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20. September 2015, 22:37 Uhr

Angriffe auf Asylbewerber

Böllerattacke auf Flüchtlingswohnung in Freital

Trotz einer weit verbreiteten Willkommenskultur reißt die Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland nicht ab. Am Wochenende ist es erneut zu mehreren Angriffen gekommen - auch auf Helfer.

In mehreren Landesteilen haben Unbekannte am Wochenende teilweise gewaltsame Aktionen gegen Flüchtlinge verübt. In Freital bei Dresden wurde eine Flüchtlingswohnung mit einem Feuerwerkskörper angegriffen. Nach Informationen des Senders MDR 1 Radio Sachsen zündeten die Täter den Böller auf einem Fensterbrett. Die Scheibe der Wohnung zersplitterte, verletzt wurde niemand.

In der Wohnung sind den Angaben zufolge fünf Asylbewerber aus Eritrea untergebracht, von denen sich zum Zeitpunkt der Explosion keiner in der Nähe aufgehalten habe. Die Polizei bestätigte den Vorgang laut Nachrichtenagentur dpa. In der Vergangenheit hatte die Kleinstadt mit ausländerfeindlichen Protesten bundesweit Aufsehen erregt.

Im baden-württembergischen Wertheim zündeten Unbekannte nach Angaben von Polizei und Stadtverwaltung eine geplante Notunterkunft an, in der knapp 400 Flüchtlinge untergebracht werden sollten - sie ist nun einsturzgefährdet. Zwei Bewohner eines benachbarten Altenheims kamen mit Verdacht auf Rauchgas-Vergiftung in eine Klinik.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern ging eine geplante Unterkunft in Flammen auf: Ein Mehrfamilienhaus bei Laage, in das Flüchtlinge einziehen sollten, wurde in Brand gesetzt. Ob das derzeit unbewohnte Haus weiterhin als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden kann, sei derzeit noch unklar, teilte die Polizei mit.

Im baden-württembergischen Riedel brannten zwei Mülltonnen bei einem Flüchtlingsheim. In der Unterkunft waren 47 Flüchtlinge aus Syrien untergebracht, nach Polizeiangaben bestand für sie keine Gefahr. Außerdem wurden die Außenwände des Hauses mit umgekehrten Hakenkreuzen und rechten Parolen beschmiert.

Auch Angriffe gegen Flüchtlingshelfer

Doch die Gewalt richtet sich nicht nur gegen die Flüchtlinge selbst, sondern auch gegen Helfer. Im brandenburgischen Neuhardenberg sind zwei Autos von Unterstützern einer Flüchtlingsinitiative angezündet worden und ausgebrannt. Das Brandenburger Innenministerium bestätigte, dass es sich um Brandstiftung handele. Die Polizei ermittele in alle Richtungen, aber ein politischer Hintergrund liege nahe, sagte ein Ministeriumssprecher.

In Sachsen kam es zu rechtsgerichteten Krawallen vor einem Flüchtlingsheim. In den Nächten zu Freitag und Samstag hatten rechte Pöbler vor der Notunterkunft demonstriert, sodass Busse mit Asylbewerbern nur unter Polizeischutz auf das Gelände kamen, wie die Polizei mitteilte. Rund hundert teils betrunkene Rechte und Gaffer hatten die Zufahrt belagert, ausländerfeindliche Parolen skandiert und eine Flasche gegen einen Flüchtlingsbus geworfen.

Die Polizei bildete am Samstag einen Kontrollbereich um die Erstaufnahmeeinrichtung. Obwohl auch am Samstagabend wieder rechte Pöbler vor dem Heim aufzogen, blieb es ruhig.

kry/dpa

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