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Deutsch-türkische Beziehungen: Es könnte so schön sein

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Türkei und Deutschland: Auf beiden Seiten Desinteresse und Vorurteile

Die deutsch-türkischen Beziehungen haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Die BND-Affäre ist ein Tiefpunkt. Das sollte Anlass sein, einen Neustart zu wagen.

Betrachtet man die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei, kann man nur staunen. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Türkei in der EU. Die größte türkischstämmige Diaspora lebt in der Bundesrepublik. Die Türkei ist eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen.

Man könnte annehmen, dass es enge Bindungen gibt zwischen Türken und Deutschen, dass man sich schätzt und sich füreinander interessiert.

Aber weit gefehlt. Wie viele Deutsche wissen eigentlich, was "ja" oder "nein" auf Türkisch heißt? Und warum denken so viele Türken, Deutschland neide ihrem Land das wirtschaftliche Wachstum der vergangenen Jahre und trachte nach nichts anderem, als diesen Aufstieg zu behindern?

Es ist grotesk: Wahrscheinlich gibt es keine zwei anderen Länder auf der Welt, die so viel miteinander zu tun haben, aber so wenig voneinander wissen wollen. Auf beiden Seiten Desinteresse, auf beiden Seiten Vorurteile: hier das Bild von den arroganten, freudlosen Teutonen, dort die Vorstellung von den rückständigen, armen Anatoliern.

Wir sind so weit, dass ein CSU-Generalsekretär sagen kann, seine Partei habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Türkei nicht in die EU gehöre - ohne die bisherigen türkischen Reformbemühungen anzuerkennen und seinem Gegenüber wenigstens ein Mindestmaß an Wohlwollen und Respekt zu zeigen.

Es ist eine Zeit, in der ein hochrangiger türkischer Regierungsberater ernsthaft behaupten kann, die Lufthansa stecke hinter den Gezi-Protesten, weil sie den dritten Flughafen in Istanbul verhindern und das eigene Drehkreuz Frankfurt am Main schützen wolle. Weil die Gezi-Demonstranten gegen den neuen Airport protestierten, sei klar, dass Deutschland sie angestachelt habe.

Beziehungen neu starten

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die deutsch-türkische Agenda bestimmt wird von Politikern, die dem jeweils anderen Land in herzlicher Abneigung verbunden sind.

Umso wohltuender, dass nach Bekanntwerden des Spionageskandals zumindest bisher kein türkischer Politiker losgepoltert hat gegen Deutschland und den BND. Die Gründe dürften darin liegen, dass der Präsidentschaftswahlkampf vorbei ist und dass die Beziehungen zu Deutschland für die Türkei doch zu wichtig sind, als dass man unnötig Porzellan zerschlagen wollte.

Das türkische Außenministerium hat besonnen reagiert und auf eine offizielle Protestnote verzichtet. Stattdessen hat es den deutschen Botschafter in Ankara zum Gespräch gebeten und seine Sorgen mitgeteilt. Solche diplomatischen Feinheiten mögen belanglos erscheinen, doch sie sind wichtig, wenn es darum geht, die Verbindung nicht abreißen und den anderen das Gesicht wahren zu lassen.

Es wäre wünschenswert, wenn Deutschland und die Türkei ihre Beziehungen neu starten - nicht nur die Regierungen, sondern alle Menschen.

Und wen es interessiert: "Ja" heißt übrigens "evet" und "nein" "hayır".

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Hasnain Kazim ist Korrespondent von SPIEGEL ONLINE mit Sitz in Istanbul.

E-Mail: Hasnain_Kazim@spiegel.de

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1. Menschen und Staaten unterschiedlich bewerten
rosskal 19.08.2014
Auch wenn es viele positive Beziehngen zwischen Deutschen und Türken gibt, wie Freundschaft, Vertrauen oder Wohlgesonnenheit, sind doch die Beziehungen zwischen Staaten anders zu bewerten. Das derzeitige Regime in der Türkei macht es anderen Staaten eben nicht leicht, normale zwischenstaatliche Beziehungen zu pflegen.
2. Huhn mit Ei verwechselt
-turbomax- 19.08.2014
Eigentlich müsste die Türkei nur ihren rückwärtsgewandten Kurs aufgeben, da entwickelt sich das alles von ganz alleine wieder in eine freundschaftlichere Richtung. Das ist übrigens auch der größte Feind des hier genannten wenn auch nicht so hoch einzuschätzenden "Fortschrittes".
3. Weltanschauung
GueMue 19.08.2014
auch wenn man vieles gemeinsam hat, ist es doch entscheidend, dass man es auch gleich interpretiert. Natürlich wären die Türken als rückständig und korrupt angesehen und natürlich halten die Türken die Deutschen für gottlos. Wie soll man sich da verstehen, ausser es ist im Urlaub und man betrachtet das Meer und die griechischen Errungenschaften. Will man von den Deutschen Nach mir die Sintflut bzw. die Angst lernen, dass man die Welt nicht wirklich nach eigenem Gusto retten kann, weil die es nicht verstehen.
4. türkische Reform-Bemühungen?
boppard 19.08.2014
Der Autor schreibt von türkischen Reform-Bemühungen, die wir anerkennen sollen. Hat der Autor die letzten Monate und Jahre verpasst, was Erdogan aus der Türkei gemacht hat? Die Türkei gehört definitiv nicht in die EU und ja, das darf man in Deutschland öffentlich äußern!
5. Des Spiegels Narrativ
Walter.Schmidt 19.08.2014
Es ist schon interessant: Da betreiben die Nachrichtendienste der USA Aufklärung gegen die Bundesrepublik und die Politik will sich nicht richtig aufregen. Das wird ihr in der deutschen Presse dann als Untätigkeit vorgehalten, das "Die springen nicht über das Stöckchen, dass wir ihnen hinhalten" kritisiert. Als Reaktion kommen einige lauwarme Politikeraussagen. Nun dreht der Spiegel den Spieß um und behauptet "Sehr her! Erst aufregen, dann selber nachrichtendienstlich tätig werden. Heuchler!" Interessant, wie hier die Politik an der Nase herumgeführt wird. Und Herr Kazim, die Betätigunsfelder einiger Ihrer Gesprächspartner aus dem deutschen Konsulat in Istanbul dürften Ihnen doch bekannt sein. Im Sinne von verantwortungsvollem Journalimus dürften Sie da ruhig mal erwähnen. Gerne dürfen Sie auch schreiben, dass das Thema in der Türkei nur ein Randnotiz ist. Die Menschen interessiert, wer der nächste Premierminister wird. Eine Presserecherche der türkischen Medien ergibt bei den regierungsnahen Printmedien übrigens auch den Hinweis, dass man Ihrem Blatt nicht traut, da der Spiegel in der Vergangenheit immer gegen die AKP und Erdoğan berichtet hat. Passt aber nicht in Ihr Narrativ, oder? Das ist die deutsche Pressefreiheit. Nicht über Politik berichten, sondern Politik machen. Verfassungskonform? Mit freundlichen Grüßen, W. Schmidt
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