Blockupy in Frankfurt am Main Ausnahmezustand rund um die EZB

Die Frankfurter Polizei rechnete zwar mit Gewalt bei den Blockupy-Protesten, wurde aber vom Ausmaß überrascht. Hunderte Demonstranten sind bereits in der Stadt, Tausende sollen auf dem Weg an den Main sein - auch aus dem Ausland.

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Frankfurt/Main - Bei den Blockupy-Protesten zur offiziellen Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main hat es bereits am Morgen schwere Krawalle gegeben. Rund um den Turm der EZB und auch an mehreren anderen Stellen in der Innenstadt gab es Ausschreitungen. Laut Polizei wurden bislang sieben Einsatzwagen in Brand gesetzt, Steine geworfen und Barrikaden errichtet. Zudem hätten Demonstranten Müllcontainer angezündet. Mindestens zwei Beamte seien verletzt worden. Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem Newsblock.

Rund um die EZB setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Zahlreiche Gewalttäter seien festgenommen worden. Die Zahl der Demonstranten bewege sich "im oberen dreistelligen Bereich". Insgesamt werden mehrere Tausend Menschen in der Stadt erwartet. Am Mittwochnachmittag soll es eine große Kundgebung und einen Demonstrationszug in der Frankfurter Innenstadt geben.

Die Polizei hatte sich auf einen schwierigen Einsatz vorbereitet, zeigt sich jedoch überrascht von der Heftigkeit der Ausschreitungen. "Das übersteigt alle Erwartungen", so ein Beamter. Vor allem der hohe Organisationsgrad der Linksautonomen macht den Einsatzkräften zu schaffen.

Polizeisprecherin: "Nach wie vor Angriffe auf Beamte" (Video)

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Augenzeugen berichteten, die Polizei habe von der Heftigkeit der Gewalt überrascht gewirkt. Es habe an mehreren Stellen Angriffe auf Polizisten gegeben, teilte die Polizei mit. Im Frankfurter Ostend, wo die EZB ihren Sitz hat, gab es kaum eine Straßenkreuzung, an der nicht Mülltonnen, Autoreifen oder Fahrzeuge brannten. Demonstranten versuchten, das weiträumig abgesperrte Gelände der EZB zu stürmen, wurden aber von der Polizei gestoppt.

Bereits in der Nacht hatten in der Stadt Autos gebrannt. Die Polizei geht nach eigenen Angaben davon aus, dass auch dies bereits im Zusammenhang mit den Blockupy-Protesten stand. Das Bündnis hatte angekündigt, die Feierlichkeiten zur EZB-Eröffnung am Mittwochmorgen massiv behindern zu wollen. Das Bündnis macht die Zentralbank für "Sparpolitik und Verarmung" in Teilen Europas verantwortlich.

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Anti-EZB-Protest: Mit Steinen gegen die Zentralbank

Für den Nachmittag ist eine Großkundgebung auf dem Römer sowie ein Demonstrationszug angemeldet. Nach Angaben von Blockupy werden 60 Busse aus 39 europäischen Städten und ein Sonderzug mit Demonstranten erwartet. Die Polizei hat Teile der Innenstadt abgesperrt. "Wir wollen einen lauten, aber friedlichen Protest", sagte Ulrich Wilken, einer der Organisatoren der Demonstration. Der Protest richte sich gegen die EZB als ein Teil der sogenannten Troika, die die Arbeit der griechischen Regierung behindere. "Wir wollen ein Ende der Sparpolitik."

Die Demonstranten attackierten auch Feuerwehr und Straßenbahnen mit Steinen. Die Feuerwehr sei dadurch am Löschen gehindert worden. Ein Polizeiauto soll in der Nähe der EZB angezündet worden sein. Vermummte Demonstranten wurden beim Weglaufen gesehen. Die Polizei hielt sich an den Rändern der Sperrzone zunächst zurück und konzentrierte sich auf den Schutz der EZB.

Die Demonstranten blockierten laut Polizei die zentrale Flößerbrücke über den Main und den Ratswegskreisel, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Osten der Stadt.

Die Feuerwehr rief die Demonstranten via Twitter auf, die Löscharbeiten nicht zu behindern. "Bitte lasst unsere Einsatzkräfte in Ruhe und ihre Arbeit machen!", appellierte sie über den Kurznachrichtendienst.

Auf Twitter sind mehrere brennende Streifenwagen zu sehen, Reifenstapel und andere Barrikaden wurden auch in Brand gesetzt. Nach Polizeiangaben haben Autonome versucht, das erste Polizeirevier auf der Zeil zu stürmen. "Die Atmosphäre ist aggressiv", sagte Polizeisprecherin Claudia Rogalski. "Wir haben mit Gewalt gerechnet, wir haben ausreichend Kräfte im Einsatz", sagte sie. "Dass es so schnell kommt - ich hätte auch gewünscht, dass es anders gekommen wäre."

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Vor dem weiträumig abgesperrten Gelände der EZB hatte eine Mahnwache von Kapitalismusgegnern zunächst ruhig begonnen. Demonstranten berichteten von einem Tränengaseinsatz der Polizei.

Am Vormittag will die EZB ihre neue Zentrale mit einem kleinen Festakt offiziell eröffnen. Sie nutzt die beiden Glastürme bereits seit mehreren Monaten. Die Blockupy-Bewegung hatte schon seit Längerem angekündigt, die heutige Feier mit Blockaden und Aktionen des zivilen Ungehorsams verhindern zu wollen.

Blockupy-Aktivist "Polizei wollte Bürgerkriegsszenario" (Video)

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Zusammengefasst: Bei den Blockupy-Protesten in Frankfurt ist es zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Die Polizei wurde von der Heftigkeit der Aktionen überrascht. Im Lauf des Tages werden Tausende weitere Demonstranten erwartet.

ler/dpa/AFP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 296 Beiträge
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Seite 1
LarsLondon 18.03.2015
1. Was fuer ein Pack...
Das ist schon unfassbar asselig. Und die Polizisten stehen unter permanenter Ueberwachung durch die heuchelnde Presse, die nur darauf wartet, wieder gegen Polizeigewalt zu wettern. Derweil werden die Beamten mit Steinen beworfen und Streifenwagen angezuendet. Hinterher werden dann die "Demonstranten" wieder alle in Schutz genommen! Dann wird lang und breit diskutiert, was die Polizei haette anders machen muessen, damit die Lage nicht eskaliert. Unglaublich. Das hat mit Demonstration, Demokratie, freier Meinungsaeusserung oder sonst was absolut nichts zu tun, sondern ist reinster Krawall. Und tausende Krawalltouristen sind noch auf dem Weg. Wunderbar.
spon-facebook-1261351808 18.03.2015
2. Wen wundert es?
Seit Jahrzehnten herrschen Banken in FFM wie ein Staat im Staate. Mich wundert es, dass es lange so ruhig blieb...
cum infamia 18.03.2015
3. Georg Büchner :
.. Friede den Hütten, Krieg den Palästen ...!!!
paulroberts 18.03.2015
4. das geht aber nicht
Wir haben vor dem Kapital niederzuknien.Es anzubeten. Das ist doch quasi Gotteslästerung was diese Demonstranten da machen.
Scinken 18.03.2015
5. Richtig so...
Ich bin eigentlich ein Gegner der Anwendung jeglicher Gewalt. Sowohl gegen Menschen, als auch gegen Gegenstände. Aber ich habe auch mehr als genug Verständnis für diese Leute. So viele sind unzufrieden mit der Politik der EZB und auch der Regierung aber dort interessiert das keine Sau. Allein die Tatsache, dass die EZB-Banker in ihrer Glasburg sitzen und trotz solch großen Widerstandes auch noch "feiern" ist mehr als bezeichnend!
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