Kauf von Sicherheitslücken Opposition kritisiert Pläne des BND

Rund 4,5 Millionen Euro will der BND auf dem Schwarzmarkt investieren, um Informationen über Software-Sicherheitslücken zu kaufen. Kritik kommt jetzt von der Opposition aus Grünen und Linkspartei.

BND-Logo: Digitale Aufrüstung
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Berlin - Es geht um die Überwachung verschlüsselter Internetverbindungen, wie sie etwa beim Onlinebanking, Internetshopping oder beim Verschicken von E-Mails eingesetzt werden. Jetzt ernten die Pläne des Bundesnachrichtendienstes (BND), sich auf dem Schwarzmarkt für Software-Sicherheitslücken einzudecken, bei der Opposition scharfe Kritik:

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte der "Passauer Neuen Presse", die Bundesregierung müsse dem BND seine "Grenzen aufzeigen". Und weiter: "Es ist völlig paradox, dass Sicherheitslücken bewusst offengelassen und zurückgehalten werden, anstatt die Öffentlichkeit über diese zu informieren. Das darf nicht sein."

Der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, verlangte ein Verbot solcher Praktiken. Er forderte den Haushaltsausschuss auf, Gelder für das Projekt "sofort zu sperren". Wenn der Staat am grauen Markt Erkenntnisse über unentdeckte Sicherheitslücken kaufe, um selbst besser zu hacken, sei das "digitale Hehlerei" und müsse verboten werden.

Warnungen vom Chaos Computer Club

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hat der Bundesnachrichtendienst bis 2020 rund 4,5 Millionen Euro eingeplant, um auf dem grauen Markt Informationen über Software-Schwachstellen einzukaufen.

Zuvor hatte bereits der Chaos Computer Club vor dem staatlichen Ankauf von Sicherheitslücken zu Überwachungszwecken gewarnt. So könne nicht sichergestellt werden, dass Sicherheitslücken nicht auch von Kriminellen entdeckt oder parallel an diese verkauft würden.

Experten gehen davon aus, dass der Schwarzmarkt für Sicherheitslücken durch die Aktivitäten der Geheimdienste angeheizt wird, da die Preise durch deren Nachfrage steigen. Durch die Snowden-Enthüllungen wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst NSA jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag für den Ankauf von Wissen über Sicherheitslücken ausgibt.

eth/AFP/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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new_eagle 11.11.2014
1. BND schuld an unsicherem Online-Banking und -Shopping?
Am Ende wird so eine Maßnahme nur Kriminellen nutzen die über diese Sicherheitslücken in verschlüsselten Internetverbindungen unsere Konten plündern werden. Wenn der BND von solchen Sicherheitslücken in verschlüsselten Internetverbindungen erfährt sollte er diese unverzüglich dem BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) melden, dass diese dann veröffentlicht. Doch da diese Sicherheitslücken dann ja geschlossen werden würden, könnte der BND diese nicht mehr für die Spionage nutzen. Mithin ist klar, dass der BND ein Interesse daran haben wird. Sicherheitslücken zu bewahren und somit uns Bürger vorsätzlich den Gefahren von Internetkriminalität aussetzen würde. Dabei sollte der BND uns doch schützen und nicht gefährden!
genugistgenug 11.11.2014
2. 4,5 Mio. Euro inkl. Verwaltungskosten?
4,5 Mio. € in 5 Jahren macht 0,9 pro Jahr oder 0,075 Monat. Diese Summen sehen eher nach einem Haushaltstpopf zur Versorgung der Bürokrateten / Sonderabteilung LUECKE aus aber nicht für eine ernsthafte Beschaffung. Vermutlich gibt es noch eine Anschubfinanzierung für Schere, Kleber, Papier um die Meldungen aus der Presse zusammenzustellen. Plus einen großen Sonderposten für Papier um die Videos auszudrucken. PS wieso kaufen die nicht gleich bei den USA ein statt sich Konkurrenz zu machen? Oder soll der BND die Resterampe geben der das Leergut sammelt? Freuen uns schon auf die 1. Kalkulationen. Einnahmen durch Verkauf der Software xxx.xxx Einnahmen durch Verkauf der selbstprogramierten Lücken xxx.xxx.xxx.xxx
kdshp 11.11.2014
3.
Was mich immer wundert ist das aus der mitte kein aufschrei kommt. Was denken eigentlich anwälte, ärzte, unternehmer, manager usw? Wissen die nicht das sie auch immer mehr überwacht werden? Mir kommt es so vor als wenn diese leute denken es würde nur die unterschicht betreffen. Aber genau das gegenteil ist der fall denn die köpfe von terror und mafia sitzen in der mittel,- und oder oberschicht.
vox veritas 11.11.2014
4. Sturm im Wasserglas
Vom Bundesnachrichtendienst erwarte ich, daß er sich zur Erfüllung seines Auftrags (Risikenfrüherkennung) in Bereichen bewegt, in die sich der Otto Normalverbraucher nicht wagt. Wenn's einfach wäre, könnte es auch ein Bundestagsabgeordneter machen
vax10 11.11.2014
5. Das könnte lustig werden
Der BND könnte auch programmierende Agenten bei den einschlägigen Softwarefirmen einschleusen, die dann gleich die Sicherheitslücken einbauen. Wird das ein Spaß, wenn der MAD das auch macht und beide wissen nichts voneinander.
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