Blackout in Berlin Stromausfall legt Bundestag lahm

"Wir sind arbeitsunfähig": Der Bundestag ist seit dem Morgen vom Stromnetz abgeschnitten, ein Kabelschaden im Regierungsviertel sorgt für einen kompletten Blackout. Bis zum Nachmittag soll die Störung anhalten - Abgeordnete und Mitarbeiter dürfen nicht einmal die Toiletten benutzen.

Plenarsaal des Bundestags: "Nichts geht mehr"
DPA

Plenarsaal des Bundestags: "Nichts geht mehr"


Berlin - Die Arbeit des Bundestags ruht - "fast nichts geht mehr", twitterte die FDP-Fraktion am Dienstagmorgen um 10.28 Uhr. Ein Stromausfall legt den Bundestag und seine Nebengebäude im Berliner Regierungsviertel lahm. Weder im Reichstagsgebäude noch in den umliegenden Häusern mit Abgeordnetenbüros und Sitzungssälen gebe es noch Strom, sagte eine Sprecherin.

"Wir sind arbeitsunfähig", hieß es bei der Grünen-Fraktion. Aufzüge, elektrische Türen und die Computer in den Abgeordnetenbüros konnten nicht benutzt werden. Lediglich die Telefonanlagen funktionierten weiter.

Tiefbauarbeiten hatten drei Stromkabel im Bezirk Mitte beschädigt, wie eine Sprecherin des Berliner Energiekonzerns Vattenfall mitteilte. Das Unternehmen erklärte, die defekten Kabel würden schnell repariert und betonte, die Bauarbeiten seien nicht im Auftrag von Vattenfall erfolgt, sondern von einer externen Baufirma ausgeführt worden. Bis 16.00 Uhr sollte die Stromversorgung wieder funktionieren.

Keine Toilettenbenutzung

Aus dem Büro einer Grünen-Bundestagsabgeordneten hieß es, einige Mitarbeiter könnten zwar ihre Computer noch hochfahren, aber hätten keinen Zugriff mehr auf Server und Internet. Sogar die Benutzung der Toiletten ist verboten, da das Spülsystem offenbar an elektrisch betriebene Pumpen angeschlossen an. Die Polizei sagte gegen halb zwölf mehrfach per Lautsprecher durch: "Achtung, Achtung - hier spricht die Polizei: Wegen des Stromausfalls ist die Benutzung der Toiletten bis auf weiteres zu unterlassen."

Der Grünen-Abgeordnete Hermann Ott fand dazu auf Twitter zerknirschte Worte: "Stromausfall in Mitte, im Bundestag ist die Benutzung der Toiletten untersagt...zuviel Technik macht auch nicht glücklich..."

Unklar ist, warum der Kabelschaden offenbar den gesamten Bundestag lahmlegte. Empört zeigte sich Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin in einer ersten Reaktion: "Es ist unmöglich, dass der Bundestag über keine Notstromversorgung verfügt, wenn Vattenfall mal wieder Mist baut." Vattenfall erklärte dazu, das Unternehmen habe bereits wenige Sekunden nach dem Blackout sowohl Bundestag und Bundeskanzleramt umgehend über eine andere Leitung mit Strom versorgt. "Alles weitere liegt in den Händen der Gebäudebetreiber", sagte ein Sprecher.

Mehrere Zehn-Kilovolt-Kabel in drei Meter Tiefe dienen dem Konzern zufolge der Stromversorgung des Bundestags und des Bundeskanzleramts. Das Kanzleramt verfüge über eine vollständige Ersatzstromversorgung. Regierungssprecher Steffen Seibert gab über Twitter teilweise Entwarnung: "Kanzleramt und Presseamt nicht betroffen, alles funktioniert bestens." Eine Vattenfall-Sprecherin sagte hingegen, auch das Kanzleramt sei kurzfristig vom Stromausfall betroffen gewesen.

"Notstromaggregat mit E10 betankt"

Im Internet wird über den Blackout im Berliner Regierungsviertel auch kräftig gekalauert: "Na, da kann ihnen ja nur noch ein Licht aufgehen", twitterte "BertieKDH". "FWHamm" ätzte: "Na und? Wo ist der Unterschied?"

Der Kommentar "Deutschland treibt führungslos durch's All" wurde mehrfach retweetet. Die CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl sah auch die guten Seiten an der Zwangspause im Parlamentsbetrieb: "Es geht gar nichts mehr, außer das gute alte Telefon! Seltsame Entschleunigung des polit. Alltags!"

"Blüm steckt im Aufzug - Kohl auf der Rolltreppe", sei der "Kalauer des Tages", twitterte die Politikwissenschaftlerin Isabel Ermer. Andere User nutzten den Stromausfall für Witze über tagesaktuelle Politik: "Das Notstromaggregat wurde mit E10 betankt!"

Zu den Gebäuden des Deutschen Bundestages gehören neben dem Reichstag in direkter Nachbarschaft das Jakob-Kaiser-Haus, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus.

amz/flo/dpa/dapd

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