Brexit-Folgen Gabriel will doppelte Staatsbürgerschaft für Briten in Deutschland

Junge Briten sind klüger als die politische Elite, sagt SPD-Chef Gabriel - und fordert für sie die doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland.

Sigmar Gabriel bei SPD-Konferenz in Berlin
DPA

Sigmar Gabriel bei SPD-Konferenz in Berlin


Die EU-Länder müssen aus Sicht von SPD-Chef Sigmar Gabriel Kontakt zu jungen Briten suchen. Diese hätten beim Brexit-Referendum mit großer Mehrheit für einen Verbleib Großbritanniens in der EU gestimmt. "Sie wussten besser als die Snobs der britischen Elite, dass es um ihre Zukunft ging", sagte Gabriel auf einem Europakongress der SPD. "Wir dürfen nicht einfach die Zugbrücke hochziehen zu ihnen."

Man müsse sich überlegen, was man den jungen Briten anbieten könne, sagte der Bundeswirtschaftsminister. Die SPD sei immer für eine doppelte Staatsbürgerschaft gewesen. "Lasst sie uns auch den jungen Briten anbieten, die in Deutschland, Italien oder Frankreich leben, damit sie EU-Bürger bleiben können in diesem Land."

Bereits vergangene Woche hatten sich Grünen-Politiker in diesem Sinne geäußert. Die EU-Staaten sollten jungen Briten auf dem Kontinent sofort Rechtssicherheit über ihren künftigen Status anbieten, sagte etwa die Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament, Rebecca Harms. "Das kann vom Aufenthaltsrecht bis zum Angebot der Staatsbürgerschaft gehen."

Derweil berichtet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), dass im vergangenen Jahr so viele EU-Bürger nach Deutschland zugewandert sind wie nie zuvor. 685.485 Ausländer aus EU-Staaten reisten 2015 nach Deutschland ein, 303.036 EU-Bürger wanderten wieder aus. Unter dem Strich lag die Nettozuwanderung damit bei 382.449 Menschen. Insgesamt leben dem Bericht zufolge nun gut vier Millionen EU-Ausländer in Deutschland. Knapp 106.000 von ihnen sind laut Ausländerzentralregister Briten.

Die meisten EU-Einwanderer stammten aus Osteuropa: Wichtigstes Herkunftsland war Rumänien (174.779) vor Polen (147.910), Bulgarien (71.709) und dem jüngsten EU-Mitglied Kroatien (50.646). Umgekehrt lagen Rumänien, Polen und Bulgarien auch bei der Abwanderung vorne.

feb/AP/dpa/Reuters



insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kit Kerber 02.07.2016
1.
Hervorragende Idee! Junge Menschen aus ganz Europa (die ein klares Bekenntnis zur EU ablegen und ein entsprechendes Schulzeugnis bzw. Bildungsdiplom vorlegen können), sollten an der doppelten Staatsbürgerschaft teilnehmen können. Ich würde damit aber noch warten, bis sicher ist, daß die Briten wirklich aussteigen. Angesichts der verfassungsrechtlichen Bedenklichkeit des sogenannten Brexit-Votums glaube ich noch nicht an einen Ausstieg GB's. Da ist noch viel Spielraum, um jetzt auf eine Revision (Stichwort: "Exit vom Brexit") hinzuarbeiten.
pfeiffffer 02.07.2016
2. Na, wer will denn da schon wieder bilige Arbeitnehmer..
in's Land holen? Soll für die eventuell auch der Mindestlohn nicht gelten, wie es schon mal für die sogenannten "Flüchtlinge" angedacht war, all die Ärzte, Professoren und Facharbeiter? Gabriel sollte sich lieber mal Gedanken machen, was er mit den hunderttausenden von deutschen Arbeitslosen anfängt, deren Arbeitsplätze in Zukunft wegen der Industrie 4.0 wegfallen. Aber das hieße ja, vorausdenken und die Zukunft gestalten, das lassen wir dann lieber mal bleiben.
Herkules67 02.07.2016
3. Gehts noch?
Was soll denn das für ein Schwachs..... sein? Rosinenpickerei jetzt für die Briten in Deu oder EU? Was sollen denn dann die Türken sagen, oder die Osteuropäer, oder jeder Migrant aus einem Drittstaat? Gabriel ist eigentlich nicht mehr tragbar in seiner Sprunghaftigkeit, irgendeinen Mis. zu fordern, naja sein Kollege Steinmeier auch nicht mehr nach seinem Säbelrasseln. Mann, kann denn nicht einer Deutschland vor der SPD schützen?
whitewisent 02.07.2016
4.
Warum eigentlich immer wieder nur Ausnahmen? Einfach mal eine progressive Entscheidung und die Möglichkeit mehrfacher Staatsbürgerschaft für Alle, also auch für die Deutschen!
Zehetmaieropfer 02.07.2016
5. Hat Herr Gabriel sonst keine Probleme?
Hat Herr Gabriel sonst keine Probleme als sich um vermeintliche Sorgen junger Briten zu kümmern, die eine eigene demokratisch legitimierte Regierung haben, die für sie verantwortlich ist. Die Lage vieler Menschen nur mit deutscher Staatsbürgerschaft ist wirklich nicht so rosig, als das die Bundesregierung eigentlich die Zeit hätte sich um die Probleme von Menschen aus anderen demokratisch verfassten Staaten zu kümmern. Sollten dies Herr Gabriel und seine Kollegen nicht so sehen, ist dies ein weiterer Beweis, wie entrückt sie von der Lebenswirklichkeit in Deutschland sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.