Brandstiftung Masri legt Feuer in Großmarkt - in Psychiatrie eingewiesen

Die Polizei hat Khaled el-Masri wegen Brandstiftung festgenommen. Das CIA-Entführungsopfer wurde in die Psychiatrie eingewiesen - sein Anwalt sagte SPIEGEL ONLINE, er habe sich seit langem vergebens um Betreuung für seinen Mandanten bemüht, zuletzt sogar im Kanzleramt um Hilfe gebeten.


Neu-Ulm - Am frühen Donnerstagmorgen wurde gegen 4.45 Uhr im Neu-Ulmer "Metro"-Großmarkt eine Glastür eingeschlagen und ein Feuer gelegt. Eine Polizeistreife nahm in unmittelbarer Nähe des Tatorts den Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri fest - der vor drei Jahren von der CIA nach Afghanistan entführt und dort misshandelt wurde.

Bei dem Brand entstanden 500.000 Euro Schaden, verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr konnte das Feuer rasch löschen. Ein Richter hat den 43-jährigen Masri inzwischen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Staatsanwaltschaft erwirkte beim Amtsgericht Memmingen einen Unterbringungsbefehl. Der genaue Tatablauf muss noch geklärt werden.

Masris Anwalt Manfred Gnjidic sagte, seit langem sei bekannt, dass sein Mandant "ein furchtbares Folterschicksal" erlitten habe: "Er musste Straftäter werden, um die Therapie zu bekommen, die ihm als Opfer seit Jahren zustand." Der Fall Masri werde zwar seit langem in der deutschen Öffentlichkeit breit diskutiert, "aber um den Menschen hat sich nie jemand gekümmert". Niemand habe ihm einen Handlangerjob angeboten, damit er nicht über seinen furchtbaren Erlebnisse brüten müsse, und niemand habe ihm die Hand ausgestreckt. "Da sehe ich eine unterlassene Hilfeleistung von den dafür Verantwortlichen", sagte der Jurist. Vor allem Ex-Innenminister Otto Schily (SPD) wirft er vor, einen deutschen Staatsangehörigen "schlicht im Stich gelassen" zu haben.

Gnidjic sagte SPIEGEL ONLINE, dass er sich in den vergangenen Monaten intensiv um eine Betreuung für Masri bemüht habe. Vor zwei Wochen habe er einen dringenden Brief an das Bundeskanzleramt geschrieben, weil er gemerkt habe, dass sein Mandant "instabil wurde". Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert aus dem Brief: Gnidjic habe Kanzlerin Merkel gewarnt, dass "die Angelegenheit nicht mehr zu kontrollieren sein wird". Masri lebe völlig isoliert, sein Leben spiele sich zwischen Wohnzimmer und Toilette ab. Im Supermarkt würden die Leute auf ihn zeigen, selbst mulismische Freunde hätten sich abgewendet. Masri brauche eine Psychotherapie: "Kein Mensch dieser Welt ist in der Lage, als Opfer sich selbst zu heilen."

Am 11. Mai schaltete das Kanzleramt den Angaben zufolge die bayerische Staatskanzlei ein, weil es sich nicht zuständig sah. Gnidjics Brief sei der Landesregierung mit dem Hinweis übergeben worden, es sei ein "verzweifelter und dringlicher Hilferuf", die Staatskanzlei solle die verantwortlichen Behörden auf die "Dringlichkeit der Angelegenheit" hinweisen. Am heutigen 17. Mai legte Masri dann das Feuer.

Streit mit "Metro" über defekten iPod

Er habe Masri heute bei der Polizei besucht. Er habe "völlig zusammengebrochen" gewirkt. Masri sei gezwungen gewesen, alles selbst zu machen. "Die Last ist zu groß für ihn geworden, und darunter ist er zusammengebrochen", sagte Gnjidic. "Er ist völlig am Boden." Jetzt gehe es um eine gute Psychiatrie: "Er darf nicht unter Medikamente gesetzt werden."

Zum Motiv sagte Gnidjic SPIEGEL ONLINE, dass Masri vor zwei Wochen einen defekten iPod in dem "Metro"-Markt habe zurückbringen wollen. Das Gerät wurde nicht angenommen, es kam bei mehreren Besuchen zu einem Streit um die Garantie, bei dem Masri schon sehr aggressiv geworden sei - er soll einer Mitarbeiterin ins Gesicht gespuckt und Hausverbot bekommen haben. Der Streit mit dem Großmarkt sei wohl nur ein "zufälliger Auslöser" gewesen.

Masri war am 31. Dezember 2003 in Mazedonien wegen Terrorverdachts festgenommen und mutmaßlich vom US-Geheimdienst CIA im Januar 2004 nach Afghanistan verschleppt worden. Dort wurde er bis Mai 2004 festgehalten und nach eigenen Angaben auch gefoltert. Mit dem Fall beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestags in Berlin.

Erst am Mittwoch war eine Abhöraktion der bayerischen Justiz gegen Gnidjic für verfassungswidrig erklärt worden. Nach einem gestern veröffentlichten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts verstieß die Überwachung gegen das Fernmeldegeheimnis. Amts- und Landgericht München hatten 2006 angeordnet, Telefon, Fax und Handys der Kanzlei des Rechtsanwalts Manfred Gnjidic zu überwachen.

mgb/sam/ddp/dpa/AFP

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