Bahn-Schlichter Platzeck und Ramelow Ein seltsames Paar

Sanft der eine, rau der andere: Matthias Platzeck und Bodo Ramelow sollen den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn schlichten. Kann das mit diesem ungleichen Paar gut gehen?

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Matthias Platzeck, Ostdeutscher und Sozialdemokrat, gilt als der sanfte Mann aus Brandenburg. Bodo Ramelow, Import-Westdeutscher im Osten, Linken-Politiker und Ministerpräsident aus Thüringen, teilt gerne mal verbal aus.

Sie sollen nun im Tarifstreit schlichten, Verhandler zusammenbringen, die sich seit Monaten misstrauisch begegnen - die Vertreter der Deutschen Bahn und die der Gewerkschaft der Lokführer.

Eigentlich kann das nicht gut ausgehen. Das Misstrauen sitzt auf allen Seiten tief. Als Bahn-Chef Rüdiger Grube am 6. Mai Platzeck erstmals als Schlichter vorschlug, da dauerte es nur wenige Stunden, bis der Chef der streikerprobten Gewerkschaft der Lokführer (GDL), Claus Weselsky, höhnte, es handele sich um einen "PR-Gag".

Kaum besser ist die Ausgangslage für Ramelow. Allerdings selbstverschuldet. Kaum war der 59-Jährige von der Gewerkschaft als Schlichter benannt, da kritisierte er Bahn und Bundesregierung. Der Bahn attestierte er gar forsch: "Ich habe in meinem Leben viele Tarife verhandelt, ein derart unprofessionelles Vorgehen habe ich noch nicht erlebt."

Ob das ein kluger Schachzug war? Nun gehört im politischen Geschäft verbale Aufrüstung zum Alltag der Profis. Und Ramelow, der erste Ministerpräsident der Linken, ist so einer - als früherer Funktionär der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen kennt er viele Tricks. Vielleicht kann sein parteiischer Vorstoß ihm helfen: Indem er die GDL-Argumentation öffentlich stützt, verschafft er sich bei deren Mitgliedern zunächst einmal Vertrauen und Respekt. Und könnte so am Ende umso glaubwürdiger auftreten, wenn er der Gewerkschaftsführung und der Basis einen - möglicherweise schwierigen - Kompromiss vorlegen muss.

Denn das werden beide müssen - es sei denn, die Schlichter selbst verkeilen sich auch noch. Was nicht ausgeschlossen ist, vor allem, wenn der Bahn-GDL-Konflikt auf Seiten der Schlichter auch noch in einem SPD-Linke-Kleinkrieg gespiegelt wird.

Bahnchef Grube, SPD-Politiker Platzeck: Nur ein "PR-Gag"?
DPA

Bahnchef Grube, SPD-Politiker Platzeck: Nur ein "PR-Gag"?

Platzeck hat gegenüber Ramelow einen Vorteil: Er ist wie GDL-Chef Weselsky gebürtiger und lebenserfahrener Ostdeutscher. Das kann vielleicht helfen, wenn es darum geht, Vorbehalte abzubauen. Zuletzt nahm der Konflikt in der öffentlichen Wahrnehmung mitunter seltsamste Formen an: Da wurde dem sächselnden Weselsky in Internetforen unterstellt, er sei im Grunde ein verkappter DDR-Nostalgiker. Was an sich schon widersinnig ist, war doch die GDL die erste freie Gewerkschaft, die sich 1990 nach den Umbrüchen in der DDR gründete. Und: Weselsky war nie in der SED, sondern ist - weit weniger bekannt - seit 2007 in der CDU.

Der 56-jährige Weselsky gilt als Sturkopf. In der GDL ist er umstritten: Sein Vorgänger Manfred Schell - wie Weselsky übrigens auch CDU-Mitglied - hat sich mit ihm überworfen, nennt ihn "Mao" und "Assad" und wirft ihm vor, in den "Heiligen Krieg" ziehen zu wollen und sich verrannt zu haben.

Weselsky selbst hat einmal bekannt, er müsse "nicht immer im Team spielen". Eine Herausforderung also für Platzeck, den die Bahn als Schlichter ins Rennen schickt. Das menschliche Rüstzeug bringt er mit: Als Brandenburger Umweltminister erwarb er sich während der Oderflut 1997 allseits Respekt - auch, weil er im Team zu agieren verstand. Und er war nicht zuletzt ein beliebter Ministerpräsident in Brandenburg. Seine offene, sympathische Art wird dem heute 61-Jährigen vielleicht helfen, die schwierigen Kontrahenten von Bahn und GDL zusammenzubringen - und vielleicht sogar Ramelow einzuhegen.

Video: Was Passagiere zum Ende des Streiks sagen



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insgesamt 39 Beiträge
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der_oddo 21.05.2015
1. Ein aktiver Ministerpräsident als Schlichter?
Hat Herr Ramoelow keine anderen, wichtigeren Aufgaben? Geht es Thüringen so gut, dass der Landesvater auch noch Nebenjobs annehmen kann? Ich denke Herr Ramolow sollte sich eher um die Probleme kümmern für deren Lösung er von den Bürgern gewählt wurde und nicht so eine Berufung annehmen um sich selbst zu profilieren. Schwache Vorstellung Herr Ministerpräsident!
lederal 21.05.2015
2. Respekt
Herr Platzeck ist ein Ehrlicher mit eigene Meinung Politoker, große Respekt!
Alfred Ahrens 21.05.2015
3. Der Streik ist erstmal vorüber, aber weder der Initiator noch seine Schlichter rücken das Problem zur Seite!
Die gesamte deutsche Wirtschaft darf nie wieder von den egozentrischen Interessen sehr Weniger so gefährdet werdet werden. Natürlich brauchen wir Gewerkschaften, aber noch viel mehr brauchen wir Wachstum und gesicherte Arbeitsplätze und Chancen für die Generationen nach uns. Etwas mehr Sicht voraus und etwas weniger Egoismus würden dieser Gesellschaft gut tun. Allen ein paar gute Tage über das das Pfingstfest!
unimatrix 21.05.2015
4. optimal optional
@1: Auch in Thueringen fahren Zuege, sollte Ihnen das entgangen sein. Um in Ihrem Sprech zu bleiben: Er kuemmert sich im Falle der Faelle also doch irgendwie. Aber Ihnen ging's gar nichr darum, stimmt's? Haette er abgelehnt, haette er seine Thueringer, in Ihren Augen, sicherlich mit dem Bahnstreik alleine und im Stich gelassen. Schon klar, wo die Reise hingeht. Ich wuensch mir, die beiden Parteien einigen sich mittels Kompromiss. Auch wenn ich dank Remote-Taetigkeiten nicht auf das Verkehrsmittel angewiesen bin, und mir alles egal sein koennte. Meiner Frau isses nicht Cheers!
ratxi 21.05.2015
5. Verbale Aufrüstung?
Verbale Aufrüstung soll dienlich sein? Ich denke, SCHLICHTUNG ist angesagt. Also Konfliktbewältigung. Also eher Mediation. Kompromisse werden gefragt sein, keine starken Worte.
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