"Brutal-TV" zu Ostern Sender wehren sich gegen Vorwürfe von Politikern und Bischöfen

"Stirb langsam" an Karfreitag, "Highlander" an Karsamstag, "King Kong" am Ostersonntag - Kirchenvertreter und Unionspolitiker haben die privaten Fernsehsender wegen ihrer Programmgestaltung über die Feiertage scharf kritisiert. Die TV-Anstalten weisen die Vorwürfe zurück.


Hamburg - Münchens Erzbischof Reinhard Marx sagte der "Bild am Sonntag": "Ich schaue mir so etwas nicht an, und solche Sendungen sind natürlich auch kein angemessener Umgang mit der Osterbotschaft." Besonders bezog er sich auf die Ausstrahlung mehrerer Folgen des Gewaltstreifens "Stirb langsam" über die Osterfeiertage.

King-Kong-Werbeplakat: Wie viel Gewalt verträgt Ostern?
REUTERS

King-Kong-Werbeplakat: Wie viel Gewalt verträgt Ostern?

Marx wies auch auf die Verantwortung der christlichen Parteien für das Niveau des Programms hin: "Die CDU hat das Privatfernsehen doch gefördert und glaubte, die TV-Qualität werde sich bessern. Ich war da immer schon skeptisch. Nicht immer sorgt der freie Markt für Qualität", zitiert ihn das Blatt. Aber es greife zu kurz, allein den Medien den Verfall der Sitten vorzuwerfen.

Der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Markus Bräuer, kündigte an, weiter das Gespräch mit den Sendern zu suchen, um mehr Sensibilität für das Programm an solchen Feiertagen zu erzielen. Bräuer sagte, der Film "Stirb langsam" sei genauso unpassend wie der dazugehörige Trailer mit einem schmelzenden Osterhasen.

Kritik am Osterprogramm der Privaten kam auch aus der Politik. So sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU): "Es wäre wünschenswert, dass auch die privaten Medien auf die religiösen Gefühle der Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger Rücksicht nehmen. An diesem Osterfest ist dies nicht gelungen." Den Programmgestaltern komme zu den Feiertagen eine besondere Verantwortung zu.

CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer rügte das Programm der Privaten: "Die Ostertage haben in unserem Land eine zentrale Bedeutung: Sie sollen Tage des Friedens und des Miteinanderseins sein, da ist Brutal-TV fehl am Platz", sagte sie.

Die Sender RTL und Sat.1 wiesen die Vorwürfe zurück: "'Stirb langsam' ist ein beliebter Filmklassiker, was die Zuschauerquote am Karfreitag auch gezeigt hat. Insofern ist er ein angemessener Feiertagsfilm", sagte Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler. RTL wandte sich ebenfalls gegen die Kritik: Auch an den christlichen Feiertagen werde ein ausgeglichenes Programm gezeigt. "Uns liegt es fern, die religiösen Gefühle der Zuschauer zu verletzen", sagte Sprecherin Anke Eickmeyer.

Zollitsch mahnt soziale Verantwortung der Massenmedien an

Mit der Wirkung von Massenmedien befasste sich auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. In einem Pontifikalamt im Freiburger Münster mahnte er deren soziale Verantwortung an. Zu den möglichen Gefahren der Medien gehöre, dass sie die Wirklichkeit nicht nur abbildeten, sondern "dass sie um einer höheren Quote willen bestimmte Ereignisse auf suggestive Weise selbst schaffen", sagte Zollitsch.

Zugleich erinnerte er auch die Mediennutzer an ihre Verantwortung. "Jeder und jede von uns hat die Freiheit, sich bestimmte Dinge nicht anzuschauen oder rechtzeitig den Abschaltknopf zu bedienen." Zollitsch lenkte den Blick besonders auf die Erziehungsverantwortung der Eltern.

asc/AP/dpa/ddp

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