Geheimdienst-Affäre BND liefert NSA angeblich 1,3 Milliarden Datensätze pro Monat

Der BND sammelt für den US-Geheimdienst NSA auch sogenannte Metadaten über Telefonate oder SMS. Nach einem Medienbericht schickt der deutsche Geheimdienst diese im großen Umfang an den amerikanischen Partner weiter.

Radarkuppeln in Bad Aibling, BND-Abhörstation
DPA

Radarkuppeln in Bad Aibling, BND-Abhörstation


Wie viele Daten liefert der Bundesnachrichtendienst (BND) der NSA? Diese Frage ist nach wie vor nicht beantwortet. Klar ist nur, dass der deutsche Geheimdienst millionenfach sogenannte Selektoren der NSA eingesetzt hat, Schlagworte, nach denen der BND suchen soll, um Daten zu beschaffen.

Wie "Zeit online" berichtet, sammelt der BND für den US-Geheimdienst auch sogenannte Metadaten in riesigem Umfang. Das gehe aus vertraulichen Akten hervor, meldet das Online-Portal.

Metadaten umfassen nicht den Inhalt einer Kommunikation, also den Text einer E-Mail oder die Gespräche am Telefon. Sie sind für Geheimdienste mindestens ebenso wichtig wie der Inhalt von Gesprächen. Denn sie zeigen, wer wen anruft oder wie lange ein Gespräch dauert. Bei Telefonaten am Handy beinhalten Metadaten auch den Standort der Person. Massenhaft gesammelt, ermöglichen diese Daten eine Analyse von Netzwerken: Wer hat wann mit wem kommuniziert?

Ein großer Teil dieses Datenschatzes werde an die NSA weitergereicht - "bis zu 1,3 Milliarden Datensätze pro Monat", schreibt "Zeit online". Der BND leite die Informationen über die Abhörstation Bad Aibling als Rohdaten an die NSA weiter. Das würden die Unterlagen belegen. Lediglich die Daten von Deutschen würden zuvor ausgefiltert. Damit habe der BND keinen Einfluss darauf, was die NSA anschließend mit diesen Daten mache und welche Ziele sie damit ausspähe, schreibt "Zeit online" weiter.

Offenbar reicht der BND dem Bericht zufolge nicht alle Metadaten weiter, die er sammelt. Im Februar hatte "Zeit online" berichtet, dass der BND in aller Welt ungefähr 220 Millionen Metadaten pro Tag sammelt und speichert. Rechne man die bisher bekannten Millionen Metadaten pro Tag hoch, komme man auf 6,6 Milliarden Datensätze im Monat, schreibt das Portal. Laut den Unterlagen werden vor allem die Rohdaten "ausgewählter Auslands-Auslands-Übertragungswege in Krisengebieten" übermittelt.

heb

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 70 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BoMbY 12.05.2015
1.
Och, so wenig? Also nur ungefähr 15.600.000.000 Datensätze pro Jahr? Ja, da braucht man sich keine Sorgen zu machen ...
saxae 12.05.2015
2. Tiefschlaf
Bei dem Thema schlafen offensichtlich alle oder wollen es verzweifelt tun. Wer sich auch nur ein bißchen mit dem Fall Edward Snowden beschäftigt hat weiß das schon seit Jahren! Dennoch ist späte Einsicht immer besser als nie.
LouisXIV 12.05.2015
3. Was bekommt der BND von der NSA
an entsprechenden Daten bezüglich des USA-Gebietes als Austausch?
RainerCologne 12.05.2015
4. Warum?
Warum gibt es keinen Volksaufstand? Warum wird sich über den Bahnstreik mehr empört als über diese unfassbaren Vorgänge? Wieso schreiben die Zeitungen nicht von morgen bis abends, dass die Regierung geschlossen zurücktreten muss? Wie kann eine SPD oder CDU/CSU überhaupt noch wählbar bleiben?
Badener1848 12.05.2015
5.
Kein Wunder, dass unsere verantwortlichen Politiker bei der kleinen Menge keine Ahnung haben, was der BND da eigentlich so treibt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.