Buback-Mord Ehemaliger "Bild"-Reporter belastet Verena Becker

Neue Volte im RAF-Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Buback: Der Journalist Nils von der Heyde belastete Verena Becker vor Gericht - sie soll doch die Schützin sein. Das habe ihm der spätere Chef des Hamburger Verfassungsschutzes vor 34 Jahren erzählt. Beweise gibt es nicht.

Verena Becker beim Prozess: "Die Sola war's"
dapd

Verena Becker beim Prozess: "Die Sola war's"


Stuttgart - Der Journalist Nils von der Heyde hat im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker ausgesagt, dass die Angeklagte doch direkt an dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback beteiligt gewesen sein soll. Der 73-jährige von der Heyde sagte am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart, ein damaliger Abteilungsleiter des Hamburger Verfassungsschutzes, Christian Lochte, habe ihm Becker als Schützin genannt - kurz nach dem tödlichen Attentat auf Buback am 7. April 1977.

Von der Heyde, ehemaliger Chef-Reporter der "Bild"-Zeitung habe demnach bei seinem engen Freund Lochte angerufen, nachdem er von dem Mord erfahren hatte. "Die Sola war's", habe Lochte ihm in dem Telefonat gesagt. Sola sei ein Deckname der damaligen RAF-Terroristin Becker gewesen. Was der Grund des Verdachts war, habe Lochte ihm nicht gesagt. Auch woher Lochte die Informationen hatte, konnte von der Heyde nicht sagen. Am Donnerstag räumte der frühere Journalist ein, dass er nicht beurteilen könne, ob die Aussage richtig sei, da Lochte ihm etwas vom Hörensagen mitgeteilt habe.

Seines Wissens nach habe Lochte die angeblichen Informationen nicht an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben. Der Verfassungsschützer habe von einer möglichen "Intrige" gesprochen, sagte von der Heyde. Becker soll demnach zum Zeitpunkt des Anschlags bereits mindestens ein Jahr mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet haben - ein Vorwurf, den auch Buback-Sohn Michael wiederholt geäußert hat.

Bundesanwaltschaft zieht von der Heydes Glaubwürdigkeit in Frage

Bundesanwaltschaft und Verteidigung machten jedoch deutlich, dass sie große Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussage haben. So hatte von der Heyde bereits 2009 in einem Online-Leserkommentar auf Zeugen hingewiesen, die eine Frau auf dem Tatmotorrad gesehen haben wollten - ohne jedoch sein angebliches Gespräch mit Lochte zu erwähnen. Ungeklärt blieb auch, wie Lochte auf den Decknamen "Sola" gekommen sein soll, der sonst nicht für Becker verwendet wurde. Lochte, der später Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz wurde, kann nicht mehr gefragt werden. Er starb 1991.

Bis heute ist ungeklärt, welches RAF-Mitglied die tödlichen Schüsse auf Buback, seinen Fahrer Wolfgang Göbel und Justizwachtmeister Georg Wurster abgefeuert hat. Das BKA hatte gleich nach dem Mordanschlag öffentlich nach den RAF-Mitgliedern Christian Klar, Günter Sonnenbergund Knut Folkerts gefahndet.

Zuvor hatte ein ehemaliger hochrangiger BKA-Beamter Becker entlastet: "Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen, kann ich nur einen Ausschluss machen: Es war nicht Frau Becker", hatte der damalige BKA-Einsatzleiter Rainer Hofmeyer vor einer Woche vor Gericht gesagt. Der hochrangige Beamter betonte, das BKA sei "nach bestem Wissen und Gewissen" zu der Erkenntnis gekommen, dass keine Frau an der Tat beteiligt war. "Deshalb war es weder eine Frau Becker noch eine andere Frau", sagte er.

Der ehemalige Reporter von der Heyde sagte jetzt, er habe sein Wissen jahrzehntelang für sich behalten, bis er 2010 von den Recherchen Michael Bubacks erfahren habe. Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts hält Becker für die Schützin - im Gegensatz zur Bundesanwaltschaft. Die 59-Jährige ist vor dem OLG Stuttgart als mögliche Mittäterin des Attentats angeklagt, jedoch nur, weil sie bei der Planung und Organisation eine führende Rolle gespielt haben soll.

lgr/dapd/dpa

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
kundennummer 11.08.2011
1. Bizarr
Zitat von sysopNeue Volte im RAF-Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Buback: Der Journalist Nils von der Heyde belastete Verena Becker vor Gericht - sie soll doch die Schützin sein. Das habe ihm der spätere Chef des Hamburger Verfassungsschutzes vor 34 Jahren erzählt. Beweise gibt es nicht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,779765,00.html
Einfach bizarr.
McBline 11.08.2011
2. Titel
Und Bild-Reporter (ehemalig oder nicht) sind ja so was von glaubwürdig...
Pepito_Sbazzagutti 11.08.2011
3. ....
"Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts hält Becker für die Schützin - im Gegensatz zur Bundesanwaltschaft." ------------------- Wen interessiert denn, ob Buback Verena Becker für die Schützin hält oder nicht? Ich frage mich, ob Buback den baden-württembergischen Richtern nicht schon lange auf den Geist geht.
Andrew M., 11.08.2011
4. Bild
Ein BILD Reporter sagt aus und das auch noch ohne jegliche Beweise. Also typisch BILD. Ex Mitarbeiter oder nicht. Vielleichtt kann er ohne Beweise auch über den Foltermord an die RAF Mitglieder in Stammeim Berichten, wenn er so gut inform(ant)iert ist? Forensisch hält die Selbstmordverschwörung nicht stand.
Hador, 11.08.2011
5. Keinen Titel...
Zitat von sysopNeue Volte im RAF-Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Buback: Der Journalist Nils von der Heyde belastete Verena Becker vor Gericht - sie soll doch die Schützin sein. Das habe ihm der spätere Chef des Hamburger Verfassungsschutzes vor 34 Jahren erzählt. Beweise gibt es nicht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,779765,00.html
Die Umstände der Aussage sind ja wohl mehr als abstrus. Von einem wirklichen Belastungszeugen kann man da wohl kaum sprechen. Aber nähmen wir spasseshalber mal an, dass die Aussage richtig wäre und der Hamburger Verfassungsschutz hätte bereits kurz nach dem Attentat gewusst, dass Becker die Täterin war. Dann würden sich gleich mehrere Fragen ergeben, allen voran: WOHER wusste der Verfassungsschutz das und WARUM hat man nie dementsprechend gehandelt?
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