Festnahme nach Brüsseler Anschlägen Polizei "versucht", Düsseldorfer Salafisten zu vernehmen

Zwei Tage nach den Terroranschlägen von Brüssel nahm die deutsche Polizei Samir E. fest. Er könnte einen der Täter gekannt haben. Sprengstoff fand man bislang nicht bei ihm - jetzt wird sein PC überprüft.


Der Salafist Samir E. bleibt vorerst in Haft. Die Polizei hat bei der Durchsuchung seiner Düsseldorfer Wohnung aber nichts Verdächtiges entdecken können. "Es wurde nichts gefunden, was auch nur annähernd Bezüge zu Sprengstoff, Zündern oder Ähnlichem hat", sagte der Sprecher des Landeskriminalamts NRW, Frank Scheulen.

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Auch die Auswertung des Handys des Verdächtigen habe keine Verbindungen zu Islamisten ergeben. Die Ermittlungen dauerten aber an. So werde die Überprüfung des PCs noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Außerdem werde "versucht, ihn zu vernehmen", sagte Scheulen.

Samir E. gilt als Randfigur der salafistisch-dschihadistischen Szene in NRW. Er war nach SPIEGEL-Informationen ebenso wie der Brüsseler Flughafen-Attentäter Ibrahim El Bakraoui im Sommer 2015 von den türkischen Behörden im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien aufgegriffen worden.

Die Behörden in der Türkei verdächtigten beide, sich auf der Seite der Islamisten am syrischen Bürgerkrieg beteiligt zu haben oder noch beteiligen zu wollen. Beide seien daraufhin gemeinsam in einem Flugzeug nach Amsterdam abgeschoben worden, dem Ausgangspunkt ihrer Reise.

Die Behörden untersuchen nun, ob sich E. und Bakraoui näher gekannt haben und gemeinsam unterwegs waren. E. war am 1. März wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Aufgrund eines Geständnisses hatte er die Haft nicht sofort antreten müssen. Nach den Veröffentlichungen über seine Ausweisung aus der Türkei gemeinsam mit El Bakraoui habe aber hohe Fluchtgefahr bestanden. Darum sei der Mann am Donnerstag verhaftet worden.

Über die Festnahme Samir E.s berichtete der SPIEGEL zuerst. Hier gehts zum aktuellen Heft.

yes/dpa

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