Bochumer Polizei-Einsatz Terrorpilot Jarrah soll in umstellter Moschee gebetet haben

Mehrere hundert Polizisten haben während des Freitagsgebets zwei Moscheen in Bochum umstellt und etwa 460 Gläubige überprüft. In einem der Gotteshäuser soll sich Ziad Jarrah, einer der Attentäter vom 11. September 2001, aufgehalten haben.


Bochum: Polizei überprüft Hunderte Muslime nach dem Freitagsgebet
AP

Bochum: Polizei überprüft Hunderte Muslime nach dem Freitagsgebet

Bochum - Die beiden Moscheen in der Dibergstraße und am Hustadtring galten der Polizei als Anziehungspunkte für gewaltbereite islamistische Extremisten. Polizeisprecher Michael Bloch teilte mit, in einer der Moscheen habe einer der Attentäter des 11. September, Ziad Jarrah, gebetet. Ziel des bis zuletzt geheim gehaltenen Großeinsatzes sei es gewesen, die Personalien von rund 400 Personen festzustellen und mögliche terroristische Strukturen im Vorfeld zu erkennen. Später hieß es, bei rund 460 Besuchern sei der Ausweis kontrolliert worden. Für die Aktion sperrte die Polizei zwei Stadtviertel ab. Ergebnisse lagen am Abend noch nicht vor.

Es handele sich um vorbeugende Maßnahmen, sagte der Sprecher. "Der Polizei liegen derzeit keinerlei Erkenntnisse dafür vor, dass es für Bochum konkrete Anschlägspläne gibt." Allerdings gebe es ernstzunehmende Hinweise dafür, dass gerade an den beiden Moscheen Personen verkehrten, die im Verdacht stünden, zum Kreis gewaltbereiter islamistischer Extremisten zu gehören. Dass auch einer der Terror-Piloten des 11. September während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Bochum in einer der Moscheen gebetet haben soll, stehe in keinem direkten Zusammenhang mit der Untersuchung, hieß es.

Die Moscheen wurden von der Polizei umstellt. Beamte überprüften die Personalien aller Personen, die die Gebäude verließen. An beiden Einsatzorten lief die Aktion zunächst ruhig und geordnet ab. An der Moschee am Hustadtring warteten vor allem auf einer Treppe zahlreiche Personen an der Absperrung auf die Kontrolle ihrer Personalien. Unruhe entstand nicht. Auch an der Moschee in der Dibergstraße gab es keine Zwischenfälle. "Hier herrscht großes Verständnis für die Maßnahmen", sagte ein Sprecher.

Die Zahl der zu überprüfenden Personen wurde zu Beginn der Aktion auf mehrere hundert geschätzt. Die Überprüfungen auch in den Gebäuden durchzuführen, plane man nicht, hieß es. "Nur wenn wir glauben, dass sich Leute darin verstecken", sagte der Sprecher. Der Einsatz sollte nach Schätzungen der Polizei mehrere Stunden dauern. Die Aktion richte sich gegen Kreise, die die islamischen Vereinsstrukturen ausnutzten, um unter diesem Deckmantel extremistische und terroristische Aktivitäten zu entfalten, nicht gegen den islamischen Glauben oder Muslime generell, betonte der Sprecher.

Der Sprecher der Moschee, Ahmad Aweimer, kritisiert die Aktion als überzogen: "Das ist hundertprozentig schlecht für die Nachbarschaft". Dadurch werde keine terroristische Handlung verhindert, aber Muslime fühlten sich schikaniert. "Das Problem ist unsere Jugend, die das nur von Diktaturen kennt", sagte Aweimer.

Die Polizei dagegen schließt weitere derartige Aktionen nicht aus. Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens sagte, mit solchen Einsätzen verbessere man Stück für Stück die Erkenntnislage über islamistisch-extremistische Gruppierungen. Die Polizei gehe allen Spuren nach, um "die weltweiten Verzweigungen der islamistischen Netzwerke aufzudecken".

Die Nähe einer der beiden untersuchten Moscheen zur Universität in Bochum ist laut Polizei kein Zufall: "Aus den Erfahrungen der zurückliegenden Geschichten in Hamburg und auch Bochum wurde mit der Moschee in der Nähe der Universität begonnen", sagte ein Polizeisprecher.



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