Von Sebastian Fischer und Philipp Wittrock
Das Problem: Die Deutsche Bahn hat offenbar nicht mit damit gerechnet, dass der Winter auf den Herbst folgt. Das Unternehmen zeigte sich insbesondere in den Tagen um Weihnachten herum völlig überfordert vom Schnee: Züge fielen reihenweise aus oder waren überfüllt, Kunden mussten stundenlang in der Kälte warten. Das Unternehmen kapitulierte vor dem Wetter. Im Sommer war es auch nicht besser. Da fielen die Klimaanlagen in den Zügen aus. Besonders schlimm traf es die Berliner im Winterchaos: Ihre S-Bahn fuhr am Ende vor lauter Überforderung manchen Stadtteil gar nicht mehr an.
Die Verantwortlichen: Schuld an der Misere, das ist zumindest die Empfindung der meisten Bahnkunden, sind die Manager mit ihrer Profitgier. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) forciert das, gibt gern den Anwalt des Volkes. So droht der Minister den Bahn-Verantwortlichen: "Wenn sich herausstellt, dass es vermeidbares Chaos gab, muss es Konsequenzen geben." Der Winter in Deutschland tauge dabei nicht "als Ausrede". Markig hört sich das an. Doch Moment! Die Bahn gehört ja nicht den Managern. Sie ist zwar privatrechtlich organisiert, aber im Staatsbesitz. Zu hundert Prozent. Und Ramsauer? Der Verkehrsminister ist der oberste Dienstherr von Bahn-Chef Rüdiger Grube, im Aufsichtsrat der Bahn sitzen gleich drei Staatssekretäre Ramsauers.
Die Bahn wird ausgepresst vom Staat: Die Regierung hat die jährliche Unternehmensdividende über 500 Millionen Euro im Rahmen ihres Sparpakets bereits verplant - statt sie zu nutzen, um das marode Unternehmen wieder flottzumachen. Daran hält Ramsauer bisher fest. Der Minister macht sich einen schlanken Fuß, wenn er jetzt behauptet, die gegenwärtigen Probleme seien Ergebnis des jahrelangen Sparkurses und Renditedrucks. Der Druck nämlich kam aus der Politik, sowohl von Ramsauers Unionsparteien als auch von der SPD. Es war Kanzler Gerhard Schröder, der Grube-Vorgänger Hartmut Mehdorn ins Amt hievte. Und der machte sich von Beginn an für die Privatisierung der Bahn stark - die schließlich vorerst abgeblasen wurde. Nur eines ist besser geworden im Vergleich zu Bundesbahn-Zeiten: der Service und der Umgangston des Personals.
Fazit: Die Politik hat gepennt, hat im Privatisierungswahn nicht mehr an Sinn und Zweck des Unternehmens gedacht: die ordentliche Beförderung von Fahrgästen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Merkels Regierung | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH