Buback-Nachruf "Mescalero" entschuldigt sich

"Mescalero", der seinerzeit anonyme Autor des umstrittenen "Nachrufs" auf das RAF-Opfer Siegfried Buback, hat sich bei dessen Sohn entschuldigt. Das Schriftstück hatte in der vergangenen Woche auch Umweltminister Trittin in Bedrängnis gebracht.


Die Szene am Ort des Attentats (7. April 1977)
DPA

Die Szene am Ort des Attentats (7. April 1977)

Frankfurt/Main - In einem offenen Brief an Michael Buback, den Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts, schrieb "Mescalero" alias Klaus Hülbrock, "dass mir die damals persönlich auf Ihren Vater gemünzten Worte heute wehtun". Das habe er Buback auch bereits vor zwei Jahren persönlich mitgeteilt. Zu einer Distanzierung von der "politischen Performanz" des Artikels bestehe jedoch kein Anlass.

Wegen des in Göttingen verfassten anonymen Nachrufs war Umweltminister Jürgen Trittin in den vergangenen Wochen von Buback heftig kritisiert und zu einer Distanzierung aufgefordert worden. Der Grünen-Politiker, der damals in der linken Göttinger Studentenszene aktiv war, hatte die Autorenschaft stets bestritten und erklärt, er kenne den Verfasser nicht.

Michael Buback
DPA

Michael Buback

In dem einseitigen Schreiben an Buback heißt es wörtlich: "Zu ihrer Begegnung mit Trittin möchte ich Ihnen mein aufrichtiges Mitgefühl ausdrücken. Aber der hat nun wirklich nichts damit zu tun. Ich bin das scharfe Schwarz (richtig). Ein Blackout aller. Kognitives Nichts. Der Niemand, auf den Sie trefflicher zielen können."

In dem "Mescalero"-Text mit der Überschrift "Buback - ein Nachruf" hieß es 1977 unter anderem: "ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht verhehlen". Ebenfalls lassen sich aber laut Südwestrundfunk die Worte finden: "Unser Weg zum Sozialismus (...) kann nicht mit Leichen gepflastert werden."

Hülbrock schrieb nun, bereits damals sei der "schmähende Sachverhalt des Artikels gegen seinen Wahrheitsgehalt" ausgespielt, sowie aus dem Zusammenhang gerissen, verdreht und verstümmelt worden. Die aktuelle Debatte kommentiert Hülsbrock wie folgt: "Es sind dieselben Banausen und Wahrheitsverdreher am Werk. Erneut ungerechtfertigt bietet sich dasselbe erbärmliche Schauspiel von Masse und Macht."



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