Briefe aus Afghanistan Soldaten beschweren sich über geöffnete Feldpost

In den vergangenen drei Monaten sollen Briefe von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gezielt geöffnet und womöglich zensiert worden sein. Der Wehrbeauftragte fordert nun Antworten: Minister Guttenberg soll klären, durch wen die Feldpost kontrolliert wurde - und warum.


Berlin - Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Hellmut Königshaus, hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eindringlich aufgefordert, einen möglichen Skandal innerhalb der Truppe aufzuklären. Einem Brief von FDP-Mann Königshaus vom Montag zufolge gibt es hinreichende Hinweise für den Verdacht, dass Post von der vordersten Front in Nordafghanistan auf dem Weg nach Deutschland gezielt geöffnet worden ist.

Königshaus war vergangene Woche auf einer Reise durch das Einsatzgebiet von Soldaten auf die geöffneten Briefe aufmerksam gemacht worden. Seinem Schreiben zufolge berichteten Soldaten des Ausbildungs- und Schutzbataillons, "dass deren Briefe nach Deutschland offenbar in großer Zahl und systematisch geöffnet worden seien". Die Briefe kamen demnach in den vergangenen drei Monaten "in der Heimat teilweise mit Inhalt, aber geöffnet, teilweise auch ohne Inhalt an".

Die Beschreibungen der Soldaten werfen für Königshaus viele Fragen auf. Auffällig sei, dass alle Klagen von zumeist aus dem niedersächsischen Seedorf stationierten Soldaten stammen. Diese Fallschirmjäger kämpften gemeinsam mit afghanischen und amerikanischen Einheiten im Raum Kunduz an vorderster Front. Die geöffnete Feldpost kommt laut Königshaus' Brief ausschließlich von Soldaten, die auf dem Vorposten "OP North" südlich von Kunduz eingesetzt waren.

Königshaus sieht "hinreichende Anhaltspunkte für eine Straftat"

Bisher ist völlig unklar, was hinter den Brieföffnungen steckt. Grundsätzlich, so erste Aussagen aus Bundeswehrkreisen, würden durch die Feldpost versandte Pakete immer wieder vom Zoll kontrolliert, die Beamten hinterlassen dabei jedoch klar erkennbare Aufkleber auf den Sendungen. Briefpost jedoch ist von diesen Kontrollen nicht betroffen. Königshaus forderte Minister Guttenberg daher auf, den Fall zu klären, da "hinreichende Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen".

Unter den Soldaten gehen bereits Gerüchte um: Die Briefe könnten aus Sicherheitsgründen geöffnet worden sein, damit durch der Feldpost keine sensiblen Daten über Operationen oder Stellungen der Bundeswehr an die Öffentlichkeit gelangen, sagten Einsatzkräfte, die namentlich nicht genannt werden wollten, SPIEGEL ONLINE. Eine solche Maßnahme würde aber möglicherweise gegen das Briefgeheimnis verstoßen. Vereinzelt wird sogar - bisher ohne jeden Beleg - gemutmaßt, dass die Bundeswehrführung die Post von der Front aus Angst vor drastischen Berichten der Soldaten habe zensieren wollen.

Beide Varianten würden die Bundeswehrführung in arge Erklärungsnot bringen. Im Ministerium hieß es, man gehe den Vorwürfen bereits mit Hochdruck nach. Bisher aber gibt es keine Erklärung für die Brieföffnungen. Zu konkreten Spekulationen, was hinter dem Phänomen stecken könnte, machte ein Sprecher des Hauses keine Angaben. In den nächsten Tagen soll nun der genaue Weg der Feldpost aus Afghanistan eingehend geprüft werden. Die Ermittlungen seien mit höchster Priorität veranlasst worden, der Minister werde umgehend über das Ergebnis informiert.

mgb



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insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
Einmitbewohner 18.01.2011
1. Alles...
Zitat von sysopIn den vergangenen drei Monaten sollen Briefe von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gezielt geöffnet und womöglich zensiert worden sein. Der Wehrbeauftragte fordert nun Antworten: Minister Guttenberg soll klären, durch wen die Feldpost kontrolliert wurde - und warum. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740237,00.html
Zu einem richtigen Krieg gehört natürlich auch die Zensur. Wen wunderts? Endlich mal Natura und nicht nur ödes Manöver in der Heimat. Mit allem: Gefallene, Verwundete, Orden, und nicht zu vergessen: neue Terroristen! Deutschland wird (un)sicherer und die Waffenindustrie wird reicher!
flower power 18.01.2011
2. Ja Gutti und die Moral
Zitat von sysopIn den vergangenen drei Monaten sollen Briefe von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gezielt geöffnet und womöglich zensiert worden sein. Der Wehrbeauftragte fordert nun Antworten: Minister Guttenberg soll klären, durch wen die Feldpost kontrolliert wurde - und warum. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740237,00.html
so ein von und zu kann sich doch nicht alles schönreden. Komisch, alles was so gegen die ehem. DDR geschleudert wurde, kommt nun als Bumerang retour. Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle.......sind wir schon Überwachungsstaat?????? Gerade die Briefe braucht man nicht zu öffnen. Dazu gab, und gibt es es keinen Anlass. Armes Deutschland wo ist die hochgelobte Freiheit???
zodiacmindwarp 18.01.2011
3. Diese "Neugierde" ist doch...
Zitat von sysopIn den vergangenen drei Monaten sollen Briefe von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gezielt geöffnet und womöglich zensiert worden sein. Der Wehrbeauftragte fordert nun Antworten: Minister Guttenberg soll klären, durch wen die Feldpost kontrolliert wurde - und warum. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740237,00.html
nicht wirklich etwas Neues.Die lagerinternen Telefonnetze werden abgehört, persönliche Dateien von Soldaten die auf Dienstrechnern gespeichert waren ( damals erlaubt )wurden durch Fachleute geöffnet und eingesehen. Unter "Öffnen" ist das knacken von Passwörtern mittels Administratorrechten zu verstehen.Und bei Beschwerden und dienstlichen Meldungen über und gegen diese Stasi-Methoden war dann immer von Missverständnissen und Irrtümern die Rede...! Hoffentlich rauscht es diesmal ordentlich im Karton...! mkg Zodiacmindwarp
wurzelei, 18.01.2011
4. Briefkontrolle aus Afghanistan
Ei der Daus, wie ekelig. Bei uns gibt es doch keine Zensur, nur bei den anderen! Wer es denn glaubt, wird seelig. Was ist "political correctness" anderes als Zensur? Und die haben wir mehr als reichlich: heldenhafter Kampf gegen rechts mit Steuergeldern, aber blind auf dem linken Auge.Das ist Gesinnungsterror.
sic tacuisses 18.01.2011
5. ja ! von unseren "Freunden" lernen heißt
Zitat von wurzeleiEi der Daus, wie ekelig. Bei uns gibt es doch keine Zensur, nur bei den anderen! Wer es denn glaubt, wird seelig. Was ist "political correctness" anderes als Zensur? Und die haben wir mehr als reichlich: heldenhafter Kampf gegen rechts mit Steuergeldern, aber blind auf dem linken Auge.Das ist Gesinnungsterror.
siegen lernen. Wo kämen wir denn da hin wenn an der Heimatfront plötzlich die Wahrheit über das Morden in AFG ans Tageslicht käme. Nein nein, nicht mit uns.
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