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Bonner Bombe: DNA-Spur führt in Salafisten-Umfeld

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Polizisten am Bonner Hauptbahnhof im Dezember 2012: Wichtige Erkenntnis bei Ermittlungen Zur Großansicht
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Polizisten am Bonner Hauptbahnhof im Dezember 2012: Wichtige Erkenntnis bei Ermittlungen

Im Fall der 2012 am Bonner Hauptbahnhof deponierten Bombe gibt es offenbar einen Durchbruch. Ermittler konnten die an dem Sprengsatz gefundenen Genspuren Angehörigen des Salafisten Marco G. zuordnen. Er soll auch Mordanschläge auf Pro-NRW-Kader geplant haben.

Düsseldorf/Berlin - Die vorbereiteten Attentate auf Führungsfiguren der rechtsextremistischen Splitterpartei Pro NRW und die im Dezember am Bonner Hauptbahnhof deponierte Bombe stehen offenbar in einem Zusammenhang. Techniker des Bundeskriminalamts (BKA) haben zwei an dem Sprengsatz sichergestellte DNA-Spuren inzwischen zuordnen können. Nach SPIEGEL-Informationen gehören sie Familienmitgliedern des im März festgenommenen Salafisten Marco G.

Der "Stern" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, an dem Metallrohr der Bombe sei Genmaterial festgestellt worden, das von dem zweijährigen Sohn des Marco G. stammt. An einem ebenfalls verbauten Wecker fanden die Experten demnach DNA der Ehefrau von Marco G. Der in Bonn lebende Extremist war im März zusammen mit drei mutmaßlichen Komplizen festgenommen worden, weil er Mordanschläge unter anderem auf den Vorsitzenden von Pro NRW geplant haben soll.

Die Erkenntnisse deuten zwar darauf hin, dass Marco G. zumindest an der Herstellung der Bombe beteiligt gewesen sein könnte, doch sie gelten den Ermittlern noch nicht als finaler Beweis. Bislang wird G. nicht als Beschuldigter geführt, ebenso sieht es bei seinen drei mutmaßlichen Komplizen aus.

Zu den Problemen der Beamten zählt die Qualität der DNA, deren Beweiskraft vor Gericht angezweifelt werden könnte. Zudem belegen die Spuren nur eine Verwicklung von Frau und Kind, nicht von G. selbst. Ob die bisherigen Ergebnisse deshalb für eine Verurteilung ausreichen könnten, gilt derzeit noch als offen. Ungeklärt ist etwa, ob G. die Tasche mit dem Sprengsatz am Bahnsteig deponierte. Intern sind die Fahnder allerdings überzeugt: Er war es.

Der Verteidiger von Marco G. teilte auf Anfrage mit, er habe keinerlei Kenntnis von den neuen Indizien. "Es ist ein Skandal, dass ich das aus der Presse erfahren muss", so der Bonner Rechtsanwalt Peter Krieger.

Von dem aus Oldenburg stammenden Konvertiten G. ist bekannt, dass er wegen schwerer räuberischer Erpressung bereits im Gefängnis saß. Nachbarn in Bonn erinnern sich zudem, dass der hagere 25-Jährige perfekt Arabisch gesprochen habe und extrem ordnungsliebend gewesen sei. "Der hat sogar den Aufzug geputzt", so ein Hausgenosse im Bonner Stadtteil Tannenbusch.

Bereits früh hatten sich Bezüge zwischen geplanten Attentaten und der auf einem Bahnsteig abgestellten Bombe gezeigt. Zum einen war das in der Wohnung des Salafisten Marco G. gefundene Ammoniumnitrat dem in Bonn verwendeten Stoff ähnlich. Zum anderen hat G. nach SPIEGEL-Informationen kein Alibi für die Tatzeit und soll ähnlich groß sein, wie der unbekannte Taschenträger auf dem Überwachungsvideo vom Bonner Bahnhof. G. misst übrigens 1,73 Meter.

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