Brief an deutsche Bischöfe CDU-Politiker fordern Ausnahmen vom Zölibat

Verheiratete Männer zu Priestern weihen? Nach Ansicht führender CDU-Politiker wie Bundestagspräsident Lammert oder Bildungsministerin Schavan muss die katholische Kirche entschiedener gegen den Priestermangel vorgehen. Mit einem Brief an die deutschen Bischöfe wollen sie nun Druck aufbauen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert: Einsatz gegen Zölibat
DPA

Bundestagspräsident Norbert Lammert: Einsatz gegen Zölibat


Berlin - Namhafte katholische CDU-Politiker haben in einem Brief an die deutschen Bischöfe gefordert, verheiratete Männer zur Priesterweihe zuzulassen. In dem Schreiben, das verschiedenen Zeitungen vorliegt, heißt es: "Wir (...) halten es für dringend geboten, die deutschen Bischöfe im Lichte der besorgniserregenden Zunahme des Priestermangels zu bitten, die Zulassung von viri probati zur Priesterweihe zu ihrem eigenen Anliegen zu machen." Als viri probati werden verheiratete Männer bezeichnet, denen das Priesteramt aufgrund ihres Ehestandes bislang verweigert ist.

Zu den Unterzeichnern gehören Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesbildungsministerin Annette Schavan sowie die ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel, Bernard Vogel und Dieter Althaus. Außerdem unterstützen Familienstaatsekretär Hermann Kues und Friedrich Kronenberg, früher Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, die Initiative. Sie alle sind Mitglieder der CDU.

Mit dem Brief wollen sie die deutschen Bischöfe dazu bewegen, sich in der Weltkirche, vor allem aber beim Papst für die Reform einzusetzen. "Alle, zum Teil durchaus berechtigten Gründe, an der bisherigen traditionsreichen, wenn auch nicht durch ein Gebot Christi unabweisbaren Praxis festzuhalten, wiegen unseres Erachtens nicht so schwer wie die Not vieler priesterloser Gemeinden, in denen die sonntägliche Messfeier nicht mehr möglich ist", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Schreiben.

Bundestagspräsident Lammert warf dem Vatikan im Gespräch mit der "SZ" vor, er beschäftige sich "mit dem Problem in einer Weise, die diesem absolut nicht gerecht wird". Bildungsministerin Annette Schavan begründete ihre Beteiligung an der Initiative mit der "Not in den Gemeinden". Diese verlange "neue theologische Impulse und praktische Antworten".

hpi



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