Opferbeauftragter Franke Bundesregierung will Soforthilfe für Terroropfer verdreifachen

Wer in Deutschland Opfer eines Terroranschlags wird, soll mehr Entschädigung erhalten. Das kündigte der Opferbeauftragte der Bundesregierung an. Hintergrund ist der Anschlag am Berliner Breitscheidplatz.

Anschlag am Berliner Breitscheidplatz (2016)
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Anschlag am Berliner Breitscheidplatz (2016)


Die Bundesregierung will den Hinterbliebenen von Terroropfern finanziell stärker helfen. Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz habe gezeigt, dass bei der Hilfe für Angehörige viel verbessert werden müsse, sagte der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke, im Interview mit der "Rheinischen Post".

Eine pauschale Soforthilfe von 10.000 Euro für den Verlust eines Kindes, eines Elternteils oder des Ehegatten oder 5000 Euro für den Verlust der Schwester oder des Bruders seien "viel zu wenig", sagte Franke. Die Bundesregierung wolle die Härteleistungen für diese Hinterbliebenen daher jeweils verdreifachen. Zudem sollen seinen Angaben zufolge in Zukunft auch Touristen aus dem Ausland, die keine EU-Bürger sind, dieselben Zahlungen, wie alle anderen erhalten können.

Justizministerin Barley und Opferbeauftragter Franke
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Justizministerin Barley und Opferbeauftragter Franke

Der Terrorist Anis Amri erschoss am 19. Dezember 2016 einen polnischen Lkw-Fahrer und steuerte anschließend dessen Sattelschlepper auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Dort ermordete er elf Menschen aus Deutschland, Israel, Italien, Tschechien und der Ukraine, und verletzte fast hundert weitere Menschen.

Angehörige aller Todesopfer warfen der Regierung später Versagen vor. Sie kritisierten unter anderem, dass sie nach dem Terroranschlag nicht genügend Unterstützung vom Staat erhalten hätten.

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Anschlag in Berlin: Chronologie eines Attentats

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Franke ist seit April dieses Jahres Opferbeauftragter der Bundesregierung. Im Interview sagte er nun, es mache einen Unterschied, "ob man Opfer einer individuellen Straftat oder eines Terroraktes wird". Bei Letzterem gehe es auch darum, das Vertrauen der Menschen in einen funktionierenden Rechtsstaat zu bewahren. "Deshalb haben wir hier eine besondere Verantwortung."

Auf die Frage, ob Behörden mehr Empathie lernen müssen, antwortete Franke: "Ja. Das ist ein ganz wichtiger Punkt."

aar/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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gurkenfass 30.04.2018
1. Lächerliche Summen
wenn man bedenkt das man alles selbst zu bezahlen hat. Selbst die Gerichtsmedizin schickt eine Rechnung! Aus Interviews mit Hinterbliebenen hätte man lernen können was es an Hilfe braucht. Eine Verzehnfachung wäre vielleicht ein Anfang, aber 30.000€ für ein Elterteil deckt gerade mal Fixkosten und einen Teil eines Jahresgehaltes.
auf_dem_Holzweg? 30.04.2018
2. Wenn der Staat versagt
da er sowohl vorab jahrelang falsche Politik betreibt, zudem in der Überwachung total versagt und zusätzlich in keinster Weise in der Lage ist, die Bürger zu schützen, so wäre mindestens das 10 bis 20 fache angesagt. Wir sprechen von Versagen auf ganzer Linie, das würde zwar den Schaden für den Verlust von Familienangehörigen niemals wieder wett machen, es wurde aber den Personen zumindest für eine kurze Zeit über die Runden helfen. Das angestrebte 3fache ist wieder nur eine Zahl die entsteht, wenn welt- , volks- und realitätsfremde Politiker an einer Sache basteln, von der sie nichts verstehen. es geht denn Herrschaften in Berlin einfach viel zu gut, sonst kämen solch beschämende Vorschläge niemals zustande.
matthias.ma 30.04.2018
3. Tatsächlich ein Unterschied?
Ich kann keinen Unterschied zwischen einem Terroranschlag und einem Raubüberfall mit darin eingeschlossenem Mord erkennen. Nur das es ggf. mehr gleichzeitige Opfer gibt und der Staat ggf. das Gefühl hat, dass er wegen mangelhafter Grenzsicherung und schlechter Politik mit Schuld ist. Ach ja, und der Unterschied der großen, lang andauernden, überregionalen Medienberichte, die solch eine populistische Entscheidung natürlich nachvollziehbar machen.
Plasmabruzzler 30.04.2018
4. Soforthilfe als Darlehen oder geschenkt?
Ich werde nicht ganz schlau daraus, ob diese sogenannte Soforthilfe als (zinsloses?) Darlehen gewährt wird oder ohne Rückzahlung abläuft.
Spiegelleserin57 30.04.2018
5. Gute Massnahme!
Der Haken ist allerdings: der Weg die zu bekommen! Man muss also direkt betroffen sein. Das muss erst Mal nachgewiesen werden. Es reicht nicht am Rande so einer Tat anwesend zu sein oder direkt nebendran. Die Hürde ist da sehr hoch und deswegen ist es auch leicht den Betrag zu erhöhen, Bei seelischen Traumata dürfte der Weg zur Entschädigung sehr weit sein.
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