Abhör-Affäre BND-Mitarbeiter erhärtet Verdacht auf Wirtschaftsspionage

In der NSA-Affäre sind weitere Indizien dafür aufgetaucht, dass der US-Geheimdienst deutsche Unternehmen ausgeforscht hat. Nach Informationen des SPIEGEL kannte ein BND-Mitarbeiter Suchbegriffe mit deutschen Firmennamen.

Radarkuppeln des BND in Bad Aibling: Einträge aufgetaucht
DPA

Radarkuppeln des BND in Bad Aibling: Einträge aufgetaucht


Der Verdacht, dass die NSA mithilfe des BND gegen deutsche Wirtschaftsinteressen spionierte, erhärtet sich. Nach SPIEGEL-Informationen räumte ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes gegenüber dem NSA-Untersuchungsausschuss ein, Suchbegriffe mit deutschen Firmennamen zu kennen. "Wir haben das mal gefunden", sagte der Mann vor den Abgeordneten in der Geheimsitzung, derlei Einträge seien "mal aufgetaucht". Er war beim BND für die Prüfung und Löschung kritischer Selektoren zuständig. (Lesen Sie die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 24/2015
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Abgeordnete hatten den Zeugen zuvor mit einer Liste von Namen konfrontiert, die aus dem Archiv von Edward Snowden stammt und die der SPIEGEL veröffentlicht hatte. Unter den 31 Einträgen finden sich Firmen wie Mercedes, die Deutsche Bank, der Wertpapierdienstleister Clearstream und die Telekommunikationsfirma Debitel. Andere, eher kurios anmutende Ausspähziele betreffen die Freiwillige Feuerwehr Ingolstadt und Domain-Endungen wie orgelbau.com und brandstifter.com.

Bei der Liste aus dem Snowden-Material handelt es sich um eine Zusammenstellung von Zielen, die "nicht überwacht" werden sollen, weil es sich trotz Adressendungen wie .com um "deutsche Firmen oder Einrichtungen handelt". Daraus ergab sich der Verdacht, es könne sich um einen Teil jener inzwischen berüchtigten Selektoren handeln, die der BND bei späteren Prüfungen als kritisch erkannte und ablehnte. Dieser Verdacht wurde durch den BND-Mitarbeiter nun erstmals erhärtet.

Ob und wie lange diese Selektoren aktiv waren, ob und wie lange also die NSA mithilfe des BND deutsche Ziele ausgespäht hat, darüber informierte der Mitarbeiter nicht. Der BND wollte dazu auf Nachfrage keine Auskunft erteilen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
megamekerer 05.06.2015
1. Nicht die Wirtschaft, sondern die Bürger werden ausspioniert!
Man o man, ich kann diese ganze Gerede nicht mehr ertragen, es ist doch egal welche Namen in der Suchbegriffe auftauchen, die Wirtschaftsspionage gibt es zwischen Deutschland und USA nicht, zumindest die Richtung USA-> Deutschland, denn die Deutschen geben freiwillig alle Ergebnisse der Forschungen und Know How an USA weiter, sogar werden gegenseitige Wissen und Wissenschaftler -austausch zwischen Deutschland und USA betrieben, allein 2012 übersiedelten 1500 Deutsche jung und alt-Wissenschaftler nach USA! USA brauch nicht die Wirtschaft zu spionieren! Aber, aber die Bürger werden ausspioniert, besonderes Deutschen mit ausländische Abstammung werden nicht nur ausspioniert sondern durch BND permanent überwacht und die Daten an USA weiter gegeben, sollte die Liste mit Namen der Deutschen die ausspioniert worden sind raus kommen (vermutlich über 1,5 Millionen Bundesbürger) dann wird das Ende der BND eingeläutet!
sinasina 05.06.2015
2. Soll man über so viel Dummheit weinen oder lachen: BND-Mitarbeiter erhärtet Verdacht auf Wirtschaftsspionage
Soll man über so viel Dummheit weinen oder lachen? BND-Mitarbeiter erhärtet Verdacht auf Wirtschaftsspionage. * Warum steht Herr Jauch an 1. Stelle der Nachrichten bei Spiegel-Online - und nicht dieses für uns alle so wichtige Thema? * Es geht doch hier nicht nur darum, dass Menschen auf widerliche Art und Weise zu Millionen (wenn`s reicht) ohne expliziten Grund kontrolliert werden - es geht auch um Innovation, Erfindungen, Gründergeist - und um Arbeitsplätze!
DocMoriarty 05.06.2015
3.
Der BND hat schon seit über 20 Jahren Kenntnis von US Wirtschaftsspionage in Deutschland, ganz unabhängig vom Internet und kennt viele amerikanische Spione in Deutschland. Das eigentliche Problem ist, daß die Rückgratlosen (=Politiker) nichts dagegen machen. Darunter natürlich auch und in erster Linie Merkel, die Hochverräterin Nr. 1 in Deutschland. Was derzeit mit dem NSA-Ausschuss läuft ist eine Farce und bestenfalls eine Feigenblattaktion um dem blöden Wahlvolk vorzugaukeln, daß etwas unternommen wird. Die Wirtschaftsspionage geht dagegen ungebremst und in vollem Umfang weiter und produziert jährlich mindestens Schäden in Höhe eines 2-stelligen Milliardenbetrages für die deutsche Wirtschaft. Wie schon seit mindestens 20 Jahren, vermutlich aber wesentlich länger.
grisubilly 05.06.2015
4.
Nicht doch! Das verstehe ich jetzt nicht. Es gab doch ein "No-Spy-Abkommen" mit den USA? Außerdem wurde die Affäre für beendet erklärt. Marktkonform demokratisch und alternativlos. Raute. Hat der BND-Mitarbeiter vielleicht gelogen? Wie auch immer - man sollte ihm schnellstens das "vollste Vertrauen" aussprechen... *Ironie Off*
brille000 05.06.2015
5. Sind Sie so naiv?
Oder tun Sie nur so. Es gibt Papiere der US-Regierung, aus denen klipp und klar hervor geht, dass Erkenntnisse der Geheimdienste auch US-Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, wenn diese daraus einen Nutzen ziehen könnten so nach dem Motto: "Was einem US-Unternehmen nützt, nützt auch den USA". Einfach nur mal recherchieren ... .
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