Hamburg - Gerhard Schindler ist seit rund hundert Tagen Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND). Jetzt plant der 59-Jährige eine Veränderung in der Ausrichtung des Auslandsgeheimdienstes. "Der Dienst muss risikofreudiger werden", sagte der BND-Präsident in einem SPIEGEL-Interview. In den Krisengebieten der Welt dürfe es "kein Zögern" geben. Schindler: "Wir müssen die Ersten sein, die reingehen, und als Letzte wieder raus".
Zudem warnt er vor Terroranschlägen. Für al-Qaida sei die Situation im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet zwar durch die militärischen Erfolge der westlichen Truppen schwierig geworden. Auch der Tod von Osama Bin Laden vor einem Jahr sei ein "Einschnitt in die Struktur der Kerngruppe" gewesen. "Wir haben aber nicht den Eindruck", sagte Schindler, "dass das Terrornetzwerk und seine Strukturen deutlich schwächer geworden wären."
Die Zielwahrnehmung der Terroristen habe sich nicht geändert. "Al-Qaida plant Anschläge auch in Deutschland", so Schindler. Nach BND-Erkenntnissen zieht es deutsche Islamisten derzeit verstärkt nach Afrika. "Früher war Waziristan im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan das wohl wichtigste Ziel deutscher Konvertiten", sagte Schindler dem SPIEGEL, "jetzt wird Somalia zu einem neuen Hot Spot."
Vor seinem Wechsel an die BND-Spitze hatte Schindler die Abteilung Öffentliche Sicherheit im Bundesinnenministerium geleitet und unter anderem das Bundesamt für Verfassungsschutz beaufsichtigt. Er hatte wesentlichen Anteil an der Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze. Diese ermöglichen Sicherheitsexperten den Zugriff auf Bank- und Flugdaten von Terrorverdächtigen.
wit
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