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"Blonde Opfer": Empörung über Schäuble

Innenminister Schäuble hat mit seinen Äußerungen zum Überfall auf den Deutsch-Äthiopier in Potsdam heftige Reaktionen hervorgerufen. Zynisch und widerlich, hieß es von Seiten der Grünen. Schäuble hatte vor voreiligen Schlüssen gewarnt: Auch blonde, blauäugige Menschen würden überfallen.

Berlin - Schäubles Äußerungen seien "unerträglich" und "eines Innenministers nicht würdig", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth in Berlin. In Potsdam ringe "ein Mensch mit dem Tode, weil er schwarzer Hautfarbe ist". Auch verweise der Mailboxmitschnitt des Überfalls auf einen rassistischen Hintergrund der Tat. "Eine solche rassistische Gewalttat durch andere Gewalttaten an 'blonden blauäugigen Menschen' zu relativieren, ist zynisch und widerlich", unterstrich die Grünen-Vorsitzende.

Innenminister Schäuble: Heftige Vorwürfe von den Grünen
DDP

Innenminister Schäuble: Heftige Vorwürfe von den Grünen

Juso-Chef Björn Böhning nannte den Innenminister einen "unerträglichen Verharmloser". Schäuble gieße "Wasser auf die ideologischen Mühlen der Rechtsextremen. Er macht sich zur geistigen Schutzmacht rechtsradikaler Straftaten." Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Franz Müntefering auf, Schäuble in seine Schranken zu weisen.

Schäuble hatte sich zuvor gegen voreilige Schlüsse im Fall des Angriffs auf den Deutsch-Äthiopier gewandt. Bisher sei nur klar, dass ein Mensch Opfer einer Gewalttat geworden sei, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandradio Kultur. Er fügte hinzu: "Es werden auch blonde blauäugige Menschen Opfer von Gewalttaten, zum Teil sogar von Tätern, die möglicherweise nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Das ist auch nicht besser."

Der Innenminister machte für Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus in Ostdeutschland zugleich die Abschottung der Menschen in der DDR verantwortlich. Es habe sich gezeigt, dass rechtsextreme Stimmungen dort am meisten gedeihen würden, wo wenige Ausländer lebten. Die Bürger hätten in der DDR gar nicht die Erfahrung sammeln können, was für eine Bereicherung es sei, mit Menschen aus anderen Teilen der Welt zusammenzuleben. "Aber die waren ja auch durch eine Mauer eingesperrt."

Roth sagte dazu, als Süddeutscher sollte Schäuble "nicht mit hocherhobenem Haupt auf den Osten zeigen". Sie verwies darauf, dass wichtige Kader des organisierten Rechtsextremismus aus Westdeutschland kämen. Fremdenfeindliche und rassistische Gewalt seien "beileibe kein rein ostdeutsches Phänomen". Dazu müsse der Innenminister nur in die einschlägigen Gewaltstatistiken schauen.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warnte vor einer schleichenden Gewöhnung an rechtsextreme Gewalttaten gewarnt. "Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass es in Deutschland Räume gibt, in denen Menschen Angst haben, sich zu bewegen", sagte Heil der "Berliner Zeitung". "Dagegen müssen wir mit aller Härte des Gesetzes vorgehen."

ler/ddp/AP

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