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Buch zur Integration: Sarrazin nennt Wowereits Thesen "Unsinn"

Thilo Sarrazin teilt wieder aus - diesmal gegen seinen ehemaligen Chef, Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Dessen Buch zur Integration nennt er eine "Schönwetter-Mutmachfibel". Das Werk seines SPD-Parteifreundes sei "inhaltsleer", es fehle an "geistigem Niveau".

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DPA

Thilo Sarrazin: "Blühender Unsinn"

Berlin - Mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" sorgte der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin für Furore: Er beschimpfte Muslime, die sich angeblich nicht integrieren wollen - und avancierte zur Galionsfigur der Islamophoben in Deutschland. Er musste viel Kritik einstecken - doch es geht offenbar auch umgekehrt: Das jüngst erschienene Werk von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit sei eine "Schönwetter-Mutmachfibel", schreibt Sarrazin in einem Gastbeitrag für die "Berliner Morgenpost".

"Mut zur Integration. Für ein neues Miteinander" heißt das Buch von Wowereit - und laut Sarrazin findet sich darin "blühender Unsinn": "Der Einwanderungsdiskussion, wie sie Klaus Wowereit führt, fehlt schlicht das geistige Niveau." Wowereit verwende einen unklaren Integrationsbegriff, für ihn seien alle gleich - egal ob es sich um arme Rentner, Behinderte, Lesben oder Araber handele, schreibt Sarrazin. Doch wer alles in einen Topf werfe, vernebele die Probleme.

"So weit ausgedehnt und bis zur Unkenntlichkeit inhaltsleer kann man seinen Integrationsbegriff in einer Kurzformel zusammenfassen: Seid umschlungen, Millionen", schreibt Sarrazin, der zwischen 2002 und 2009 unter Wowereit im Berliner Senat gearbeitet hat.

Völliger Unsinn ist ihm zufolge Wowereits Satz: "Ohne Migration wären moderne Gesellschaften gar nicht vorstellbar." Denn - so Sarrazin - die europäischen Länder hätten im 19. Jahrhundert, als sie zu Industriemächten heranreiften, keine wesentliche Einwanderung gehabt.

Sarrazins Fazit: "Zu hoffen bleibt nur, dass der geistige Anspruch des Regierenden Bürgermeisters weiter reicht, als sein Buch erkennen lässt."

Wowereit selbst hat sich bereits vor wenigen Tagen, pünktlich zum Erscheinen von "Mut zur Integration", über seinen SPD-Genossen geäußert. Er möchte sein Buch nicht als "Anti-Sarrazin-Werk" verstanden wissen, sagte er in einem Interview mit der "Berliner Morgenpost". Vielmehr sei es das Ergebnis einer zweijährigen Arbeit in der Zukunftswerkstatt Integration beim Bundesvorstand der SPD. Das Buch sei bereits beschlossene Sache gewesen, bevor Sarrazin mit seinen Integrationsthesen auf der Bildfläche erschien, sagte Wowereit. Er habe darin auch deutlich machen wollen, dass "Sarrazins Thesen nicht die Thesen der SPD sind".

aar/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 186 Beiträge
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1. Ritterschlag
OlGa 22.10.2011
Zitat von sysopThilo Sarrazin teilt wieder aus - diesmal gegen seinen ehemaligen Chef, Berlins Regierungschef Klaus Wowereit. Dessen Buch zur Integration nennt er "Schönwetter-Mutmachfibel". Das Werk seines SPD-Parteifreundes sei "inhaltsleer",*es fehle an "geistigem Niveau". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,793419,00.html
Kritik von einem der prominentesten Rassisten des Landes - das ist ja wie ein Ritterschlag für Wowereit. Der sollte sich eigentlich bedanken, aber es kommt zu spät für die Wahl.
2. Muß man das lesen?
wanderer2011 22.10.2011
Zitat von sysopThilo Sarrazin teilt wieder aus - diesmal gegen seinen ehemaligen Chef, Berlins Regierungschef Klaus Wowereit. Dessen Buch zur Integration nennt er "Schönwetter-Mutmachfibel". Das Werk seines SPD-Parteifreundes sei "inhaltsleer",*es fehle an "geistigem Niveau". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,793419,00.html
Eigentlich sollte man ein Buch vor der Rezension lesen. Aber ist das nötig bei Wowereit? Ich schließe mich Sarrazins Wertung an: Wowereits Buch ist inhaltsleer uns es fehlt an geistigem Niveau.
3. Endlich mal was Positives!!!
alcaselzar 22.10.2011
Zitat von sysopThilo Sarrazin teilt wieder aus - diesmal gegen seinen ehemaligen Chef, Berlins Regierungschef Klaus Wowereit. Dessen Buch zur Integration nennt er "Schönwetter-Mutmachfibel". Das Werk seines SPD-Parteifreundes sei "inhaltsleer",*es fehle an "geistigem Niveau". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,793419,00.html
Ein Großteil der Probleme resultiert doch genau aus dieser Haltung unserer Politiker, wie sie Woweriet zeigt. Probleme schön reden und als Erfolge verkaufen, Dazu gehört vertuschen und vernebeln. Diese Form der politischen Arbeit wird nun in einem Buch dokumentiert, dass ist doch was Positives, dass man das mal studieren kann. Verräterisch auch die "Vierte Gewalt" im Artikel! "Er beschimpfte Muslime, die sich angeblich nicht integrieren wollen - und avancierte zur Galionsfigur der Islamophoben in Deutschland." Es wird die Integrationsunwilligkeit mancher Migranten nicht mal geleugnet, aber mit "kritisieren" geht das nichtab. Nein, nach dem Verständnis der Presse hat Sarrazin beschimpft, sonst könnte man ihn ja gut finden! Überflüssig zu erwähnen, dass der Begriff "islamophob" von Khomeni stammt! Wir werden manipuliert!
4. Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Koltschak 22.10.2011
"Zu hoffen bleibt nur, dass der geistige Anspruch des Regierenden Bürgermeisters weiter reicht, als sein Buch erkennen lässt." Ich glaube, da hofft Herr Sarrazin umsonst. Wenn der Genosse Wowereit irgendwo in Gesprachsschaus auftaucht, dann redet er seichten populistischen Unsinn, der eigentlich von jedem kommen könnte, genau wie von Lieschen Müller von nebenan alsl auch von einem Herrn Laschetr aus NRW. Null Durchblick, wenig Kenntnis. Einen Blick für die Probleme hat Herr Wowereit noch nie bewiesen und schon gar keinen scharfen Blick, wie er eigentlich für Berlin nötig wäre. Schön ist es immerhin, dass wenigstens SpOn auf gleichem Niveau wie Wowereit argumentiert. Immer haarscharf an der Realität vorbei! Herr Sarrazin hat - leider - vollkommen Recht!
5.
WissInter 22.10.2011
---Zitat--- Ohne Migration wären moderne Gesellschaften gar nicht vorstellbar. ---Zitatende--- Diese These ist nun wirklich gröbster Unfug. Wer will Ernsthaft bestreiten das in Japan, Finnland, Korea und Island moderne Gesellschaften heimisch sind?
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