Sorge vor Russland BND baut Gegenspionage-Einheit auf

Seit Ende des Kalten Krieges kundschaftete der BND ausländische Nachrichtendienste nicht mehr aus. Nun sollen nach SPIEGEL-Informationen 50 Beamte dafür abgestellt werden. Der Fall Skripal zeigt, warum.

Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin
DPA

Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin


Der Bundesnachrichtendienst (BND) arbeitet am Aufbau einer eigenen, schlagkräftigen Truppe, um ausländische Geheimdienste auszuspionieren. Nach SPIEGEL-Informationen hat der BND kürzlich eine entsprechende Einheit gegründet. Derzeit arbeitet noch eine niedrige zweistellige Anzahl von Beamten in dem neuen Referat. Es soll aber auf über 50 Personen ausgebaut werden.

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Heft 12/2018
Der Giftanschlag und der neue Kalte Krieg

Nach SPIEGEL-Informationen ist vor allem die Sorge vor den zunehmenden Aktivitäten russischer Nachrichtendienste Grund für den Aufbau des Referats. Neben Russland soll sich die Einheit auf Iran, China und Nordkorea konzentrieren. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Mit dem Ende des Kalten Krieges hatte der BND seine Gegenspionageaktivitäten eigentlich eingestellt. Der Fall Skripal unterstreicht nun, warum die Bundesregierung wieder mit der Aufklärung russischer und anderer Dienste beginnt.

Die britische Regierung beschuldigt den Kreml, hinter dem Mordversuch an dem russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und dessen Tochter zu stecken. Beide wurden mit dem Nervengift Novitschok angegriffen und befinden sich seither im Krankenhaus, ihr Zustand ist weiter kritisch. Sicher ist, dass es sich bei dem eingesetzten Gift um einen in Russland produzierten Kampfstoff handelt, allerdings fehlt ein Beweis für eine gezielte Operation seitens russischer Geheimdienste.

Ein weiterer Grund für den Aufbau der Einheit sind die seit längerer Zeit von den Sicherheitsbehörden beobachteten intensiven Aktivitäten russischer und chinesischer Geheimdienste auf deutschem Boden. Neben der Spionageabwehr in Deutschland könnte die Aufklärung der Dienste im Ausland helfen, deren Umtriebe einzudämmen oder zumindest zusätzliche Erkenntnisse über Ziele und Methoden liefern.

Das Wiederaufleben der Gegenspionagetruppe sorgte im Vorfeld für heftige Diskussionen, weil in Deutschland für die Spionageabwehr das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und der Militärische Abschirmdienst (MAD) zuständig sind. Die entsprechende Einheit wird nun eng mit dem BfV verzahnt. Sie wird von einer Beamtin aus der Sicherheitsabteilung des BND geleitet, die intern einen exzellenten Ruf genießt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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fis

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Seite 1
Jan2607 16.03.2018
1. 50 Beamte nur?
Wow... 50 Beamte für die Spionageabwehr. Ich hoffe, der Verfassungsschutz ist besser aufgestellt (warum belässt man diese Aufgabe eigentlich nicht bei diesem und stärkt die entsprechende Abteilung?). Gerade in Deutschland sind sehr viele ausländische Agenten tätig, und zwar feindliche, als auch verbündete in gleichem Maße. Auch Jahrzehnte nach dem kalten Krieg ist Deutschland noch äußerst interessant für Spione (inzwischen ja auch für türkische). 50 Beamte braucht man schon für einen Spionagefall. Schließlich sind die Agenten der anderen Staaten ausgebildet, und es fällt ihnen auf, wenn sie von ein, zwei Leutchen beschattet werden. Da kann man keine Fahnder für einsetzen, die sonst nur Kriminelle beschatten. Spione zu überwachen ist deutlich schwieriger, denn die wissen, worauf sie achten müssen. Das FBI betreibt für so etwas einen enormen Personalaufwand und Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen. Aber wie ich die deutschen Behörden kenne, wird das wieder nur halbherzig gemacht und nutzt am Ende niemandem was.
Tom Joad 16.03.2018
2.
Zitat von Jan2607Wow... 50 Beamte für die Spionageabwehr. Ich hoffe, der Verfassungsschutz ist besser aufgestellt (warum belässt man diese Aufgabe eigentlich nicht bei diesem und stärkt die entsprechende Abteilung?). Gerade in Deutschland sind sehr viele ausländische Agenten tätig, und zwar feindliche, als auch verbündete in gleichem Maße. Auch Jahrzehnte nach dem kalten Krieg ist Deutschland noch äußerst interessant für Spione (inzwischen ja auch für türkische). 50 Beamte braucht man schon für einen Spionagefall. Schließlich sind die Agenten der anderen Staaten ausgebildet, und es fällt ihnen auf, wenn sie von ein, zwei Leutchen beschattet werden. Da kann man keine Fahnder für einsetzen, die sonst nur Kriminelle beschatten. Spione zu überwachen ist deutlich schwieriger, denn die wissen, worauf sie achten müssen. Das FBI betreibt für so etwas einen enormen Personalaufwand und Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen. Aber wie ich die deutschen Behörden kenne, wird das wieder nur halbherzig gemacht und nutzt am Ende niemandem was.
Hier geht es nicht um Spionageabwehr, sondern um Gegenspionage, also das Ausspähen fremder Geheimdienste. Bei den 50 Stellen wird es sich eher um Analysten handeln als um Beschatter o.ä. Die Beschaffung von Datenmaterial via Telekommunikation dürfte dank der weiterhin engen Zusammenarbeit mit der NSA und der seit letztem Jahr erweiterten Befugnisse des BND nicht das Problem sein. Was den Verfassungsschutz angeht, sollte man sich endlich dazu durchringen, den Wahnsinn der Landesbehörden zu beenden. Es mag nach dem 2. Weltkrieg wie eine gute Idee ausgesehen haben, auf diese Weise eine neue GeStaPo zu verhindern - im neuen Jahrhundert mit seinen eigenen Problemen und der hohen Mobilität sind die Landesämter einfach nicht mehr zeitgemäß und oft auch kontraproduktiv.
Saga 16.03.2018
3. Ach das ist doch alles Panikmache.
Wir brauchen gar keine Gegenspionage-Einheit. Der Vladimir ist doch ein lupenreiner Demokrat. Der will doch nur sein Russland regieren. Der hält sich an internationales Recht. Die ganzen Aggressionen gehen alle vom bösen Westen aus. Die Briten erfinden einen Giftanschlag und schon schreien die Leute nach Sanktionen. Als wie wenn es der Vladimir nötig hätte, übergelaufene Doppelagenten zu töten. Nein, das macht er nicht! Vor ein paar Wochen gab es eine Bundestagsdebatte über die Aufstockung des Wehretats der Bundeswehr. Der „Linke“ Politiker Diether Dehm erklärte glaubwürdig, dass der Herr Putin gar nicht aufrüstet, sondern im Gegenteil abrüstet. Dem schenke ich Glauben.
Badischer Revoluzzer 16.03.2018
4. Interpretiere ich das richtig?
Wir haben aufgehört unsere Verbündeten auszuspionieren. Aber unsere Verbündeten spionierten kräftig gegen uns weiter. 70 Jahre lang. Und jetzt soll ich ehrfürchtig vor den Leistungen unserer Politik einknicken? Ich glaube das alles nicht. Waren wir je ein souveräner Staat. Diese Frage muß ich mir stellen.
biesi61 16.03.2018
5. Und warum beschäftigt sich der BND
nicht mit den Aktivitäten von NSA, CIA und all den anderen westlichen Geheimdiensten gegen unser Land und seine Bürger?
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