Bremen Obduktion bestätigt Hirntod nach Brechmitteleinsatz

Der nach der gewaltsamen Gabe von Brechmittel in Bremen gestorbene Afrikaner erlitt einen Hirntod. Das ist das Ergebnis eines ersten rechtsmedizinischen Gutachtens. Unklar ist noch, ob das Einflößen des Mittels durch die Polizisten die Ursache für den Tod war.


Entscheidung im Bremer Rathaus: Brechmittel soll weiter gegen Drogendealer eingesetzt werden
DDP

Entscheidung im Bremer Rathaus: Brechmittel soll weiter gegen Drogendealer eingesetzt werden

Bremen - Das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin Berlin ist nur vorläufig. Ein endgültiges Ergebnis werde erst nach weiteren Untersuchungen und der Auswertung der Krankenunterlagen vorliegen, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Bremen mit. Erst dann wird klar sein, ob das Einflößen des Brechmittels Ursache für den Tod des 35-jährigen mutmaßlichen Drogendealers war.

Bei der Obduktion seien keine Organveränderungen festgestellt worden, die einen akuten Kollaps und den daraus sich ergebenden Hirntod erklären könnten. Auch seien keine Anzeichen für äußerliche Gewalteinwirkung gefunden worden.

Die Behörde prüfe derzeit die Vorgänge bei der Brechmittelverwendung im Polizeigewahrsam. Ergebnisse dazu gebe es noch nicht.

Laya-Alama Conde aus Sierra Leone war am 27. Dezember in Bremen wegen des Verdachts auf Drogenhandel festgenommen worden. Bei der Polizei wurde dem Beschuldigten ein Brechmittel zwangsweise über eine Sonde eingeflößt. Um das Erbrechen zu fördern, soll der Polizeiarzt dem Mann zusätzlich Wasser mit einer Spritze in den Magen injiziert haben, berichtete der Notarzt anschließend. Als Erstbefund gab er an: "Bei Magenspülung ertrunkener Patient". Seiner Einschätzung nach war bei der Prozedur Wasser in die Lunge des Verdächtigen gelangt.

Zwölf Tage lang lag der Afrikaner im Krankenhaus im Koma, bevor er schließlich vergangene Woche starb.

In Bremen wird nun verschärft über die Praxis der Brechmittelgabe diskutiert. Aber auch Innensenators Thomas Röwekamp (CDU) ist in die Diskussion geraten. Fraglich sind seine Ausführungen über die Abläufe gegenüber der Öffentlichkeit.

Der Tod des Mannes in Bremen ändert nichts an der Praxis der Brechmitteleinsätze in der Hansestadt. Die Innenbehörde teilte mit, man benötige dieses Mittel gegen Drogenhändler, die das in Plastikkügelchen verpackte Rauschgift beim Polizeizugriff verschlucken.



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