Brief an Zuckerberg Aigner zieht in den Kampf gegen Facebook

Facebook will Nutzerdaten automatisch an Dritte weitergeben, die Ministerin für Verbraucherschutz protestiert: In einem Brief an Facebook-Chef Zuckerberg kritisiert Ilse Aigner das Vorgehen des sozialen Netzwerks - und droht mit der Kündigung ihrer Mitgliedschaft.

Verbraucherschutzministerin Aigner: "Privates muss privat bleiben"
dpa

Verbraucherschutzministerin Aigner: "Privates muss privat bleiben"

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Berlin - Als Studentennetzwerk gestartet, vernetzt Facebook nun die Welt. 400 Millionen Mitglieder verzeichnet die Website, darunter rund 7,5 Millionen Deutsche - und Hunderte Prominente. Eine davon: Ilse Aigner. Doch die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz droht nun, ihren Facebook-Account zu löschen.

In einem SPIEGEL ONLINE vorab vorliegenden offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg kritisiert Aigner scharf den jüngsten Vorstoß des sozialen Netzwerks, künftig "allgemeine Daten" über Nutzer an Dritte weiterzugeben: "Mit großer Verwunderung habe ich gesehen, dass Facebook ungeachtet der Bedenken von Nutzern und massiver Kritik von Verbraucherschützern den Datenschutz im Netzwerk weiter lockern möchte", schreibt Aigner an den "sehr geehrten Herrn Zuckerberg" im kalifornischen Palo Alto.

Hintergrund: In einer jüngst überarbeiteten Version seiner Datenschutzrichtlinie hat Facebook die geplante Weitergabe von Nutzerdaten an Dritte mitgeteilt. Es handele sich dabei um "überprüfte Web-Seiten und Anwendungen". Um Nutzern die Möglichkeit zu geben, "auch außerhalb von Facebook nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu können", sei man "gelegentlich gezwungen, anderen überprüften Web-Seiten und Anwendungen, die sich auf die Facebook-Plattform stützen, allgemeine Daten über dich zur Verfügung zu stellen, wenn du diese besuchst (wenn du noch bei Facebook angemeldet bist)".

Weitergegeben werden können demnach unter anderem der eigene Name, das Geschlecht, Profilbilder oder der Computerstandort. Diese Datenübermittlung soll automatisch erfolgen; die Zustimmung der Facebook-Mitglieder wird nicht eingeholt, allerdings gibt es eine Opt-Out-Möglichkeit.

Aigner droht mit Kündigung

Facebook versteht diese Änderungen noch als Vorschlag. Das Unternehmen ließ in den vergangenen Tagen seine Mitglieder darüber diskutieren. Am Samstag teilte Facebook auf seiner Website mit, dass man allen Diskutanten für die Teilnahme danke, in den nächsten Tagen die Kommentare der Nutzer lesen und die Community dann über die nächsten Schritte informieren werde.

Die deutsche Ministerin indes dringt auf konkrete und rasche Schritte: "Privates muss privat bleiben - ich denke, ich spreche hier für viele Internetnutzer", schreibt Aigner an den 25-jährigen Zuckerberg. Und weiter: "Leider achtet Facebook diesen Wunsch nicht, was auch durch die jüngste Studie der 'Stiftung Warentest' belegt wurde. Facebook schneidet hier schlecht ab. Im Umgang mit Benutzerdaten und bei Nutzerrechten ist jeweils die Note 'mangelhaft' vergeben worden. Bei der Datensicherheit hat sich Facebook nicht in die Karten blicken lassen - dafür gab es ebenfalls die Note 5."

Es sei umso erstaunlicher, so Aigner mit Blick auf die neue Datenschutzrichtlinie, dass Facebook "nicht gewillt ist, die bestehenden Mängel im Datenschutz abzustellen, sondern stattdessen noch weitergehende Eingriffe vornimmt". Mit solchen Entscheidungen könne ein Unternehmen auf Dauer kein Vertrauen gewinnen.

Deshalb erwarte sie von dem sozialen Netzwerk eine umgehende Überarbeitung der Richtlinie: Facebook müsse sicherstellen, dass die persönlichen Daten aller Mitglieder umfassend geschützt werden; geplante Änderungen der Nutzungsbedingungen müssten allen Mitgliedern "klar und deutlich" bereits vor jeder Änderung mitgeteilt werden; grundsätzlich dürften persönliche Daten nicht ohne Einwilligung automatisch an Dritte zu kommerziellen Zwecken weitergeleitet werden.

Der Appell der Ministerin: "Gerade weil besonders jungen Nutzern meist nicht bewusst ist, dass ihre persönlichen Profile zu kommerziellen Zwecken genutzt werden sollen, kommt Unternehmen wie Facebook eine besondere Verantwortung zu." Aigner schließt ihren Brief an Zuckerberg mit freundlichen Grüßen und dem Hinweis: "Sollte Facebook nicht bereit sein, seine Firmenpolitik zu ändern und die eklatanten Missstände zu beheben, sehe ich mich gezwungen, meine Mitgliedschaft zu beenden."

Damit hat die CSU-Politikerin nun auch Facebook den Kampf angesagt, nachdem sie sich in den vergangenen Wochen schon den Internetriesen Google vorgeknöpft hatte. Bevor der Konzern im Rahmen seines Street-View-Projekts Straßenzüge und Häuser in Deutschland fotografiere, müsse er erst die Zustimmung der Betroffenen einholen, forderte die Ministerin.

Doch weil Google bereits den größten Teil des Landes abfotografiert hat, veröffentlichte Aigner auf ihrer Homepage ein Widerspruchsformular. Die Bürger zahlten "durch das millionenfache Abbilden von Häusern und Gärten" mit dem Verlust ihrer Privatsphäre, heißt es dort.

Aigner goes WWW - die Agrarministerin verpasst sich ein modernes Image. Sie nutze jeden Tag das Internet, schreibt sie auch in ihrem Brief an Zuckerberg: "Beruflich wie privat." Sie sei Mitglied mehrerer sozialer Netzwerke, die eine Bereicherung und aus "unserem Leben nicht mehr wegzudenken" seien. Aigner ist seit 2009 Mitglied bei Facebook, derzeit hat sie dort rund 1.900 Freunde. Prominente darunter sind etwa Familienministerin Kristina Schröder (CDU), Bayerns SPD-Chef Florian Pronold oder TV-Moderator Thomas Gottschalk.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
spidermonkey, 05.04.2010
1. löschen?
soweit ich weiss kann man facebook-accounts doch gar nicht löschen oder? nur "deaktivieren"...die daten bleiben da...
Safado, 05.04.2010
2. Das ist das Ende von Facebook
Zitat von sysopFacebook will Nutzerdaten automatisch an Dritte weitergeben, die Ministerin für Verbraucherschutz protestiert: In einem Brief an Facebook-Chef Zuckerberg kritisiert Ilse Aigner das Vorgehen des sozialen Netzwerks - und droht mit der Kündigung ihrer Mitgliedschaft. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,687255,00.html
Wenn ein Internetausdrucker das Schiff verlassen sollte *scnr* Salutos Safado
racingpete 05.04.2010
3. das ende von facebook ist besiegelt!
facebook wird ohne ilse aigner nie wieder das selbe sein!
stasicom, 05.04.2010
4. ...die Ilsebill...
Street-View verbieten, aber bei Facebook rummachen...das nenne ich Januskopf. Von einer Verbraucherschutzministerin (was für ein Wort...) erwarte ich mehr als so ein zickiges "Rumgeeiere"
dreamtimer 05.04.2010
5. Rührend
Zitat von sysopFacebook will Nutzerdaten automatisch an Dritte weitergeben, die Ministerin für Verbraucherschutz protestiert: In einem Brief an Facebook-Chef Zuckerberg kritisiert Ilse Aigner das Vorgehen des sozialen Netzwerks - und droht mit der Kündigung ihrer Mitgliedschaft. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,687255,00.html
Kanzlerin Merkel kritisiert Diebe und droht damit ihre Haustür abzuschließen.
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