschefin Dora Heyenn unabhängig voneinander ihre Kandidatur für die Doppelspitze der Partei angemeldet.

Zimmermann widerspricht dem Kurs von Bartsch

Zimmermann sagte, sie wolle auf Distanz zur SPD gehen. Denn diese habe "nicht klar mit Hartz IV gebrochen, hält an der Rente mit 67 fest und stimmt für den EU-Fiskalpakt, der einen Sozialabbau in Europa nach sich zieht". Offene Konfrontation mit der SPD passt wiederum nicht zum Kurs von Bartsch, der zu einem offenen Umgang mit den Sozialdemokraten aufruft.

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt prophezeit der Linken bereits die Spaltung. "Hier fällt etwas auseinander, was nie zusammengehörte", sagte er. "Die westdeutschen Dogmatiker gehören weder in die Tradition der staatstragenden SED noch der reformsozialistischen PDS."

Dagegen hält der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer eine Spaltung für unwahrscheinlich. Allen in der Partei sei klar, dass sie nur gemeinsam eine Chance haben, sagte er. "Was ich realistischer sehe, ist, dass es wieder zu einem Rückzug der Linken aus Westdeutschland kommt und die Linke sich wieder zur ostdeutschen Regionalpartei entwickelt."

mmq/dpa/AFP/dapd

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1. Abstieg zur Regionalpartei
Sapientia 26.05.2012
Zitat von sysopddpDer Führungsstreit in der Linken lässt selbst altgediente Funktionäre verzweifeln. Der frühere Parteichef Bisky bezeichnete die aktuelle Krise als "Super-Horror-Show". Ein Politologe prophezeit der Linken bereits den Abstieg zur Regionalpartei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,835446,00.html
Da die Linke nicht in der Lage ist, sich zu sortieren und das schon länger nicht und weil das von außen den offenbar nicht ganz unzutreffenden Anschin erweckt, jeder gegen jeden, Hauptsache dagegen, und weil die maßgeblichen Hirne der Partei entweder nicht vorhanden oder nicht in der Lage sind, dafür zu sorgen, daß meine eine gemeinsame realistische Richtung beschließt und dann auch einhält, und weil dieses grundsätzliche ABC einer politischen Partei schon länger nicht funktioniert, sollten sie - wutschnaubend und auf die Bundesrepublik schimpfend - dorthin zurückkehren, wo die alten Chef-Ideologen hergekommen sind. Eigentlich bräuchte die Bundesrepublik in ihrer Parteienlandschaft heute mehr denn je eine glaubwürdige linke Partei mit einer gewissen Konsequenz für die Interessensvertretung des Bürgers, jenes Menschen, der heute in der Politik gar nicht mehr bedacht wird. Dafür aber eignet sich so eine zerstrittene Chaos-Truppe gerade nicht, sondern sie schadet dem Ansehen der bedürftigen und politisch ignorierten Menschen eher noch, weil sie ja vorgibt, deren Interessen im Auge zu haben, was sie aber nicht kann. Daher, DIE LINKE, ihr hattet eine legitime Übergangszeit in der Post-DDR-Zeit, nun seit ihr aber zu dumm, eine Partei wirksam und effektiv im Hinblick auf die erklärten politischen (hohen) Ziele auf die Beine zu stellen, nun verbraucht ihr nur noch unnützt Steuergelder und seid mangels Qualität leider überflüssig, ja schädlich. Also, seid demokratisch einfühlsam und löst den Laden auf.
2. ohne
Asirdahan 26.05.2012
Die Querelen bei den Linken sind zwar sehr unschön. Verloren hat die Partei m.E. aber, weil es in Deutschland wieder etwas aufwärts geht. Die Linken sind immer dann gut, wenn es den Leuten dreckig geht. Wo Wohlstand herrscht bzw. die Hoffnung auf Wohlstand wächst, sieht sie alt aus. Das Aufkommen der Piraten tut ein übriges. Ich habe viele Politiker bei den Linken sympathisch gefunden und mich mit ihren Aussagen identifizieren können. Leider sind ihre Ideen zu radikal, daher nicht umsetzbar. Weder wird H4 zurückgenommen noch das Rentenalter wieder gesenkt. Aber wo man z.B. gegen den Afghanistan-Einsatz war, das fand ich nicht nur richtig, sondern auch durchsetzbar. Und auch, wenn ich nicht alles teile, wünschte ich mir, dass manch ein Politiker die Dynamik und Begeisterung von Sarah Wagenknecht hätte.
3. Partei derVergangenheit
hubertrudnick1 26.05.2012
Zitat von SapientiaDa die Linke nicht in der Lage ist, sich zu sortieren und das schon länger nicht und weil das von außen den offenbar nicht ganz unzutreffenden Anschin erweckt, jeder gegen jeden, Hauptsache dagegen, und weil die maßgeblichen Hirne der Partei entweder nicht vorhanden oder nicht in der Lage sind, dafür zu sorgen, daß meine eine gemeinsame realistische Richtung beschließt und dann auch einhält, und weil dieses grundsätzliche ABC einer politischen Partei schon länger nicht funktioniert, sollten sie - wutschnaubend und auf die Bundesrepublik schimpfend - dorthin zurückkehren, wo die alten Chef-Ideologen hergekommen sind. Eigentlich bräuchte die Bundesrepublik in ihrer Parteienlandschaft heute mehr denn je eine glaubwürdige linke Partei mit einer gewissen Konsequenz für die Interessensvertretung des Bürgers, jenes Menschen, der heute in der Politik gar nicht mehr bedacht wird. Dafür aber eignet sich so eine zerstrittene Chaos-Truppe gerade nicht, sondern sie schadet dem Ansehen der bedürftigen und politisch ignorierten Menschen eher noch, weil sie ja vorgibt, deren Interessen im Auge zu haben, was sie aber nicht kann. Daher, DIE LINKE, ihr hattet eine legitime Übergangszeit in der Post-DDR-Zeit, nun seit ihr aber zu dumm, eine Partei wirksam und effektiv im Hinblick auf die erklärten politischen (hohen) Ziele auf die Beine zu stellen, nun verbraucht ihr nur noch unnützt Steuergelder und seid mangels Qualität leider überflüssig, ja schädlich. Also, seid demokratisch einfühlsam und löst den Laden auf.
Diese Partei zeigt sehr deutlich, dass sie am besten sich auflösen sollten, so werden sie sich nur noch zur Lächerlichkeit preis geben. Diese Partei, die aus der alten SED hervorgegangen ist hat gesamtdeutsch keine Zukunft. Obwohl Deutschland endlich mal eine linke Partei benötigt, aber eine Partei ohne dieser Vergangenheit, so werden sie nie von den Menschen als ihre politischen Vertreter angesehen. HR
4. Wer kandidiert?? Nie gehört
-Metaphysik- 26.05.2012
Ich bin Wessi und kenne und vertraue Oskar seit ewigen Zeiten. Sarah Wagenknecht ist mir über die Jahre immer wieder positiv aufgefallen, und sie ist jetzt auch noch die Lebensgefährtin von Oskar, also auch vertrauenswürdig für mich. Wer um alles in der Welt sind die jetzt auftauchenden Kandidaten, und warum sollte ich eine Linke mit diesen unbekannten Kandidaten wählen? OK, zugegeben, den Namen Bartsch habe ich schon mal gehört. Vielleicht von Oskar ;-)) Aber er scheint nicht gerade sein Freund zu sein. Wenn weder Oskar noch Sarah Wagenknecht die Linke führen ist sie für mich nicht wählbar.
5. Spalter
shokaku 26.05.2012
Zitat von sysopddpDer Führungsstreit in der Linken lässt selbst altgediente Funktionäre verzweifeln. Der frühere Parteichef Bisky bezeichnete die aktuelle Krise als "Super-Horror-Show". Ein Politologe prophezeit der Linken bereits den Abstieg zur Regionalpartei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,835446,00.html
Eher, zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer. Solide 2,5% bei der NRW-Wahl , aber, wenn man die Auflistung im Artikel sieht, mehr Leute, die meinen Spitzenpolitiker zu sein, als der Rest der Parteienlandschaft zusammengenommen. Das passt einfach nicht.
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