Brexit Berlin sagt Briten in Deutschland großzügige Aufenthaltsrechte zu

Im März soll Großbritannien die EU verlassen. Briten, die im EU-Ausland leben, fragen sich, wie es für sie dann weitergehen soll. Berliner Behörden bereiten sich offenbar auf den Ernstfall vor.

Brexit-Gegner (Symbolbild)
AP

Brexit-Gegner (Symbolbild)


In knapp 100 Tagen will Großbritannien die EU verlassen - mit oder ohne neues Abkommen. Das verunsichert die Lage von Hunderttausenden Briten, die im EU-Ausland leben. Nun soll die Bundesrepublik den Betroffenen großzügige Aufenthaltsrechte in Aussicht gestellt haben, berichtet der "Guardian".

Demnach wurde betroffenen Briten während einer Informationsveranstaltung in der britischen Botschaft in Berlin ein schnelles Registrierungsverfahren versprochen, auch wenn es zu keinem Brexit-Deal kommen sollte. Der Leiter der Berliner Ausländerbehörde, Engelhard Mazanke, sagte laut "Guardian", dass noch unklar sei, welchen Status die britischen Bürger genau bekommen und welche Dokumente sie benötigen werden, um diesen zu beantragen.

Website soll im Januar eingerichtet werden

Er soll jedoch versichert haben, dass die Situation so schnell wie möglich geklärt werden soll und die Aufenthaltsrechte "großzügig" ausfallen werden. Demnach werde es acht Wochen dauern, bis die Einwanderungsbehörde in Berlin eine Aufenthaltsgenehmigung ausstellen kann. Allerdings werde diese frühestens ab dem 29. März gelten. Die Behörden seien entsprechend vorbereitet.

Eine offizielle Website, auf der sich die betroffenen Briten registrieren lassen können, soll Mitte Januar eingerichtet werden. Schätzungen zufolge leben derzeit etwa 100.000 Briten in Deutschland, die meisten, 18.000, davon in Berlin.

Bisher dürfen Briten innerhalb der EU leben und arbeiten. Nach dem Brexit könnte sich das ändern. Viele fürchten deshalb Nachteile gegenüber Einheimischen und anderen EU-Bürgern, wenn sie beispielsweise zusätzlich eine Arbeitserlaubnis beantragen müssen.

Von einem No-Deal-Brexit wären auch Millionen EU-Bürger betroffen, die derzeit in Großbritannien leben. Die britische Regierung hat ihnen bereits zugesichert, dass sie auch nach einem Brexit weiter das Recht haben, in Großbritannien zu leben, zu studieren und zu arbeiten - zumindest für eine Übergangszeit, die voraussichtlich mindestens bis Ende 2020 gelten wird.

Die EU-Kommission hatte sich dafür ausgesprochen, dass die Mitgliedstaaten möglichst einheitlich einen legalen Aufenthaltsstatus gewähren und plädierte für "einen großzügigen Ansatz". Zudem sollen die EU-Staaten Absprachen zur Sozialversicherung treffen, also etwa beim Krankenversicherungsschutz.

EU und Briten wappnen sich für No-Deal

Ob es noch zu einem Brexit-Deal kommt, ist unklar. Mitte Dezember war Premierministern Theresa May mit dem Versuch gescheitert, der EU auf einem Gipfeltreffen weitere Zugeständnisse abzutrotzen. Außerdem kämpft sie derzeit um eine Mehrheit im Unterhaus für den mit der EU ausgehandelten Ausstiegsvertrag, doch die steht auf der Kippe. Und ein erneutes Referendum, das den Brexit noch abwenden könnte, lehnt May bisher ab.

Die britische Regierung bereitet sich bereits auf den Ausstieg ohne Abkommen vor. Unter anderem soll Platz auf Schiffen geschaffen werden, um Medikamente und andere Güter nach Großbritannien zu schaffen. Außerdem sollen 3500 Soldaten mobilisiert werden, um im Notfall Institutionen der Regierung zu schützen.

Auch die EU hat bereits Notfallmaßnahmen beschlossen, sollte es zu keinem Brexit-Deal kommen. Dabei geht es um essenzielle Fragen wie Flugverkehr, Handel und Finanzen.

insgesamt 69 Beiträge
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Bell412 22.12.2018
1. Berlin sollte noch weitere Angebote machen:
Nämlich all den EU-Ausländern, die im Britischen Gesundheitsdienst arbeiten und nun vor einer ungewissen Zukunft stehen, vernünftige(!) Jobs zu vernünftigen (!!) Bedingungen im hiesigen Gesundheitswesen anbieten. Meinetwegen auch mit einer Anzeigenkampagne in den grössten Britischen Medien, auch wenn die Brexiteers oder sonst wer über die Abwerbung schäumen würden. Wen juckts. Sonst kucken wir mal wieder hinterher, wie andere uns das Ruder aus der Hand nehmen.
xysvenxy 22.12.2018
2. Was ist eigentlich mit Touristen?
Eine Frage stelle ich mir schon lange - aber kein Nachrichtenmagazin scheint das bis jetzt beleuchtet zu haben: Was ist eigentlich ab Ende März mit EU Touristen die nach UK reisen bzw. britischen Touristen die in der EU Urlaub machen wollen? Brauchen die dann ab dem Brexit ein Visum?
baghira1 22.12.2018
3. Wird die Regelung auch andersherum gelten?
Ich kann ja verstehen,das man den hier lebenden Briten nicht rauswerfen möchte.Aber ,wird die Regelung auch für Deutsche in Großbritannien gelten?
tomrobert 22.12.2018
4. Sollen jedem Briten die Deutsche Staatsbürgerschaft geben.
Sind sowieso Europäer und sind ja nicht für die Einfalt dieser Brexit Leute verantwortlich. Und warum sollten die nicht die Deutsche oder irgend eine andere EU -Staatsbürgerschaft erhalten, wenn sie schon hier leben oder leben wollen?
Baschi 22.12.2018
5. Visumspflicht für Britannien?
Wohl doch eher nicht, was für eine Frage. Britinnen und Briten werden genau so wenig auffallen oder Nachteile haben wie Norweger und Schweizer die im EU Raum leben und arbeiten. Natürlich müssen Verträge abgeschlossen werden und Rosinenpickerei wird spätestens bei unnachgiebigen Brüsseler Kommissionen ein jähes Ende haben. Die Briten können ja ein bisschen auf die Schweiz herabschauen, die hat damit schon ein paar Blessuren eingefangen - und trotzdem, es funktioniert mehr oder weniger der Reihe nach.
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