Saudi-arabischer Blogger Gabriel will sich für Freilassung Badawis einsetzen

Der Blogger Badawi wurde zu zehn Jahren Haft und 1000 Hieben verurteilt, weil er den Islam beleidigt haben soll. 1,1 Millionen Menschen haben für seine Freilassung unterschrieben. Vizekanzler Gabriel nahm ihre Petition mit nach Riad.

Demonstration vor Gabriels Abflug: Badawi-Freilassung gefordert
DPA

Demonstration vor Gabriels Abflug: Badawi-Freilassung gefordert


Berlin - Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel reist an diesem Samstag nach Saudi-Arabien. Kurz vor seiner Abreise hat er symbolisch 1,1 Millionen Unterschriften für die Freilassung des Bloggers Raif Badawi entgegengenommen. Demonstranten überraschten den SPD-Politiker am Flughafen.

Gabriel habe ihnen in einem kurzen Gespräch zugesagt, sich für die Freilassung des Bloggers einzusetzen, sagte Christoph Schott von der Kampagnengruppe Avaaz. Er habe jedoch auch deren Erwartungen gedämpft. "Wir werden ihn ja nicht gleich mit rausnehmen können", sagte Gabriel laut der Nachrichtenagentur dpa. Er fügte hinzu: "Sie können sicher sein, dass wir seit Wochen bis hin zur Bundeskanzlerin versuchen, was zu machen."

Die Demonstranten überreichten dem Vizekanzler außerdem einen Brief von Badawis Ehefrau. In dem Schreiben bittet sie ihn, sich für ihren Mann einzusetzen. Der Blogger war wegen Beleidigung des Islams zu 1000 Stockhieben sowie zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. 50 Hiebe musste der Blogger am 9. Januar vor einer Moschee in Dschiddah am Roten Meer erdulden. Der Blogger hatte sich für eine Diskussion über das Verhältnis zwischen Staat und Religion eingesetzt.

Gabriel ist mit einer Wirtschaftsdelegation für mehrere Tage unterwegs in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und in Katar. Auch Grüne und Linke forderten Gabriel im Vorfeld der Reise nach Saudi-Arabien auf, sich in dem Königreich für die Freilassung Badawis einzusetzen.

vek/AFP/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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syracusa 07.03.2015
1. Wirtschaftsdelegation darf begleiten, Menscherechtsdelegation nicht
Warum dürfen auf Auslandsreisen deutscher Politiker immer nur Wirtschaftsdelegationen mitreisen, aber niemals Menschenrechtsdelegationen? Nächstes Mal müssen Vertreter von Amnesty International, Human Rights Watch, Giordano Bruno Stiftung usw. mit, wenn die Politik noch ernst genommen werden will!
doofnuss 07.03.2015
2. warum?
erst kommt das fressen, dann die moral!
hotgorn 07.03.2015
3.
Auch wenn der Blogger die Religion nicht nur angeblich beleidigt hätte sondern wirklich die Religionsfanatiker angegangen hätte ist die Strafe eine zum Himmel schreiende ungerechtigkeit. Das religiöse Regime in Saudiland macht sich mit diesem Urteil selber zur Lachnummer und beleidigt die Religion wenn in deren Namen solche kruden Entscheidungen getroffen werden.
Das Pferd 07.03.2015
4.
Zitat von syracusaWarum dürfen auf Auslandsreisen deutscher Politiker immer nur Wirtschaftsdelegationen mitreisen, aber niemals Menschenrechtsdelegationen? Nächstes Mal müssen Vertreter von Amnesty International, Human Rights Watch, Giordano Bruno Stiftung usw. mit, wenn die Politik noch ernst genommen werden will!
Ich nehme die Arbeit solcher Gruppen sehr ernst. Gabriel mit Sicherheit auch, solche Bilder kurz vor dem Abflug entstehen ja nicht, wenn der Vizekanzler das nicht wünscht. Aber Ergebnis geht vor Show, glauben Sie wirklich es bessert irgend was an den Verhältnissen in Saudi Arabien, wenn Gabriel sich von einer Berliner Femengruppe in Arbeitskleidung begleiten lässt? Politik ist das geduldige Bohren dicker Bretter, Gabriel teilt mit Sicherheit in Menschenrechtsfragen die Ansicht der Mehrheit der Bundesbürger zu SA. Aber er ist Profi, er wird nur so viel sagen, wie nützt. Auch wenn das Leuten mit einer eher emotionalen Weltsicht sicher zu wenig ist. PS heute schon getankt?
doreen-jueppy 07.03.2015
5. Menschenrechte?
Die Ungeheuerlichkeit wird dann sein, wir konnten nicht viel erreichen, haben aber den Brief übergeben. Es geht in erster Linie um Geschäfte wie Waffeneinkäufe usw., das ist das Hauptziel in S-Arabien u. Katar. Oh ja Qatar, auch so ein tolles Land, die keinerlei Menschenrechte kennen aber sie haben eine Waffenfabrik, das Spielzeug der Generäle um Menschen zu töten, da muss man doch die Fußballweltmeisterschaft austragen, bei so netten Menschen. Klar, dass der Westen diesen Arabern nicht vorschreiben kann, welche Politik sie führen, dass müssen die Menschen in diesen Staaten selbst ändern. Man muss ihnen aber klar machen, dass sie so mit westlichen Bürgern nicht umspringen dürfen, dass wir Menschenrechte haben u. somit keine Folterungen u. jeder seine Meinung im Westen frei äussern kann u. darf. Wenn dann ein Westler trotzdem seine Meinung äussert u. sich entschuldigt, sollte das genügen. Wir respektieren in unserem Land ja auch die Araber oder wurde schon einmal einer verprügelt u. für immer weggesperrt, wegen Missachtung der Menschen in unserem Land?
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