Buback-Mord Ehemaliger BKA-Ermittler entlastet Verena Becker

Im Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback hat ein hochrangiger Beamter die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker entlastet: Die Tat sei nicht von einer Frau begangen worden, sagte der damalige BKA-Ermittler vor Gericht.

Verena Becker beim Prozess: "Es war weder Frau Becker noch eine andere Frau"
dapd

Verena Becker beim Prozess: "Es war weder Frau Becker noch eine andere Frau"


Stuttgart - Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker kommt nach Aussage eines ehemaligen Ermittlers des Bundeskriminalamts ( BKA) nicht als Schützin beim Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Frage. "Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen, kann ich nur einen Ausschluss machen: Es war nicht Frau Becker", sagte der damalige BKA-Einsatzleiter Rainer Hofmeyer am Donnerstag im Prozess gegen Becker vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.

Der hochrangige Beamter betonte, das BKA sei "nach bestem Wissen und Gewissen" zu der Erkenntnis gekommen, dass keine Frau an der Tat beteiligt war. "Deshalb war es weder eine Frau Becker noch eine andere Frau", sagte er.

Bis heute ist ungeklärt, welches RAF-Mitglied am 7. April 1977 die tödlichen Schüsse auf Buback, seinen Fahrer Wolfgang Göbel und Justizwachtmeister Georg Wurster abgefeuert hat. Die Bundesanwaltschaft wirft der 59-jährigen Becker vor, maßgeblich an der Entscheidung und Planung des Anschlags beteiligt gewesen zu sein. Die Ankläger gehen anders als Nebenkläger und Buback-Sohn Michael nicht davon aus, dass Becker die Todesschützin war.

BKA-Ermittler: "Ein Alibi kann ich Frau Becker nicht geben"

Hofmeyer, der bis 1993 Leiter der Abteilung Terrorismusbekämpfung im BKA war, schloss jetzt vor Gericht entschieden aus, dass Becker bei den Ermittlungen in irgendeiner Weise geschützt wurde. "Wenn uns jemand gesagt hätte, das müsst ihr so machen, hätten wir einen Skandal daraus gemacht. Wir hätten das nicht mitgemacht." Michael Buback hat wiederholt die Vermutung geäußert, Becker habe mit Geheimdiensten zusammengearbeitet und sei deshalb geschützt worden.

Hofmeyer wies solche Vermutungen zurück: "Das wäre gegen unser Rechtsstaatsempfinden gewesen." Er habe auch keine Kenntnisse über eine Zusammenarbeit Beckers mit dem Verfassungsschutz gehabt. Becker hatte verschiedenen Quellen zufolge während ihrer Haftzeit mit dem Verfassungsschutz gesprochen; über eine Zusammenarbeit vor ihrer Festnahme im Mai 1977 ist jedoch nichts bekannt.

Der inzwischen pensionierte BKA-Ermittler korrigierte Aussagen aus einem Radiointerview, in dem er Verena Becker zum Kreis der ersten Tatverdächtigen nach dem Attentat auf Buback gezählt hatte. "Zum Zeitpunkt des Anschlags auf Buback hat der Name Becker keine Rolle gespielt", sagte Hofmeyer. Das BKA hatte gleich nach dem Mordanschlag öffentlich nach den RAF-Mitgliedern Christian Klar, Günter Sonnenberg und Knut Folkerts gefahndet.

Genaue Erkenntnisse, wo sich Verena Becker zur Zeit des Attentats aufhielt, hat Hofmeyer auch im Nachhinein nicht. "Dass ich jetzt Frau Becker ein Alibi geben könnte, dazu bin ich nicht in der Lage."

lgr/dpa/dapd

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