Berlin - Ein früherer Auftritt von Peer Steinbrück sorgt für Wirbel. Der designierte SPD-Kanzlerkandidat trat am 26. November 2011 beim "Atriumtalk" der Stadtwerke Bochum auf und wurde dafür mit 25.000 Euro entlohnt. Den Stadtwerken zufolge ist das Honorar für karitative Zwecke bestimmt gewesen. Steinbrück bestreitet, davon in Kenntnis gesetzt worden zu sein.
Der Streit sorgt in der hochverschuldeten Kommune für Ärger. Jetzt schaltet sich die Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz ein. Die SPD-Politikerin, die auch Aufsichtsratvorsitzende der Stadtwerke ist, hat nach Informationen von SPIEGEL ONLINE das Präsidium der Stadtwerke für nächste Woche zu einer Sondersitzung eingeladen, um sich den Vorgang erläutern zu lassen. Sie wolle den Konflikt um das Honorar "lückenlos aufklären", sagte ihr Sprecher.
Die Zahlung für den Auftritt in Bochum war in Steinbrücks Honoraraufstellung vermerkt. Mit der 19-seitigen Auswertung wollte er am Dienstag eigentlich einen Schlussstrich unter die wochenlange Diskussion um seine Nebeneinkünfte ziehen. Jetzt ist er bei dem unangenehmen Thema weiter in der Defensive.
Die Stadtwerke selbst haben sich, wohl auch auf Druck von außen, einen Maulkorb verpasst. Auch auf mehrmalige Nachfrage wollte sich am Freitag kein Vertreter zu den Hintergründen äußern. In den vergangenen Tagen hatte Stadtwerke-Sprecher Thomas Schönberg mehrfach klargemacht, dass bereits in den Anbahnungsgesprächen für den Steinbrück-Auftritt eine Spendenvereinbarung angesprochen worden sei. Dies werde in der Gesprächsreihe "Atriumtalk" stets so gehandhabt, hieß es.
Steinbrück selbst, der in Bochum auf Vermittlung der Agentur Hellen Medien Projekte GmbH auftrat, bestreitet diese Darstellung. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, im gesamten Schriftwechsel Steinbrücks mit der Agentur Heller gebe es keinen Hinweis auf eine Spendenvereinbarung. Anderslautende Äußerungen seien "schlicht falsch", heißt es in der Berliner Parteizentrale.
In SPD-Kreisen sorgt der Fall für Irritationen. Manche Sozialdemokraten sprechen inzwischen von einem "großen Missverständnis". Eine Erklärung lautet, dass die Agentur Heller zwar mit den Stadtwerken, aber nicht mit Steinbrück die besagte Spendenvereinbarung geschlossen haben könnte. Die Agentur war am Freitag nicht zu einer Stellungnahme bereit.
Das Geld leiteten die Bochumer Medienberater übrigens erst Monate nach dem Auftritt an den prominenten Gast weiter.
vme
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