Von Sebastian Fischer, Florian Gathmann und Veit Medick
Mit den Energiekonzernen legt man sich nicht gerne an. Sie sind eine Wirtschaftsmacht. Und wichtiger Arbeitgeber für die Regionen. Allein die großen Vier beschäftigen rund 200.000 Mitarbeiter in Deutschland.
Verscherzen es sich die Regierenden in Bund und Land auf Dauer mit den Stromriesen, könnten hohe Investitionssummen gefährdet sein. Ein potentielles Druckmittel. Schon jetzt hört sich manche Wortmeldung der Atombosse im Ringen um Laufzeiten und Steuern an, als stünde die Branche vor dem Ruin.
Beispiel RWE. Der Nettogewinn im ersten Halbjahr 2010 erhöhte sich um 23 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig aber macht man sich Sorgen wegen des Börsenkurses. Der ist seit 2008 um 40 Prozent abgestürzt. In einer Presseerklärung zu den aktuellen Halbjahreszahlen sorgte sich das Unternehmen auch wegen "anhaltender Unklarheit über das angekündigte Energiekonzept" der Regierung.
Zur Brennelementesteuer sagt Vorstandschef Großmann: "Eine solche Steuer würde unsere Ertragskraft erheblich schmälern - und damit auch den finanziellen Spielraum für Investitionen in erneuerbare Energien, CO2-arme Kraftwerke und zukunftsfähige Netze." Die Politik stehe im Wort, klare Aussagen zur Zukunft der Kernenergie in Deutschland zu treffen und sie in ein tragfähiges Energiekonzept einzubinden. "Dies ist für unsere langfristig angelegten Investitionen zwingend erforderlich", so Großmann.
Beispiel E.on. Das Adjusted EBIT - also der Konzerngewinn ohne Ertragssteuern - betrug im ersten Halbjahr 6,1 Milliarden Euro, eine Steigerung von elf Prozent. Doch trotzdem gibt man sich wie RWE
skeptisch, Vorstandschef Teyssen mahnt "Klarheit über den energiepolitischen Kurs Deutschlands" an und fordert "ein ideologiefreies, technologieoffenes und marktorientiertes Konzept". Heißt übersetzt: Längere AKW-Laufzeiten.
Es steht viel auf dem Spiel: Für die großen Vier bedeutete eine Laufzeitverlängerung Milliardengewinne. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin zufolge gibt es anhand eines Strompreises von 6,5 Cent pro Kilowattstunde und Gewinnungskosten von 2,6 Cent pro Kilowattstunde folgendes Szenario: Sie würden bei verlängerten Laufzeiten pro Jahr einen zusätzlichen Gewinn von knapp 6,5 Milliarden Euro erzielen.
Selbst mit einer Brennelementesteuer von 2,3 Milliarden Euro blieben dann also noch gut vier Milliarden Euro Gewinn.
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