BND-Chef warnt vor Terrorgefahr "Dschihad vor unserer Haustür"

Die Terrorgefahr für Deutschland steigt. Nach Erkenntnissen des BND hat die Qaida in Nordafrika einen neuen Stützpunkt aufgebaut, von dem aus sie auch Anschläge hierzulande plant. "Wir haben Sorge, dass wir nicht mehr jede Operation verhindern können", sagt Geheimdienst-Chef Uhrlau im Interview.


Hamburg - Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, sagte in einem Gespräch mit SPIEGEL SPECIAL, "unbeobachtet" habe sich in den Maghrebstaaten "eine Handvoll Gruppen festgesetzt", die "das Terrornetzwerk Osama Bin Ladens verstärken". Der BND verfolge diese Aktivitäten "mit großer Sorge".

Trainingslager: Die Taliban unterhalten im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan Ausbildungscamps für angehende Terroristen.
abc

Trainingslager: Die Taliban unterhalten im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan Ausbildungscamps für angehende Terroristen.

"Was da heranwächst", so der Geheimdienstler, "bringt eine ganz neue Qualität für den Dschihad vor unsere Haustür." Uhrlaub äußerte sich zur Bedrohung durch Anschläge islamistischer Terroristen, zur Ausbildung in Deutschland aufgewachsener Muslime in afghanisch-pakistanischen Trainingslagern sowie zu Fahndungsmethoden der Sicherheitsbehörden.

Diese schätzen nach Angaben Uhrlaus die Zahl der gewaltbereiten islamistischen Extremisten in Deutschland auf "einige hundert"; insgesamt stünden "bis zu 700 Personen in abgestuften Graden unter der Beobachtung durch die deutschen Sicherheitsbehörden".

"Wir sind Teil eines breiten europäischen Gefahrenraums. Siebenmal bereits haben militante islamisten Anschläge geplant", so Uhrlau. "Nun müssen wir, nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts, davon ausgehen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Attentatspläne gibt." Man habe Sorge, dass man nicht mehr jede Operation verhindern könne.

"Mehr als ein Dutzend Personen", unter ihnen auch zum Islam konvertierte Deutsche, seien, so Uhrlau, in den letzten Jahren nach Afghanistan oder Pakistan gereist, um Kontakt zu Gleichgesinnten zu suchen. Die meisten Konvertiten, betonte der BND-Präsident, seien "friedliche Leute, die bei ihrer Sinnsuche den Islam für sich entdeckt" hätten. "Aber Konvertiten, die in extremistische Kreise hineingeraten, neigen oft - wie politische Renegaten auch - zu absoluter Intoleranz und höchster Radikalität."

Uhrlau warnt jedoch auch vor einem Generalverdacht gegen Muslime: "Die Pauschalisierung, der Islam und die Muslime seien gefährlich, wirkt in der Tat eher ausgrenzend und radikalisierend als deeskalierend. Dabei haben wir einen sehr breit gefächerten Islam in Deutschland."


Das ausführliche Interview lesen Sie im neuen SPIEGEL SPECIAL, das ab Dienstag, 25. März, am Kiosk erhältlich ist: "Allah im Abendland: Der Islam und die Deutschen"



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