Berlin - Mit prestigeträchtigen Milliardenbauten tut man sich in Berlin derzeit offenbar keinen Gefallen. Die Verzögerungen beim Neubau des Großflughafens haben für hämische Schlagzeilen gesorgt - jetzt gibt es Ärger um das nächste Mammutprojekt. Der Bundesnachrichtendienst (BND) wird wegen technischer Mängel an seinem Neubau rund ein Jahr später als geplant nach Berlin umziehen. Ursprünglich sollte der Umzug bereits 2015 über die Bühne gegangen sein.
Schuld an der Verzögerung seien "unzureichende Lüftungsanlagen" an dem neuen Gebäude, die eine der Baufirmen zu verantworten habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Ein erstes Kontingent von 170 Logistik-Mitarbeitern soll dennoch 2013 vom bayerischen Pullach in den dann schon fertigen Nordflügel des Neubaus wechseln.
Weitere Mitarbeiter sollen dann laut "Berliner Morgenpost" nach Fertigstellung des Gebäudekomplexes und den noch anstehenden Ausstattungs- und Sicherheitsmaßnahmen ab Ende 2015 ihre neuen Büros im Berliner Hauptgebäude beziehen. Nach der aktuellen Planung soll der Umzug von 2000 Geheimdienstlern aus Pullach Ende 2016 abgeschlossen sein - also ein Jahr über Zeitplan. In Berlin sind derzeit bereits knapp 2000 BND-Mitarbeiter beschäftigt.
Die Verzögerung stellt den Auslandsgeheimdienst auch vor personelle Probleme. Der BND verliere "regelmäßig junge neue Mitarbeiter", die für den neuen Dienstsitz Berlin eingestellt worden seien, sagte BND-Präsident Gerhard Schindler der "Berliner Morgenpost" vom Montag. Weil der Dienst nicht wie vorgesehen umziehe, "verlassen sie unsere Behörde wieder und suchen sich einen neuen Arbeitgeber".
Die neue BND-Zentrale soll einschließlich des Standortwechsels des Großteils der Mitarbeiter von Pullach bei München nach Berlin rund 1,3 Milliarden Euro kosten. Ursprünglich war einmal mit 500 Millionen Euro kalkuliert worden.
BND-Chef Schindler stellte klar, dass der Umzug durch die Verzögerung nicht prinzipiell in Frage gestellt werde. "Allen ist klar: Wenn Berlin bezugsfertig ist, wird umgezogen", sagte er in dem Interview.
Der BND-Wechsel nach Berlin-Mitte hatte sich bereits mehrfach verzögert. Ursprünglich sollte der Neubau in der Hauptstadt 2013 fertig werden, später war von 2014 die Rede. Vor einem Jahr hatte der BND wegen des Diebstahls von Bauplänen für die neue Zentrale Schlagzeilen gemacht.
jok/dpa/AFP/dapd
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