BND-Affäre Spitzel-Opfer wehrt sich gegen Spitzel-Vorwurf

Die Affäre um die Ausforschung von Journalisten wird immer verwirrender. Nun kommt heraus, dass ein vermeintliches Opfer selbst eng mit dem BND kooperierte. Erich Schmidt-Eenboom bestreitet jedoch, ein Spitzel gewesen zu sein.


Berlin - Er galt stets als Opfer der Machenschaften des BND, nun erscheint die Rolle des Buchautoren Erich Schmidt-Eenboom in völlig neuem Licht. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, arbeitete der Leiter eines Forschungsinstituts und Autor mehrerer BND-kritischer Bücher eng mit dem Dienst zusammen und lieferte wertvolle Informationen über Journalisten, mit denen er kooperierte. Laut dem Bericht des Sonderermittlers Schäfer sei diese Kooperation mit dem Dienst jedoch legal gewesen, schreibt die "SZ", wohlgemerkt aus Sicht des BND.

Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom: Mitten in der Grauzone
DPA

Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom: Mitten in der Grauzone

Die Fakten aus dem Schäfer-Bericht scheinen eindeutig: So soll sich Schmidt-Eenboom "von 2002 an immer öfter mit einem Herrn namens Bessel vom BND" getroffen haben. "Es ging nicht nur um unverbindlichen Informationsaustausch", zitiert das Blatt aus dem noch immer geheimen Bericht des Sonderermittlers. Der Publizist habe "wichtige und hilfreiche Informationen" geliefert, so die "SZ". Schmidt-Eenboom erzählte dem Geheimdienstmann demnach, welchen Bericht über den Dienst das Magazin "Monitor" plante und was darin alles vorkommen sollte.

Bei den Treffen mit dem BND soll es nicht geblieben sein. Schmidt-Eenboom ließ sich laut "SZ"-Bericht vom Dienst auch einmal nach Hamburg schicken, um dort einem Journalisten 10.000 Mark für einen internen Untersuchungsbericht anzubieten, an dem der BND interessiert war. Er erzählte, dass sich angeblich ehemalige Referatsleiter des BND im "Arabella"-Hotel in München träfen und auch schon mal geheime Unterlagen dorthin mitnähmen, so die "SZ".

Autor bestreitet die Vorwürfe

Schmidt-Eenboom hatte am Donnerstag zum ersten Mal die BND-Akten über sich selbst eingesehen. Danach zog er seine zuerst geäußerten Bedenken gegen eine komplette Veröffentlichung des Ermittlungsberichts zurück - wohl auch, weil er nun über die Vorwürfe gegen ihn in den Akten wusste. Von nun an steht er voll hinter der Forderung, alle Details aus dem Bericht zu veröffentlichen.

Am Freitag bestritt der Geheimdienstfachmann gegenüber SPIEGEL ONLINE die erhobenen Vorwürfe und warf der "SZ" grobe Fahrlässigkeit vor. "Ich habe nie als Spitzel für den BND gearbeitet", sagte Schmidt-Eenboom, "gleichwohl hatte ich enge Kontakte zu BND-Leuten und habe mich oft mit ihnen unterhalten." Darunter sei auch der erwähnte "Herr Bessel" gewesen. Er selbst habe zu vielen Aktenvermerken in dem Schäfer-Bericht Richtigstellungen abgegeben, um falsche Deutungen zu vermeiden.

Aus seiner Sicht stellen sich die Vorgänge anders dar. So habe er nie etwas über "Monitor" verraten. In Wirklichkeit habe er dem WDR einmal ein Konzept angeboten, einen Dokumentarfilm über den BND-Spitzenbeamten Volker Foertsch zu machen. Als die Idee für interessant befunden wurde, habe er "Herrn Bessel" kontaktiert. "Ich habe ihn gefragt, ob der BND kooperativ sein würde und Herr Foertsch zu einem Interview bereit sei." Dies sei jedoch in den Akten so dargestellt, als ob er Interna des WDR an den BND weitergegeben habe.

Warten auf neue Details

Auch der Vorgang mit dem Geld und seiner angeblichen Mission nach Hamburg sei in der "SZ" falsch dargestellt. Damals habe es eine Gruppe von BND-Aussteigern gegeben, die für 10.000 Mark ein Geheim-Dossier an einen seiner Kollegen verkaufen wollten. Um die Echtheit und den Wert des Papiers zu überprüfen, habe er mit seinem BND-Kontakt darüber geredet. "Niemals jedoch war ich als Spitzel unterwegs, der mit BND-Geld etwas einkaufen sollte", so Schmidt-Eenboom. Solche Missionen habe ihm der Dienst zwar immer wieder angeboten, er habe sie aber allesamt abgelehnt.

Dass der BND Schmidt-Eenboom als Informanten angeheuert haben soll, war laut Sonderermittler Schäfer nicht illegal. Journalistischen Quellen zu führen sei rechtlich unbedenklich, zitiert die "SZ" aus seinem Bericht. "Inwieweit sich die Tätigkeit des Journalisten (für den BND) mit dessen journalistischem Selbstverständnis vereinbaren lässt, ist keine Rechtsfrage", schreibt Schäfer demnach.

Die neuen Details lassen Vermutungen aus den letzten Tagen plötzlich verständlich werden. Hohe Beamte aus dem BND hatten  anonym immer wieder versichert, dass der vollständige Bericht ein anderes Licht auf den einen oder anderen Betroffenen in der Affäre werfen werde. Seiner Veröffentlichung darf man deshalb mit noch mehr Spannung entgegen sehen - sowohl auf Seiten der Beobachter als auch der Betroffenen. Die Affäre um den BND und die Journalisten ist noch lange nicht aufgeklärt.

mgb



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