Ein Jahr nach Anschlag Merkel besucht Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz

Kanzlerin Merkel hat überraschend den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche besucht. Zuvor gab es Kritik an ihrem Umgang mit Hinterbliebenen nach dem Attentat vor einem Jahr.

Angela Merkel auf dem Breitscheidplatz
AP

Angela Merkel auf dem Breitscheidplatz


Knapp ein Jahr nach dem Terroranschlag hat die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche besucht. Merkel kam am Dienstagabend überraschend zum Breitscheidplatz und unterhielt sich dort etwa eine halbe Stunde mit Passanten, Besuchern und Budenbetreibern. Sie sprach auch mit den Polizisten der mobilen Wache.

Am Ort des Anschlags, wo immer wieder Blumen abgelegt und Kerzen angezündet werden, verharrte Merkel zusammen mit dem Chef des Berliner Schaustellerverbandes, Michael Roden, und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft City, Klaus-Jürgen Meier. Anschließend legte jeder von ihnen eine weiße Rose nieder.

Kurt Beck: "Verstehe den Ärger der Angehörigen"

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Opfer und Hinterbliebenen des Anschlags, Kurt Beck (SPD), zeigte Verständnis für die bislang geäußerte Kritik am Umgang der Kanzlerin mit den Angehörigen der Opfer. Man habe eigentlich ein Treffen Merkels mit den Angehörigen erwartet, sagte Beck der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dazu soll es aber erst am 18. Dezember kommen. Die Betroffenen hätten das Gefühl, "dass ihr Opfer nicht ausreichend gewürdigt worden ist".

Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident stellt am Mittwoch im Bundeskabinett seinen Abschlussbericht vor. Union, SPD, Grüne und FDP nahmen zentrale Forderungen Becks in einem Antrag auf, der am Mittwoch im Bundestag beschlossen werden soll. Darunter sind eine höhere finanzielle Entschädigung sowie zentrale Anlaufstellen auf Bundes- und Länderebene für Terroropfer und Angehörige.

Hinterbliebene der Opfer des Terroranschlags hatten sich zuvor über die aus ihrer Sicht mangelnde Fürsorge des Staates nach dem Anschlag beklagt. Sie warfen Merkel in einem offenen Brief Untätigkeit und politisches Versagen vor.

Bei dem Anschlag mit einem entführten Lastwagen tötete der islamistische Terrorist Anis Amri am Abend des 19. Dezember vergangenen Jahres 12 Menschen und verletzte etwa 70. Amri wurde vier Tage später auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen. Nach dem Attentat wurden in diesem Jahr auf vielen Weihnachtsmärkten die Sicherheitsvorkehrungen nochmals erhöht.

Merkel bedankte sich bei Standbesitzer Axel Kaiser und seinen Mitarbeitern, die sich um Verletzte gekümmert hatten, nachdem der Lkw auf das Gelände des Weihnachtsmarktes gerast war.

Budenbesitzerin, Angela Merkel
DPA

Budenbesitzerin, Angela Merkel

An Kaisers Stand, der sogenannten Pufferelse, wurden damals leicht verletzte Opfer versorgt. Kaiser berichtete am Dienstag, wie er Polizisten weinen sah. Den Besuch der Kanzlerin bezeichnete er als tolle Geste und Zeichen, dass der Weihnachtsmarkt sicher sei.

An der zentralen Gedenkveranstaltung zum Terroranschlag nimmt neben der Kanzlerin auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil. Steinmeier wird bei der religionsübergreifenden Andacht am Morgen des 19. Dezembers in der Gedächtniskirche direkt am Tatort sprechen. Merkel gehört nicht zu den Rednern.

mja/dpa



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