Nach Anschlag in Sankt Petersburg Brandenburger Tor wird nicht angestrahlt

Nach Anschlägen wurde das Brandenburger Tor zuletzt immer wieder angestrahlt. Nach der Attacke von Sankt Petersburg soll das jedoch nicht geschehen. Die Begründung der Senatskanzlei wirft Fragen auf.

Brandenburger Tor
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Brandenburger Tor


In den vergangenen eineinhalb Jahren wurde das Brandenburger Tor nach Terroranschlägen sieben Mal aus Solidarität angestrahlt - zuletzt nach der Attacke in London. Nach dem Anschlag auf die U-Bahn in Sankt Petersburg soll das Berliner Wahrzeichen allerdings nicht in die Farben der russischen Flagge getaucht werden. Das sagte ein Senatssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Sankt Petersburg sei keine Partnerstadt von Berlin, hieß es zur Begründung. Von diesem Vorgehen solle nur in Ausnahmefällen abgewichen werden.

Die Berliner Senatskanzlei hat offenbar einen Leitfaden erarbeitet, über den der RBB Ende März berichtet hatte. "Der Regierende Bürgermeister hat die Entscheidung getroffen, dass nur infolge eines Terroraktes in einer Partnerstadt das Brandenburger Tor angestrahlt wird", wird ein Sprecher der Staatskanzlei in dem Bericht zitiert.

Tatsächlich waren nach den Attacken in Paris, Brüssel, Istanbul, Jerusalem, London und dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz die Nationalfarben der jeweiligen Länder auf das Brandenburger Tor projiziert worden. Nach dem Massaker eines islamistischen Attentäters in einem Schwulenklub in Orlando war das Brandenburger Tor in die Regenbogenfarben getaucht.

Nach den Anschlägen in Nizza und Quebec hingegen wurde das Brandenburger Tor nicht angestrahlt, beide Städte sind keine Partnerstädte Berlins. Das sind Orlando und Jerusalem allerdings auch nicht. Und so wirft der Berliner Leitfaden doch wieder Fragen auf. Sie sind "Orte, zu denen Berlin eine besondere Beziehung hat", hieß es laut RBB dazu aus der Senatskanzlei: "Das ist bei Jerusalem der Fall und auch bei Orlando als Regenbogenstadt." Auf Sankt Petersburg trifft das offensichtlich nicht zu.

Andere Städte haben sich mittlerweile übrigens dazu entschlossen, ihre Wahrzeichen nach Terroranschlägen nicht mehr anzuleuchten. Das ist zumindest ein konsequenter Leitfaden.

Meinungskompass

max/dpa



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